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    12.1.2022AQ 1510
    »Du kannst dem Leben nicht misstrauen, denn du bist das Leben selbst.«
    0:006:29
    Du kannst dem Leben nicht misstrauen, denn du bist das Leben selbst. Du misstraust auch nicht dem Leben, sondern den Menschen, die sich in dein Leben eingemischt haben. Dem Leben zu misstrauen ist gar nicht möglich, denn du weißt noch gar nicht, was es genau ist. Was du bisher als Leben bezeichnet hast, waren Situationen, Umstände, Begegnungen, andere Menschen und deine Situation, deine Lebensumstände. Deine Lebensumstände sind aber nicht dein Leben. Deine Lebensumstände sind dazu da, damit du das Leben erkennen kannst. Damit du erkennen kannst, was nur Umstände sind und was das Leben selbst tatsächlich ist. Und solange du die Umstände mit deinem Leben gleichsetzt, kannst du dein Leben natürlich nicht erkennen. Umgekehrt bedeutet das, dass du dein Leben erkennen kannst, sobald du es nicht mehr mit den Umständen in deinem Leben gleichsetzt, sobald du dich beginnst, von den Umständen unabhängig zu machen. Und das geschieht, sobald du beginnst, dein Leben und vor allem die Gedanken über dein Leben zu beobachten. Erst dann kannst du feststellen, dass sich deine Gedanken und auch die Umstände ständig oder zumindest immer wieder verändern, ohne dass sich dein Leben verändert. Du lebst immer noch. Leben ist immer noch hier. Und wenn sich etwas verändern kann, während du immer noch hier bist, kannst du nicht das sein, was sich verändert hat, sonst wäre ja alles anders und sonst könnte es niemanden geben, der die Veränderung wahrnehmen und bezeugen kann. Du bist dieser Zeuge und ein Zeuge misstraut nicht. Ein Zeuge beobachtet und beschreibt, was er sieht und wahrnimmt. Ein Zeuge ist weder Skeptiker noch Gläubiger. Er ist jenseits davon. Er beurteilt auch nicht, was er sieht. Er nimmt einfach wahr. Du brauchst nicht darauf warten, bis du in diesem Bewusstsein vollkommen angekommen bist, zu hundert Prozent. Es muss auch kein blitzartiger Übergang sein. Es kann Zeit brauchen. Du nimmst einfach so oft wie möglich wahr. Du beobachtest so oft wie möglich. So oft wie möglich bedeutet nicht immer. Es bedeutet einfach nur immer dann, wenn es dir möglich ist, wenn es dir auffällt, wenn du dich erinnerst. Dich Erinnern ist pure Gnade. Und sobald du dich erinnerst, beobachtest du. Sobald du beobachtest, wirst du selbst feststellen, dass es dir überhaupt nicht mehr möglich ist, zu misstrauen. In der Beobachterposition oder als Beobachter hast du keine Möglichkeit für Misstrauen. Du bist mit etwas anderem beschäftigt und das, womit du beschäftigt bist, ist keine Ablenkung, sondern ist dein Eintauchen in das Leben selbst.