Die größten unentdeckten Seuchen sind Obrigkeitshörigkeit und programmierte Angstgedanken. Wir haben einen falschen Kern, der es gut meint, aber schlecht macht. Teil dieses falschen Kerns ist die Idee von einer Autorität außerhalb von dir. Es ist deshalb falsch, weil es außerhalb von dir keine Autoritäten gibt. Es gibt nur jene Autoritäten, die du dazu gemacht hast, meistens unbewusst, denn diese Autoritäten wurden dir von anderen Autoritäten empfohlen. Und es gilt als selbstverständlich, dass man bestimmten Autoritäten folgt oder sogar gehorsam ist. Bitte verwechsle das nicht mit Kompetenz! Es spricht überhaupt nichts gegen Kompetenz außerhalb von dir. Du kannst dir Hilfe holen. Es gibt Menschen, die sehr kompetent, aber überhaupt nicht oder nur ganz wenig autoritär sind. Und das ist ein großer Unterschied. Von kompetenten Menschen kannst du dir helfen lassen. Autoritäre Menschen entstehen als Erstes in dir und wenn du sie dann dadurch, dass sie in dir existieren, in dein Leben gezogen hast, fordern sie von dir Gehorsam. Ein kompetenter Mensch erwartet keinen Gehorsam. Ein kompetenter Mensch antwortet in der Regel sowieso nur dann, wenn du ihn fragst. Wenn du ihn nicht fragst, erwartet er gar nichts. Er will auch gar nichts von dir. Wenn du ihn nicht fragst, kennt er dich sehr wahrscheinlich auch gar nicht. Ein autoritärer Mensch hingegen erwartet von vornherein aufgrund seiner Position, aufgrund seines Amtes von dir ganz automatisch Unterwerfung. Er geht schon davon aus, dass du unter ihm stehst. Dazu muss er in seinem Fachbereich in Anführungsstrichen noch nicht einmal kompetent sein. Kompetenz entspringt dem tatsächlichen Tun, der Tätigkeit eines Menschen. Autorität entspringt einer Erwartung. Und seltsamerweise kommt diese Erwartung von dir beziehungsweise selbst wenn ein autoritärer Mensch diese Erwartung dir gegenüber hat, kann sie bei dir nur wirken, wenn sie auch in dir ist. Wenn in dir keine Resonanz zu Obrigkeit und Autorität vorhanden ist und auch kein Widerstand, denn auch der Widerstand zur Autorität bestätigt die Autorität, wenn das alles nicht in dir ist, dann findet der autoritäre Mensch keine Resonanz in dir und damit erkennst du seine Autorität überhaupt nicht. Viele unserer programmierten Angstgedanken entspringen auch genau dieser Autorität, dieser Angst vor Autorität und dieser Angst vor Obrigkeit, als hätten sie uns oder unser Leben oder unsere Lebensumstände in der Hand. Sie können die aber nur in der Hand haben, wenn wir sie ihnen geben. Und wir geben sie ihnen durch unsere Angst. Diese beiden Phänomene, Obrigkeitshörigkeit und programmierte Angstgedanken, sind die beiden größten unentdeckten Seuchen unserer Zeit. Die meisten wollen diese Seuchen bei sich auch gar nicht erkennen. Bei den anderen vielleicht, aber nicht bei sich selbst. Diese beiden Seuchen kommen jetzt durch eine angebliche Seuche zum Vorschein. Dadurch werden sie deutlich. Dadurch werden sie sichtbar und können entdeckt werden. Vorher war es uns überhaupt nicht möglich, das zu entdecken. Es ist jetzt wie gesagt auch nicht allen möglich, das zu entdecken, aber immerhin einer ganzen Menge mehr Menschen als vorher. Diese aktuelle Situation hat etwas extrem Positives. Nicht auf den ersten Blick, aber auf den zweiten. Diese Situation wirft uns auf uns selbst zurück und sie stellt uns eine sehr einfache, aber extrem wesentliche und eindringliche Frage: »Was willst du wirklich?« Während wir diese Frage früher noch bequem zur Seite schieben konnten oder auch so tun konnten, als hätten wir sie beantwortet, obwohl uns gar nichts klar war, ist das jetzt nicht mehr möglich. Menschen wünschen sich jetzt ihre alte Welt zurück, ohne dass ihnen klar ist, was sie sich da wünschen. Sie wünschen sich eine Welt ohne die neuen Gesetze und ohne die Spritze und sie wissen nicht, was sie sich da wünschen. Ihnen ist nicht klar, dass sie sich eine alte Welt zurückwünschen, in der sie diese Frage nach wie vor verdrängen können. Sie wollen sich nicht fragen: »Was will ich wirklich? Bin ich wirklich bereit, all das mitzumachen, ganz egal, was das ist, nur weil ich Geld dafür bekomme? Wie weit gehe ich, um Geld zu bekommen? Und wann sage ich vollkommen ohne Reue: ‘Nein, danke!’« Tatsächlich stellt uns unser Leben diese Frage schon seit wir hier sind. Wir haben sie aber entweder nicht wahrgenommen oder sehr gut verdrängt. Und wenn wir ehrlich sind, ist der einzige Grund dafür, dass der Schmerz nicht groß genug war. Der Schmerz ist selbst jetzt für viele noch immer nicht groß genug. Sie wollen diese Frage immer noch durch Gehorsam verdrängen. Sie wollen eine Frage verdrängen, die die wichtigste Frage ihres Lebens ist. Bei der Beantwortung geht es nicht um eine Party- und Spaßgesellschaft, bei der Beantwortung geht es um nicht weniger als dein Leben. Es geht darum zu realisieren, warum du hier bist.