Je mehr du den Wunsch nach Bedeutung in der falschen Welt verlierst, desto bedeutender wirst du in der echten Welt. Der Wunsch nach Bedeutung ist nicht falsch, er ist nur fehlgeleitet. Es gibt nämlich nur eine Bedeutung, die real ist, und alle anderen sind eingebildet. Diese Bedeutung kann man mit Worten nicht beschreiben, sie hat nichts mit der Bedeutung zu tun, die du dir vorstellst, und sie hat vor allem nichts mit der Bedeutung zu tun, die du bisher kennst. Die Menschen versuchen, so viel Bedeutung in dieser Scheinwelt zu bekommen, was ich nachvollziehen kann, denn das war auch mein Streben und es war einerseits unschuldig, andererseits aber auch unreflektiert und unwissend. In Wahrheit wusste ich gar nicht, welche Bedeutung ich suchte. Es war nur ein gewisser Drang da nach Bedeutung und ich habe nicht verstanden, dass dieser Drang nur die Gegenbewegung zu dem Gefühl ist, nicht angenommen zu sein. Und erst lange im Nachhinein kann ich sogar noch mehr sehen. Dieser Drang nach Bedeutung kam aus dem Verlust meiner Aufgabe, aus der Verdrängung meiner Aufgabe. Ich kannte sie nicht oder ich kannte sie nicht mehr. Man hat sie mir ausgeredet beziehungsweise man hat so getan, als gäbe es die gar nicht und tatsächlich kannte sie natürlich auch mein Umfeld nicht. Und falls mein Umfeld wahrgenommen hat, was da in mir ist, dann wurde das nicht freudig angenommen, sondern ganz im Gegenteil: Es wurde mir erklärt, dass es falsch sei. Und aus dieser Verdrängung entstand mein Wunsch nach Bedeutung in der falschen Welt. Diesen Wunsch musste ich erst schmerzhaft verfolgen und versuchen, zu befriedigen und in die Tat umzusetzen, immer und immer wieder, obwohl ich auch immer wieder gescheitert bin. Und nur im Nachhinein kann ich sagen: »Gott sei Dank!« Und erst als ich genauso unschuldig und unwissend begonnen habe, die falsche Welt zu verlassen und in die echte Welt einzutauchen, die Welt in mir, erst ab diesem Zeitpunkt begann mein Leben eine Bedeutung zu bekommen. Eine Bedeutung, die für mich einerseits recht unspektakulär ist und auf der anderen Seite viel, viel weiter geht, als die Bedeutung, die ich im Widerstand zu der verdrängten Bedeutung in der echten Welt versucht habe zu erreichen. Es ist wirklich verrückt: Da sucht man sein Leben lang, nur um herauszufinden, dass die Suche das Problem war und der Wunsch, es anders haben zu wollen, als es jetzt ist. Anfangs hinterlässt der Wegfall der Suche ein Vakuum. Der Verstand will dieses Vakuum nicht aushalten. Er will es so schnell wie möglich füllen und nicht fühlen. Und an diesem Punkt ist die Gefahr groß zu scheitern, denn dieses Vakuum muss nicht mehr durch den Verstand gefüllt werden, es füllt sich von alleine. Es füllt sich aber auch in seiner eigenen Geschwindigkeit. Diese Füllung darf nicht von deinem Verstand geleitet werden, sie darf noch nicht mal von ihm begleitet werden, sie muss in seiner Abwesenheit geschehen. In seiner Abwesenheit füllt es sich mit Echtem, denn nur in seiner Anwesenheit konnte es sich mit Falschem füllen. Der Verstand selbst ist die falsche Füllung in einer falschen Welt. Die richtige Füllung kommt von woanders. Um die brauchst du dich nicht kümmern, wenn du bereit bist, das Vakuum zu füllen.