Du bekommst nichts, was du nicht verkraften und transformieren kannst. Alles ist für dich da, nichts ist gegen dich. Wir denken routinemäßig anders Wir empfinden vieles als gegen uns gerichtet. Da wir Gefühle fühlen in unserem Körper, die wir nicht willkommen heißen können, gehen wir davon aus, dass es gegen uns ist. Wir personifizieren sozusagen unsere Gefühle und zwar dadurch, dass wir denken: »Der andere hat etwas absichtlich gesagt oder getan und da sich das schlecht anfühlt, ist es gegen uns.« Es geht dabei nicht darum, das zu relativieren, was die anderen machen oder schönzureden, sondern es geht darum, den Vorgang in dir genau zu beobachten. Dann ist es genau genommen egal, was der andere sagt oder tut und wer der andere ist, denn der Effekt von Worten oder Taten findet in dir statt und das, was in dir stattfindet, ist nicht objektiv. Es ist höchst subjektiv. Es findet auch nur in dir so statt. Es kann zwar sein, dass du andere findest, die dir zustimmen, wenn du ihnen erzählst, was man dir gesagt hat oder was man dir angetan hat, die ähnliche Gefühle fühlen würden oder die andere Menschen, die auf eine bestimmte Art und Weise handeln oder sprechen, genauso wie du verurteilen und bewerten. Und für kurze Zeit ist das auch eine Unterstützung beziehungsweise es fühlt sich erleichternd an, wenn andere sagen: »Ja stimmt, du hast recht. Ganz schlimm.« Tatsächlich bringt es dir gar nichts — außer diese kurze Erleichterung. Wenn es stimmen würde, dass es um den anderen geht, dann müssten wir alle gleiche Gefühle haben in Bezug auf andere und auf deren Taten und Worte. Das ist aber nicht der Fall. Wenn jemand etwas zu dir sagt, was dich verletzt, ist es möglich, dass er das zu jemand anders genauso sagt wie zu dir und der ist nicht verletzt. So etwas dürfte es überhaupt nicht geben, wenn es um die anderen geht. Deshalb kann es nur um dich gehen — um dich und deine subjektive Wahrnehmung. Die ist auch extrem wichtig, aber nicht für die anderen, sondern für dich, sonst wäre es nicht subjektiv. Und »Subjektiv« ist auch nicht abwertend gemeint, sondern ganz im Gegenteil, es ist extrem wichtig, dass du verstehst, dass dein Leben vollkommen subjektiv ist und dass es auch nur um dich geht. Du kannst zwar versuchen, für andere mitzudenken, aber es ist nicht sehr intelligent, das zu tun. Intelligent ist es, wenn du die Wirkung der anderen auf dich beobachtest und das, was sie in dir auslösen, in deinem Körper fühlst und dann musst du früher oder später auf genau diese Erkenntnis kommen, dass nichts gegen dich ist und alles für dich da ist. Du erlebst nämlich oft ähnliche Situationen — auch mit verschiedenen Menschen. Du erlebst bestimmte Situationen immer wieder und immer wieder. Das hat nichts mit den Menschen zu tun. Das hat mit dir zu tun. Und es geht auch nur um dich in diesem Leben. Nicht in dem Sinn, in dem es viele verstehen: »Ich, Ellbogen.« und »Es geht nur um mich. Ich bin der Wichtigste und der Tollste und der Beste.«, sondern es geht in diesem Leben um deine Heilung. Die kann niemand anders für dich erledigen. Das kannst nur du. Das kann dir niemand abnehmen. Und wenn du das erkennst, dann musst du nicht für alles dankbar sein oder künstlich so tun, als wärst du happy, wenn du getriggert wirst, aber du brauchst auch nicht mehr so tun, als wären die anderen die Feinde und als wären die anderen die Bösen. Sie sind nur für dich da und sie handeln nur für dich so, damit du durchdrehen und ausflippen kannst, damit alle deine Wunden offengelegt werden, die du dir dann anschauen kannst, die brauchst du nicht besprechen mit irgendjemand. Du kannst alle deine Wunden fühlen, alle Gefühle, die dir dadurch geschickt werden, die dadurch in dir ausgelöst werden, kannst du verkraften. Du kannst sie fühlen und du bist auch in der Lage, sie zu transformieren, du darfst es allerdings nicht wollen, denn das wäre wieder dein Verstand, der sich einmischt und ganz dringend etwas verarbeiten will. Du kannst Ruhe in dein System bringen, indem du immer dann, wenn du denkst und behauptest, dass das jetzt zu viel ist und dass das jetzt viel zu schwer ist, um es zu verkraften, in deinem Körper fühlst, wie es sich anfühlt, wo du es tatsächlich fühlst — ohne es auf den anderen zu projizieren beziehungsweise ohne zu denken: »Der böse andere ist jetzt schuld, der ist jetzt mein Feind und dem muss ich erklären, wie scheiße er ist.« Oder spirituell formuliert: »Ich muss ihm meine Grenzen zeigen.« Es gibt diese Grenzen nicht, das sind Grenzen des Verstandes, der sich selbst schützen will. Er will nicht, dass du in dieses Gefühl hineinstirbst, denn wenn du das könntest und wenn du das machen würdest, wäre er überflüssig, denn dann könnte er dir keine Angst mehr machen, weil du bereit bist, alles zu fühlen.