Gedanken sind Illusion. Körperempfindungen sind einen Schritt näher an der Wahrheit. Die absolute Wahrheit ist jenseits der Körperempfindungen, aber die Körperempfindungen sind einen Schritt von den Gedanken entfernt und damit näher an der Wahrheit. Es geht nicht um eine Verurteilung der Gedanken, aber es geht darum zu erkennen, dass tatsächlich jeder einzelne Gedanke eine Illusion ist. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern in jedem Moment für dich überprüfbar. Du kannst einfach jetzt nachschauen und deine Gedanken beobachten und du kannst einfach den letzten Gedanken, den du hattest oder den erstbesten, den du findest, überprüfen auf seinen Gehalt und auf seine Bedeutung in deiner erlebten Realität. Deine erlebte Realität ist nicht das, was du denkst. Deine erlebte Realität ist das, was du wahrnimmst, was du fühlst, riechst, schmeckst. Das ist deine unmittelbar erlebte Realität. Und natürlich auch das, was du jetzt gerade hörst. Die weiterführenden Gedanken sind nicht die unmittelbar erlebte Realität. Sie sind im Verhältnis zu dem, was du tatsächlich erfährst, virtuell. Tatsächlich ist natürlich auch all das, was du wahrnimmst, virtuell. Aber es geht ja erst einmal um den ersten Schritt. Und wenn du einfach sagst: »Na ja, alles ist ja virtuell!«, dann bleibst du in der Philosophie hängen und darunter verstehe ich in der Theorie und du bist nicht in der Praxis. Denn es ist schnell dahin gesagt. Das heißt aber nicht, dass du es erlebst, dass du es tatsächlich so wahrnimmst in jedem Moment. Unser Verstand macht das ganz gerne, der nimmt Abkürzungen. Da kennt er sich dann super aus, statt einmal zu überprüfen, ob er den ersten Schritt tatsächlich lebt. Die Wahrscheinlichkeit ist gering, denn er kann diesen ersten Schritt gar nicht leben. Das kannst nur du. Erkenne also, dass deine Gedanken eine Realität in dir kreieren, die für dich dann zwar real wirkt, die aber nicht tatsächlich hier ist! Sie ist nur hier, weil du die Gedanken ernst nimmst, weil du ihnen folgst und weil du ihnen deine Aufmerksamkeit gibst. Würdest du sie ignorieren, würdest du auch etwas vollkommen anderes erleben. Die meisten Menschen können ihre Gedanken überhaupt nicht oder fast nicht ignorieren. Ich kann diesen Vorgang auch nur sehr schwierig beschreiben, aber ich kann dir sagen, dass es möglich ist. Es klingt vielleicht komisch oder auch ein bisschen hart, aber vom Prinzip her funktioniert es folgendermaßen: Du erkennst einen Gedanken. Du erkennst, dass er überflüssig ist oder sogar kontraproduktiv, auf jeden Fall nicht hilfreich. Und du zwingst dich dazu, ihn nicht mehr zu denken. Das klingt vielleicht komisch und einige haben jetzt gleich dieses Ding mit dem rosa Elefanten, an den man nicht denken darf, das mag sein, dass es am Anfang nicht gut geht, aber je mehr du das übst, desto einfacher wird es. Du kannst dich auch fragen, falls es nicht funktioniert: »Wer ist der Herr im Haus? Ist mein Verstand der Herr im Haus? Wenn ja, wer gibt ihm die Macht? Wer gibt den Gedanken die Macht?« Am besten funktioniert es, wenn du vorher erkannt hast, wie schädlich und wie überflüssig die Gedanken, die gerade kommen, für dich sind. Wenn du das zweifelsfrei und absolut klar erkennst, sollte es dir nicht mehr allzu schwer sein, dich von den Gedanken abzuwenden. Und jetzt kommt noch eine Möglichkeit. Falls das noch nicht funktioniert und falls du eine Hilfe brauchst, dann kannst du dich auch einfach ablenken. Ja, ich weiß, Ablenkung ist ganz böse, überhaupt nicht spirituell. Und das ist Blödsinn, denn es ist besser, dich mit etwas Banalem abzulenken, als dich auf deine verrückten Gedanken zu konzentrieren. Sobald die Gedanken wiederkommen, ignorierst du sie sofort wieder und notfalls lenkst du dich sofort wieder ab. Dabei ist dir wichtig, dass dir klar ist beziehungsweise dass du beobachtest, dass überhaupt gar nichts passiert, wenn du diese Gedanken ignorierst. Das ist der entscheidende Punkt, um den es geht. Es geht nicht darum, wie du es schaffst, die Gedanken zu ignorieren, sondern dir muss auffallen, dass es überhaupt gar keinen Unterschied macht und keinen Einfluss auf dein Leben hat, vor allem keinen negativen, dass du gerade Gedanken einfach ignoriert hast. Selbst dann, wenn du dich einfach abgelenkt hast. Diese Erfahrung muss sich tief in dir verankern. So tief, dass du jenseits des Zweifels jederzeit feststellen kannst: »Es macht gar nichts, Gedanken zu ignorieren. Tatsächlich haben sie mir noch nie wirklich geholfen. Und im Gegenteil: Ich habe mich viel zu sehr mit ihnen beschäftigt und sie haben dazu geführt, dass es mir nicht gut ging. Wenn ich also will, dass es mir gut geht, darf und kann ich Gedanken einfach ignorieren.«