Solange du den Wahnsinn deines Verstandes für Spiritualität hältst, wirst du nicht frei sein. Oh Gott, wie soll ich das heutige Zitat noch besser erklären? Es ist leicht, den Wahnsinn unseres Verstandes spirituell einzufärben, spirituell zu deuten oder mit spirituellen Elementen zu verweben. Spiritualität findet aber nicht innerhalb deines Verstandes statt. Sie hat nichts mit Denken zu tun, auch nichts mit Kontrolle. Sie geschieht dir und sie ist pure Gnade. Doch der Verstand will nicht aufgeben und deshalb mischt er sich auch als spiritueller Verstand ein. Er will die Deutungshoheit behalten und interpretiert deshalb fröhlich vor sich hin. Er entwickelt tiefe Überzeugungen, die nicht deiner erlebten Realität entsprechen, aber sie passen ins Konzept des Verstandes und zwar selbst dann, wenn es neue Interpretationen und neue Konzepte sind. Spiritualität ist konzeptfrei, sonst ist es keine. Du kannst es auch beobachten. Viele Lehrer und Meister arbeiten mit Paradoxons und sie widersprechen sich innerhalb weniger Minuten, spätestens innerhalb weniger Tage. Sie denken nicht daran, was sie jetzt nicht sagen dürfen, weil sie ja gestern etwas anderes gesagt haben. Sie nehmen sich die Freiheit, das zu sagen, was jetzt hier ist. Bei einem derartigen Verhalten würde der Verstand am liebsten durchdrehen und das tut er dann auch. Er findet dann die Fehler bei den Lehrern. Das kann er richtig gut, denn die Fehler sucht er ja schon seit Beginn. Er kann gar nichts anderes. Er sucht den Fehler im Leben. Er kann nicht erkennen, dass das Leben kein Fehler ist, den man beheben muss, sondern einer, den man leben muss. Falls die alten Konzepte des Verstandes nicht mehr greifen, weil du dich verändert hast, hat er überhaupt kein Problem damit, seine Konzepte und Strategien anzupassen, denn sein Ziel ist nicht Logik oder Konstanz. Sein Ziel ist, weiterhin an der Macht zu bleiben. Und solange wir diese verzweifelten Anpassungsversuche unseres Verstandes für Spiritualität halten, können wir nicht frei sein.