Nur weil jemand darüber spricht, weißt du nicht, wie er sich dabei fühlt. Du weißt nur, wie du dich fühlst, während er darüber spricht. Und dieser Unterschied ist die Ursache für alle Missverständnisse und für den Gesamtzustand, in dem wir uns befinden. Wir schließen von uns auf andere und wir schließen vor allem von unseren Gefühlen auf die Gefühle der anderen und von unseren Gedanken auf die Gedanken der anderen. Wir machen das aber gar nicht, das heißt, wir tun nichts dafür. Das passiert automatisch. Wenn ich sagen würde, das passiert unbewusst oder unterbewusst, wäre sogar das falsch, denn es passiert nicht. Du kannst diese Veränderung oder diese / diesen Wechsel gar nicht mitbekommen, weil es keinen gibt und es gibt ihn nicht, weil es ihn nicht geben kann und es kann ihn nicht geben, weil du kein Individuum wärst, wenn es ihn geben würde. Du wärst nicht getrennt. Es ist also keine Fehlfunktion, sondern notwendige Voraussetzung für deine Existenz. Wenn es anders wäre, wäre unsere gesamte Existenz nicht nur in Frage gestellt, sondern unmöglich. Wenn jeder fühlt, was der andere fühlt, wenn jeder denkt, was der andere denkt — wozu sollte es den Einzelnen noch geben? Und natürlich kannst du in die Einheit zurück streben, aber auch das ist dein ganz individueller Weg. Ein Weg, den noch nie jemand so erlebt hat wie du und den auch niemals jemand genauso erleben wird wie du. Du musst dich also nicht — wie viele behaupten — ständig in andere hineinversetzen und mit ihnen mitfühlen. Du hast ja noch nicht einmal gelernt, mit dir selbst mitzufühlen, weil dir deine Gefühle aberzogen wurden. Statt dich damit verrückt zu machen, mit anderen mitzufühlen und dich in andere hineinzuversetzen, solltest du dich erst einmal in dich hineinversetzen und mit dir mitfühlen. Entwickle Mitgefühl für dich und für deine Situation und nimm deine Gefühle wahr! Dann kannst du dir im nächsten Schritt auch immer wieder klarmachen, dass es tatsächlich so ist: Du fühlst DEINE Gefühle, nicht die Gefühle der anderen und was in dir ausgelöst wird, wenn andere etwas erzählen, sind deine Gefühle, deine Assoziationen, deine Gedanken, deine Programmierungen. Du willst nicht reagieren, weil es dir wie dem anderen geht, du willst reagieren, weil es DIR so geht. DU hast Mitleid und denkst: »Oh, dem muss ich helfen, der braucht dringend Hilfe.« DU fühlst Schmerzen, DU fühlst Liebe, du weißt nicht, was der andere fühlt — aber du tust so, als wärst du er, als wärst du der andere. Das läuft parallel ab, dir ist gar nicht mehr klar, dass du nicht der andere bist. Und natürlich kann es sein, dass zwischendurch verschiedene Menschen ganz ähnliche Gefühle haben und trotzdem sind die Gefühle, die du fühlst, immer noch deine und nicht die der anderen. Du lebst in deiner Welt und das ist gut so, denn dort gehörst du hin. Dort gibt es etwas für dich zu erleben und auch etwas zu lernen. Falls du bei diesem Thema an Spiegelneuronen gedacht hast, vergiss es sofort wieder! Das sind die Erklärungen, die der Verstand gut findet. Es ist nicht deine erlebte Realität. Alles, was in diesem Zusammenhang wichtig ist, entsteht, wenn du es lebst — und zwar auch vollkommen ohne Erklärung. Diese Erklärungen, die uns gegeben werden, können zwar eine Hilfe sein, aber meistens sind es Krücken — vor allem dann, wenn sich der Verstand diese Erklärung schnappt und dann ganz schlau ist, weil er weiß, wie es funktioniert. Es ist nicht wichtig, wie es funktioniert. Das Einzige, was relevant ist, ist, DASS es funktioniert und wie es sich für dich anfühlt.