Am Punkt der größten Erschöpfung ist das größte Transformationspotenzial. Niemand wird gerne an diesen Punkt gebracht. Doch sobald du ihn hinter dir hast, siehst du, dass er hilfreich war. Jeder Profisportler trainiert so. Er trainiert bis ganz, ganz knapp vor den Punkt der größten Erschöpfung. Er versucht, ihn nicht zu überschreiten, denn dann würde er sich verletzen. Er versucht, diesen Punkt exakt zu erreichen und wenn er das tut und anschließend regeneriert, wird er stärker. Ich mag den Vergleich mit Sport und Training normalerweise nicht so gern, weil er leicht missverstanden wird. So wie ich es meine, ist auch der Sport eine sehr intime Sache. Es geht nicht um die anderen, es geht nicht darum, dass du der Beste wirst, sondern es geht um dein Wachstum. Es geht auch nicht um Härte dir selbst gegenüber, so wie es sich Menschen vorstellen, sondern es geht darum, dass du diese Härte und dann auch die Erschöpfung für dich nutzt. Für deine Selbsterkenntnis. Einiges von dem, was ich sage, hört sich manchmal sehr wahrscheinlich so an, als müsstest du nichts tun, als ginge es um die Hängematte als Ziel. Mein Weg, mein Leben bisher, war anders. Selbst in der Spiritualität habe ich mich mit meinen Themen konfrontiert. Absichtlich. Und genau das mache ich immer noch. Das hat sich nicht geändert. Ich weiß nicht, ob das unbedingt notwendig ist, das kann ich dir nicht sagen. Ich kann dir nur sagen: »Es ist mein Weg.« Und ich konnte das mittlerweile bei unzähligen Teilnehmern beobachten. Viele waren schon der Meinung, sie würden es nie schaffen. Das funktioniert nicht, das geht nicht, das ist nicht ihr Weg. Es muss ja nicht unbedingt so hart sein. Warum denn sollte man sich erschöpfen? Warum sollte man sich überhaupt konfrontieren? Warum sollte man sich mit seinem eigenen Leben konfrontieren? Man könnte ja einfach so tun, als wäre nichts und als gäbe es überhaupt nichts, was es zu erreichen gilt. Und das stimmt gleichzeitig. Es gibt nichts zu erreichen. Das sind dann die Paradoxien, mit denen der Verstand nicht klarkommt und das ist gut so, denn genau dort gehört er hin. Dort, wo er nicht mehr weiß, wie ihm geschieht. Dort, wo er erschöpft ist. Denn am Punkt der größten Erschöpfung deines Verstandes beginnt die Schöpfung.