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    19.12.2021AQ 1486
    »Du kannst Veränderung nicht machen und musst trotzdem etwas dafür tun.«
    0:0010:49
    Du kannst Veränderung nicht machen und musst trotzdem etwas dafür tun. Wir sind meistens damit beschäftigt zu versuchen, die Veränderung herbeizuführen. Viel passender wäre es, sie vorzubereiten, indem wir ihr den roten Teppich ausrollen. Entgegen unserer Vorstellung wissen wir nämlich gar nicht, was wir wollen. Also wir denken schon, wir wüssten es, wir sind sogar sehr überzeugt davon. Tatsächlich wissen wir es nicht. Wir wissen nämlich gar nicht, wie unsere Wünsche entstehen. Wir wissen gar nicht, woher unsere Ideen für die Zukunft kommen, wollen aber ganz dringend Veränderung. Wenn du jetzt also lernst, wie du etwas verändern kannst, dann hast du vielleicht das Falsche gelernt, denn wenn du das kannst, dann veränderst du auch die ganze Zeit — eins nach dem anderen wieder und wieder und wieder — und du merkst gar nicht, dass du nicht ankommst. Du merkst nicht, dass die ganze Veränderung, die du jetzt so gut beherrschst, nichts Wesentliches verändert hat. Die Veränderung, die für dich gedacht ist, kommt automatisch, wenn du ihr den roten Teppich ausrollst, wenn du es ihr ermöglichst, sich aus sich selbst heraus zu entfalten. Du weißt nicht, was das ist. Du hast nur sehr starke Vorstellungen davon, was es sein sollte und diese Vorstellungen kommen aus deinem Widerstand mit dem jetzigen Moment, den du nicht erleben willst — so wie er wirklich ist. Ich weiß, wir sprechen dann von Herzenswünschen und wir sind wirklich überzeugt davon, dass es unser Herz ist, das da spricht. Was sich in meinem Leben verändert hat, konnte ich mir gar nicht wünschen, weil ich es nicht kannte. Ich kannte nur das, was normal war. Und normal in meiner Welt war, dass man unzufrieden war, deshalb war ich auch unzufrieden. Ich kannte Menschen und hatte Menschen in meinem Umfeld, die sich tendenziell eher beschweren über die aktuelle Situation. Selbst wenn die das nicht so sehen, habe ich das so wahrgenommen und entsprechend war ich selbst auch unzufrieden. Und ich habe mir mein gesamtes Leben Veränderung gewünscht und ich habe sie nie bekommen. Damals fand ich das richtig beschissen, heute bin ich unendlich froh darüber. Heute kann ich eindeutig sehen, dass ich mir etwas gewünscht habe und das war nicht nur eine Sache, sondern viele verschiedene, was ich zwar damals schon als einen Wunsch bezeichnet hätte und vielleicht sogar als einen Herzenswunsch und trotzdem bin ich froh, dass es nie eingetreten ist, denn hätte sich auch nur ein einziger Wunsch erfüllt, würde ich heute nicht machen, was ich mache. Was ich aber für Veränderung getan habe, war, ihr den roten Teppich auszurollen und jede Veränderung willkommen zu heißen beziehungsweise mit jeder Veränderung zu üben, sie willkommen zu heißen. Das hat einen enormen Vorteil. Du bist dann mit jeder Veränderung glücklich. Du bist nicht mehr im Widerstand zu dem, wie es jetzt gerade ist. Mir ist klar, dass es nicht sehr sexy ist in der heutigen Zeit, weil so sehr auf dich eingeredet wird, dass du alles schaffen kannst und dass du deine Träume und deine Ziele und Wünsche erreichen kannst und dass du sie umsetzen sollst, dass du ins Tun kommen sollst. Ich habe das auch fünfundzwanzig Jahre lang versucht und bin grandios gescheitert — ein ums andere Mal — und es war so gut. In dem Moment natürlich nicht. Im Moment des Scheiterns fand ich es lange Zeit scheiße und ich habe extrem Selbstmitleid gehabt und das hat mein Leben geprägt. Dieses Selbstmitleid ist fast weg. Es spielt keine große Rolle mehr in meinem Leben. Aber nicht dadurch, dass ich alles bekommen habe, was ich mir jemals gewünscht habe, sondern ich habe erkannt, dass Wünsche tatsächlich ein Fass ohne Boden sind. Sie dienen mir nicht. Sie sind wirklich nicht hilfreich. Das kann ich aber im Moment des Wünschens und der intensiven Wünsche und Hoffnung nicht erkennen. Jetzt kann ich sehen, dass ich das, was mich jetzt wunschlos glücklich macht, niemals wünschen hätte können, denn dafür fehlte mir und fehlt mir immer noch die Vorstellungskraft. Und es ist halt auch gar nicht notwendig. Wünsche sind ein Umweg. Wünsche bringen dich weg von hier. Wunschlos glücklich bist du immer nur hier. Und nur das kannst du für Veränderung machen und üben. Du kannst üben, hier zu sein. Damit rollst du der Veränderung den roten Teppich aus und sie kommt ganz genau so, wie sie für dich richtig ist.