Der Verstand erschafft Probleme, die es gar nicht gibt. Je tiefer du in das Mysterium des Lebens eintauchst, desto mehr stellst du fest, dass es ohne Verstand gar keine Probleme gibt. Das mag vielleicht jetzt noch illusorisch klingen oder wie positives Denken, aber das ist es nicht. Es geht nicht darum, dass du dir dein Leben schönredest. Es geht darum, dass dein Verstand still ist. Mit einem schweigenden Verstand findest du keine Probleme mehr — und zwar vollkommen unabhängig von deinen Umständen. Entsprechend ist es so, dass deine Probleme abnehmen, je ruhiger du wirst, je weniger Aufmerksamkeit du deinem Verstand gibst. Dein Kopf steht aber natürlich überhaupt nicht darauf, wenn du ihm keine Aufmerksamkeit mehr gibst. Er lebt von deiner Aufmerksamkeit und er versucht, sie wieder und wieder und wieder von dir zu bekommen. Er will nicht, dass du ihn alleine lässt. Ohne deine Aufmerksamkeit existiert er gar nicht. Und was du jetzt vielleicht noch für unmöglich hältst, ist tatsächlich machbar. Es gibt eine Möglichkeit, dieses Leben vollkommen anders zu erleben als bisher. Und das bedeutet nicht, dass das schon unbedingt das Ziel ist oder die einzige Variante. Aber selbst diese erste Variante ist schwer zu beschreiben, weil es nicht mehr darum geht, welche Gedanken und Gefühle du hast, weil du begonnen hast, die Problematisierung deines Lebens durch den Verstand zu ignorieren. Da können trotzdem noch Gedanken da sein und es gibt trotzdem noch Gefühle, aber du lässt es nicht mehr zu, dass dein Leben problematisiert wird. Du erkennst, dass du es zulassen musst, dass es problematisiert wird und ohne dein Einverständnis gibt es diese Möglichkeit nicht mehr. Das, was jetzt gerade hier ist, ist nicht das, was dir dein Verstand erzählt. Dein Verstand und deine tatsächlich erlebte Realität sind zwei vollkommen verschiedene Erlebnisse. Man könnte auch sagen, zwei verschiedene Erfahrungsebenen, wobei du den Verstand ja gar nicht erfahren kannst. Erfahren kannst du nur seine Auswirkungen, also falls deine Gedanken Gefühle verursachen, Körperempfindungen. Die gibt es aber natürlich auch ohne Gedanken. Das heißt, die sind der Wahrheit deiner tatsächlich erlebten Realität einen Schritt näher. Also deine Körperempfindungen. Die Gedanken sind einige Schritte weiter entfernt von deiner tatsächlich erlebten Realität. Die Herausforderung ist es nicht, das sofort zu 100 % umsetzen zu können. Die Herausforderung ist es, das zum ersten Mal zu erkennen und ab diesem Zeitpunkt immer wieder dorthin zurückzukehren — und zwar ohne dass du dir dabei das Paradies vorstellst oder Erleuchtung oder vollkommenes Erwachen, sondern indem du immer wieder in deine tatsächlich erlebte Realität zurückkommst, während du gleichzeitig deine Gedanken, so gut es geht, ignorierst. Je intensiver du dich auf deine Körperempfindungen konzentrierst, nimm einfach die stärkste, falls mehrere da sind, desto weniger kannst du denken beziehungsweise desto weniger ist es dir möglich, die Aufmerksamkeit auf deine Gedanken zu lenken. Wenn du mit deiner Aufmerksamkeit wieder bei deinen Gedanken bist und dich dabei erwischst, ist es kein Problem. Dann realisierst du das einfach und kommst wieder zu deiner Körperempfindung zurück. Und dann machst du das einfach für den Rest deines Lebens.