Spiritualität ist die Unterbrechung der Assoziationskette. Spiritualität ist nicht die Fähigkeit, schlaue Gedanken zu formulieren und von sich zu geben, Spiritualität ist die Fähigkeit, die Gedanken zu bremsen und anzuhalten. Entsprechend ist auch derjenige, der gut reden kann, nicht unbedingt der richtige spirituelle Lehrer. Der richtige spirituelle Lehrer für dich ist derjenige, der es bei dir schafft oder in dessen Gegenwart du in der Lage bist, deine Gedanken anzuhalten. Ein guter Schüler ist niemand, der es schafft, die Gedanken des Lehrers weiterzuspinnen oder der die Gedanken des Lehrers diskutiert und kommentiert. Ein guter Schüler ist derjenige, der die Worte des Lehrers stehen lässt, so wie sie sind — ohne widersprechen zu wollen, ohne intervenieren zu wollen. Im schlimmsten Fall nicht einmal deshalb, weil der Lehrer recht hat, sondern weil der Schüler es gelernt hat, die Gedanken anzuhalten und weil er den Unterschied kennt zwischen »Auf die Gedanken aufspringen und sie weiter verfolgen zu wollen und darüber mit anderen diskutieren« und der Fähigkeit, diese Gedanken einfach so stehen zu lassen, wie sie sind. Keine weiteren Assoziationen mehr. Dann ist es still — in dir. Und dann ist es auch egal, was in der Welt um dich herum geschieht oder was auch nicht geschieht. Alle echte Weisheit entspringt dieser Fähigkeit zur Stille, dieser Fähigkeit, die Assoziationskette der Gedanken zu unterbrechen. Erst wenn kein Bedürfnis mehr hier ist, schlau sein zu wollen oder als weise anerkannt zu sein, beginnt diese Kapazität in dir zu gedeihen. Spiritualität und Weisheit sind immer Ratschläge und Tipps für mich selbst — etwas, das ich gut gebrauchen kann für meinen Weg, etwas, das mir hilft. Was mir hilft, ist, von meinem Lehrer zu lernen, die Gedanken zu ignorieren. Je früher ich sie ignoriere, desto besser, denn der Verstand arbeitet mit Assoziationen und wenn man ihm freien Lauf lässt, dann knüpft er endlose Assoziationen. Mit diesen Endlos-Assoziationen kommt er aber niemals auf den Punkt und findet auch kein Ende mehr. Die ganze Welt wurde so aufgebaut und deshalb denken viele, dass das okay sein muss und sie sagen ihrem Lehrer: »Aber du hast doch auch Assoziationen und Gedanken und meine müssen deshalb doch auch gut sein.« — und sie verstehen nicht, dass es für Worte verschiedene Quellen gibt. Einmal die Quelle, die durch Gedankenassoziationen zustande kommt und die andere Quelle kommt durch die Unterbrechung der Assoziationskette zustande. Es ist dabei nicht wichtig, dass du mir glaubst, sondern es ist entscheidend, dass du es ausprobierst, ob du die Bedeutung meiner Worte in dir finden kannst, ob du deinen Verstand dabei erwischen oder beobachten kannst, wie er in Assoziationsketten denkt und wie er darin kein Ende findet. Wenn du das in dir entdeckt hast, brauchst du meine Worte nicht mehr, dann sind meine Worte zu deinen geworden und ich erinnere dich liebend gerne daran.