Deine Überzeugungen ziehen mangelndes Vorstellungsvermögen nach sich. Ein Freund hat mir gesagt, ich sei die Ausnahme von der Regel. Und ich sage dir: »Wenn du die Ausnahme von der Regel sein willst, musst du deine Überzeugungen ignorieren!« Das habe ich gemacht. Ich bin keine Ausnahme von der Regel. Ich habe nur meine Überzeugungen ignoriert, meine Meinung ignoriert. Ich habe die Stimmen, die sich in mir streiten, ignoriert. Dadurch habe ich jetzt keine größere Fantasie bekommen im klassischen Sinn. Ich kann mir also jetzt nicht vorher bereits mehr vorstellen, aber ich lebe in dem Bewusstsein, dass ich es mir eben nicht vorstellen kann. Und vielleicht klingt das für dich wie keine große Sache. Tatsächlich ist dieses Eingeständnis dir selbst gegenüber eine der größten Sachen, wenn du es wirklich machst, wenn du dir selbst gegenüber das wirklich eingestehen kannst. Denn das bedeutet, dass in dem Moment, in dem sich etwas entwickelt, du deine Überzeugung ignorierst, wie sich das jetzt entwickeln wird und ob es sich überhaupt entwickeln kann und wie das weitergeht und was dazu alles notwendig ist. All diese Überzeugungen ignorierst du und du machst einfach mal. Du lässt dich also nicht mehr von deinem mangelnden Vorstellungsvermögen leiten. Nur darum geht es. Es geht nicht darum, dass du ein größeres Vorstellungsvermögen bekommst, damit du etwas manifestieren kannst oder beim Universum bestellen kannst oder in dein Leben ziehen kannst. Es geht nur darum, dass du dein mangelndes Vorstellungsvermögen nicht in dein Leben eingreifen lässt. Das reicht schon. Falls deine Überzeugungen und deine Meinungen stark und penetrant sind, ist es natürlich schwierig beziehungsweise erscheint es dir schwierig. Denn das wirkt dann wie ein Kampf zwischen dir und diesen Überzeugungen. Du kannst einfach diese Gedanken nicht ignorieren, denkst du und tatsächlich kannst du es. Du müsstest es nur mal machen. Es verhält sich dabei ganz ähnlich wie bei dem Thema Mut. Manche Menschen denken, sie bräuchten mehr Mut und dabei ist Mut gar kein Gefühl, sondern Mut ist eine Beschreibung eines Menschen, der Angst hat und es trotzdem macht. Und genauso oder ganz ähnlich ist es bei der Ignorierung deiner Gedanken: Du hast Gedanken, du nimmst sie auch wahr. Sie sind auch hier und die flüstern oder sagen irgendwas und vielleicht schreien sie dich auch an und du lässt sie flüstern und sagen und schreien, orientierst dich aber nicht nach ihnen. Das heißt, diese Fähigkeit, die du dir da wünschst, nämlich die Gedanken ausschalten zu können oder verdrängen und sogar unterdrücken zu können, diese Fähigkeit ist gar nicht notwendig beziehungsweise die erwächst daraus. Die erwächst aus deiner Übung, aus dem Experiment, dass du deine Gedanken da sein lässt und sie ignorierst. Ignorieren heißt nicht verdrängen. Sie sind da, du hörst sie, du merkst, dass dieser Gedanke sagt: »Tu es nicht! Tu es nicht!« Und ein anderer Gedanke sagt vielleicht: »Tu es! Tu es!« Und du lässt dich von beiden Gedanken nicht beeindrucken.