Du lehnst nie den anderen ab. Du lehnst das Gefühl ab, das du hast, wenn der andere auf eine bestimmte Art und Weise auf dich wirkt. Es geht dir gar nicht um den anderen. Es geht dir um dich und was du dabei fühlst. Wie jemand reagiert, liegt bei ihm, wie er auf dich wirkt, liegt bei dir. Und nein, das bedeutet nicht, dass du daran schuld bist und es bedeutet auch nicht, dass du alles ertragen musst. Es erklärt nur den Mechanismus, wie unser Leben funktioniert. Du weißt nicht, wie der andere tatsächlich ist, denn es gibt kein Sein, das auf dich wirkt, es gibt Taten, Handlungen, Worte, die auf dich wirken und obwohl der andere die wählt, liegt es an dir, wie sie in dir wirken. Und damit sollst du dir nicht die Wirkung schönreden. Einige versuchen das. Das ist gar nicht notwendig. Es genügt, wenn du realisierst, dass der andere in dir ein Gefühl auslöst, das du nicht gut findest. Solche Gefühle können auch Hinweise sein darauf, was zu tun ist beziehungsweise wie du mit dieser Situation umgehen könntest. Und es bedeutet nicht, dass du dich allem aussetzen musst, um für immer dein Gefühl zu fühlen. Du kannst dein Gefühl auch wahrnehmen und dann kannst du dich umdrehen und gehen. Das ist keine Flucht, das ist auch keine Flucht vor deinen Gefühlen. Keine Sorge, wenn die Gefühle wichtig und relevant für dich sind, dann kommen sie wieder, da kannst du dir sicher sein. Sobald du dir deiner Gefühle bewusst bist, brauchst du keine Angst vor ihrer Verdrängung zu haben. Dazu musst du die Gefühle aber wirklich dort fühlen, wo sie entstehen und wo sie existieren. Gefühle haben keinen Namen, sie sind Körperempfindungen. Körperempfindungen, denen unser Verstand einen Namen gibt, um dann darüber nachzudenken, woher sie kommen und wer schuld an ihnen ist und wie du sie wieder los wirst. Du wirst sie aber niemals über Nachdenken loswerden. Es geht auch gar nicht darum, sie loszuwerden. Es geht darum, sie wahrzunehmen und wieder als das Navigationssystem anzuerkennen, das schon immer in dir war. Dazu musst du bereit sein, Fehler zu machen, das bedeutet, es kann am Anfang einfach sein, dass du sie falsch interpretierst. Das macht nichts. Das ist überhaupt kein Problem. Du hast ab dem Zeitpunkt, ab dem du sie in deinem Körper erkennst, alle Zeit der Welt und ab diesem Zeitpunkt hast du auch gar nichts anderes mehr in deinem Leben zu tun — selbst dann nicht, wenn du gerade etwas tust und auch dann nicht, wenn du gerade Pläne machst. Denn das Einzige, was dann noch passieren wird in deinem Leben, ist, dass du Körperempfindungen wahrnimmst und natürlich merkst du dann auch, wie sich die Gedanken einmischen. Dann merkst du, wie du darauf reagieren willst. Das bedeutet also nicht, dass du nichts mehr tun darfst und dass in deinem Leben nichts mehr passieren darf, sondern es ist vollkommen egal, ob du was tust oder nicht und ob gerade etwas geschieht oder nicht. Der entscheidende Punkt ist, dass du die Ebene, auf der du lebst, wechselst. Du rutschst vom Kopf in deinen Körper. Dort bist du wirklich zuhause. Und mit Kopf meine ich nicht den Kopf deines Körpers, sondern den programmierten Verstand. Je bewusster du deine Gefühle in deinem Körper fühlst, desto unwichtiger werden die Gedanken und der gesamte andere Rest. Es kann sein, dass dir dein Verstand davor Angst macht oder dass er sagt: »Das ist ja kein spannendes Leben mehr. Das wird dann ja alles langweilig.« — und er hat mal wieder keine Ahnung davon, wovon er redet. Aber das ist ja auch nichts Neues. Wenn du realisierst, dass du nicht den anderen ablehnst, sondern die Gefühle, die er in dir auslöst, bedeutet das überhaupt nicht, dass du Gefühle nicht ablehnen darfst beziehungsweise besser ausgedrückt, es bedeutet nicht, dass du dich dem anderen und dieser Situation weiterhin aussetzen musst. Du wirst diese Gefühle aber niemals dadurch verarbeiten, dass du gehst oder darüber nachdenkst. Die einzige Möglichkeit, Gefühle zu verarbeiten, ist, sie zu fühlen und sie wahrzunehmen und das zu erkennen, was sie wirklich sind: Körperempfindungen, keine Gedanken dazu.