Bei allem, was du dir wünschst, musst du zuerst für das Gegenteil bereit sein. Und zwar nicht deshalb, weil sich dein Wunsch dann erfüllt, sondern weil er irrelevant wird. Sobald du für das Gegenteil deines Wunsches bereit bist, sobald du bereit bist, das Gegenteil deines Wunsches zu erleben, verliert der Wunsch die Macht über dein Leben, denn jeder Wunsch ist eine Flucht von hier. Jeder Wunsch bringt dich weg von hier. Du brauchst es mir nicht glauben, du kannst es beobachten. Jeder Wunsch entsteht, weil du mit dem Gegenteil nicht einverstanden bist, sonst bräuchtest du es dir ja nicht wünschen. Wenn jemand bereit ist, arm zu sein oder wenig Geld zu haben, braucht er sich keinen Reichtum wünschen. Wenn jemand bereit ist, allein zu sein, braucht er sich keinen Partner und keine Freunde wünschen. Wenn jemand bereit ist, nichts zu tun, braucht er sich nicht wünschen, seine Berufung zu leben. Ich weiß, dass solche Aussagen nicht sehr populär sind und dass sie nicht so gut ankommen, wie wenn ich dir für das neue Jahr eine Manifestations-Anleitung schicke, aber es ist meine pure Erfahrung, es ist die Essenz meiner Erfahrung — nicht nur eine Essenz, sondern DIE Essenz. Ich hatte mein Leben lang Wünsche und es war mir überhaupt nicht klar, wie destruktiv die sind, als ich sie hatte. Selbst nachdem ich meinen Lehrer gefunden hatte, der mir gesagt hat: »Es gibt nichts zu tun.«, hatte ich trotzdem noch Wünsche und vor allem den Drang, einen Weg zu finden, diese Wünsche zu realisieren und so war ich viele Jahre lang wie gefangen zwischen Hingabe und Manifestation, bis ich erlebt habe, dass beides das Gleiche ist. Es gibt keinen Unterschied. Im Vergleich zu vielen populären Theorien und Praktiken muss aber beides bedingungslos sein. Das fällt uns unendlich schwer. Der Verstand erwartet selbst noch ein Ergebnis seiner Hingabe und er erwartet natürlich selbstverständlich auch noch vor allem ein Ergebnis seiner Manifestation. Es geht aber darum, dass beides außerhalb von ihm stattfindet und dass er keine Macht darüber hat. Deshalb hört er sowas nicht gern und deshalb kauft er es auch nicht und deshalb verkauft es sich nicht gut, wenn ein Lehrer sagt: »Es gibt nichts zu tun.«, weil der Verstand es nicht verstehen kann. Er kennt das Ergebnis nicht und das macht ihm Angst. Er kann es sich auch nicht vorstellen, dass du wunschlos glücklich bist. Er kann sich nicht vorstellen, ohne Wünsche zu existieren — und diese Angst ist die Wahrheit. Ohne Wünsche verliert er die Macht über dich und nur deshalb macht er dir die Hölle heiß, dass du das auf gar keinen Fall ausprobieren solltest. Und ich sage dir, genau deshalb solltest du es ausprobieren.