Wahre Größe ist nicht immer das ultimative Größte. Wahre Größe bedeutet auch, zugeben zu können, dass man klein ist. Deshalb beginnt wahre Größe wesentlich früher, als man sie von außen sehen kann. Es beginnt damit, dass du vor dir selbst deine Kleinheit zugeben kannst und zwar offen und ehrlich und nicht in der Verzweiflung. Wahre Größe beginnt mit der Anerkennung deiner Kleinheit und auch das beginnt nicht auf der großen Bühne, sondern das ist ein Prozess in dir. Niemand wird diesen Prozess bejubeln oder gutheißen, denn die meisten Menschen kommen damit nicht klar, sich ihre Kleinheit einzugestehen und sie halten es für etwas Schädliches beziehungsweise kontraproduktiv oder depressiv, sie halten es für einen psychischen Fehler und sie wollen dich aufbauen, sie wollen dir sagen: »Nein, in Wahrheit bist du doch groß und mächtig.« und »Mach dich doch nicht so klein!« Aber alles Große beinhaltet das Kleine, sonst wäre es nicht groß. Dir selbst gegenüber deine Kleinheit zuzugeben, hat nichts mit Trübsalblasen oder Depressiv Sein zu tun. Es geht dabei nicht um Selbstmitleid. Es ist eine große Form der Selbsterkenntnis, die deine Programmierung überhaupt nicht gut findet, denn seltsamerweise sind wir einerseits anti-egoistisch erzogen und andererseits entwickeln wir dann daraus einen unglaublichen Geltungsdrang. Und natürlich sind diese Eigenschaften in jedem von uns unterschiedlich angelegt. Aber das Problem bleibt immer, dass wir entweder unter unserer Kleinheit leiden, dass es Selbstmitleid ist oder dass wir es aktiv bekämpfen möchten, indem wir endlich rausgehen und uns zeigen. Beide Wege sind künstlich und sie führen zu künstlichen Ergebnissen. Menschen, die diese Wege gehen, können nicht mehr echt sein beziehungsweise sie können nicht echt werden. Echt wirst du dann, wenn du mit nichts mehr kämpfst. Vor allem mit nichts mehr, was in dir ist, dann bist du authentisch. Solange du gegen etwas in dir kämpfst und es nicht zeigen willst oder es verdrängen willst, kannst du nicht authentisch sein. Und dieses Wort »authentisch« verwende ich nicht als Modewort, als das hat es längst ausgedient beziehungsweise es hat nie gedient. Denn die wenigsten Menschen können authentisch sein, weil ihnen im Weg steht, zum Beispiel ihre Kleinheit anzunehmen, zu akzeptieren, zugeben zu können. Die Meisten streben nach Größe, bevor sie das Kleine entdeckt haben und falls sie es durch dieses Streben schaffen, ihre Größe zu zeigen, fehlt ihnen etwas. Die Größe ist nicht rund, sie ist nicht verwurzelt und sie ist immer noch im Widerstand zu ihrem Gegenteil.