Echte Freiheit macht Angst und die Menschen tun alles, um diese Angst zu vermeiden. Es ist ein Unterschied, ob du im Hamsterrad bist und dir ein paar Tage Auszeit für ein Jahresend-Ritual nimmst oder ob du bereit bist für echte Freiheit. Selbstverständlich spricht überhaupt nichts gegen ein Jahresend-Ritual, gegen einen Online-Kurs oder gegen einen Satsang, gegen eine Meditation, aber die Art und Weise, wie dir das teilweise verkauft wird oder wie es dir angepriesen wird, entspricht einfach nicht meiner erlebten Realität. Es mag sein, dass es Menschen gibt, denen es anders geht und es mag sein, dass es anders möglich ist. Für mich nicht. Ich muss meine Programme in der Welt überprüfen und das findet nicht oder zumindest im Wesentlichen nicht auf der Couch statt. Ich muss all das, was mein Lehrer mir gelehrt hat, im echten Leben überprüfen und anwenden. Und wohin ich auch schaue, wenn ich mit anderen Lehrern spreche, wenn ich die Lebensläufe von den Lehrern durchlese, dann sehe ich das im Lebenslauf. Die Meisten haben mindestens eine sehr intensive Zeit hinter sich, in der überhaupt nichts so gelaufen ist, wie sie es sich vorgestellt haben und in der sie so viel Angst hatten, dass sie aufgegeben haben. Die meisten Menschen wünschen sich eine einfache Lösung, ein paar Hinweise, eine Aufgabenliste, die sie abhaken können mit Übungen, die sie am Morgen machen. Am besten Übungen, die neurobiologisch und quantenmechanisch überprüft wurden, nur weil diese Worte wissenschaftlich klingen, vor allem aber, weil einen diese Worte weiterhin in dieser gemütlichen Sicherheit wiegen, dass man nichts falsch machen kann und dass alles mit rechten Dingen zugeht, es ist alles zertifiziert. Der Coach hat auch ein Diplom, das bei ihm an der Wand hängt und auf der Internetseite zu sehen ist und du verstehst nicht, dass es gar nichts bedeutet, dass es überhaupt nichts aussagt über die Bereitschaft dieses Menschen, an die Grenzen seiner Angst und darüber hinaus zu gehen und seine Angst wieder und wieder und wieder herauszufordern, statt sie zu vermeiden. Echte Freiheit ist überhaupt nicht sexy. Echte Freiheit erschüttert dich in deinem Sein und zwar so intensiv und nachhaltig, dass du keine Lust mehr hast zurückzugehen. Und für mich ist es so: Erst wenn dieser Punkt erreicht ist, dass ich ganz sicher nicht mehr zurück will, erst dann bin ich einen echten Schritt in Richtung Freiheit gegangen. Und dieser Schritt in Richtung Freiheit hat ganz ehrlich und ganz sicher absolut überhaupt gar nichts mit Klopfen, mit Dankbarkeits-Tagebüchern oder mit Meditation auf deinem warmen Yogakissen zu tun. Diese Freiheit hat damit zu tun, zu erleben, was du nie erleben wolltest, auszuprobieren, was du gedacht hast, dass nie funktionieren könnte und was du dich nie getraut hast. Und das dann ohne Netz und doppelten Boden, ohne Vorbereitung, ohne Absicherung einfach zu tun, statt lange darüber nachzudenken. Und das ist kein einheitlicher abenteuerlicher Weg oder etwas Verrücktes, eine Expedition, etwas, wozu man neigt, sich darunter vorzustellen, sondern bei dieser Angst geht es um dein Leben. Und wir haben Angst vor allem Möglichen und Unmöglichen. Das kann auch die Angst sein vor Rückzug, dass du der Meinung bist, du dürftest dich nicht zurückziehen. Es kann auch die Angst sein, dich arbeitslos zu melden. Du musst dazu nicht auswandern. Du musst selbst herausfinden, was das ist in deinem Leben. Niemand kann dir das sagen. Du kennst die Themen deines Lebens und du musst dich mit diesen Themen konfrontieren. Freiwillig und mit Neugierde und Vorfreude und auch dann, wenn du die nicht hast, sondern wenn dann einfach nur Angst da ist.