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    23.11.2021AQ 1460
    »Wenn du dich selbst siehst, erübrigt sich jeder Sichtbarkeitswahn.«
    0:009:23
    Wenn du dich selbst siehst, erübrigt sich jeder Sichtbarkeitswahn. Sichtbarkeit ist groß in Mode und viele raten dir, endlich sichtbar zu werden. Keiner sagt dir, dass du dich verstecken darfst. Niemand sagt dir, dass es vollkommen okay ist, dass du keinen Kontakt möchtest. Nur wenige sind damit einverstanden, dass du dich zurückziehst. Kaum jemand hat Verständnis dafür. Die Meisten denken, es ginge darum, sich der Welt zu zeigen. Dabei kannst du dich nur einem Einzigen zeigen: Dir selbst. Du musst dich selbst sehen, dann erübrigt sich jeder Sichtbarkeitswunsch. Beim Streben nach Sichtbarkeit manipulieren wir uns selbst. Es ist wie bei allen anderen Wünschen auch. Wir wünschen uns etwas im Gegensatz zu unserem Widerstand, das heißt, wir wollen von wo weg. Wir wollen von unserer Unsichtbarkeit weg, weil wir die nicht fühlen wollen. Wir wollen nicht in Frieden kommen mit unserer Zurückgezogenheit. Wir wollen unsere Introversion — heißt das so? —, Introvertiertheit, wir wollen sie nicht akzeptieren. Wir denken immer noch, an uns wäre etwas falsch. Das ist nichts Neues, das denken wir seit wir denken können, denn das wurde uns so gesagt und beigebracht, bewusst oder unbewusst, wir wiederholen einfach nur unsere Kindheit. Wenn du für andere sichtbar werden willst, machst du deine Entwicklung, deine Sichtbarkeit von anderen abhängig. Das ist die gleiche Abhängigkeit wie jede andere Abhängigkeit auch, die wir entwickeln, wenn wir Wünsche haben, die mit anderen zu tun haben. Alles, was wir uns von anderen wünschen, müssen wir uns als allererstes selbst geben. Damit wird die Erfüllung dieses Wunsches überflüssig und gleichzeitig wahrscheinlicher, aber sie ist überhaupt nicht mehr wichtig. Wenn du für dich selbst sichtbar wirst, wenn du beginnst, dich selbst zu sehen, wie du wirklich bist in jedem Moment deines Lebens, brauchst du niemandem mehr etwas beweisen und dann brauchst du auch nie wieder irgendetwas begründen oder erklären. All diese Programme verlieren damit vollkommen ihre Macht. Du siehst dich. Du weißt es bereits für dich. Du siehst, wie es für dich ist. Das genügt. Mehr ist nicht notwendig. Wenn andere das nicht sehen können, wenn andere dich nicht sehen können, wenn andere deine Entscheidungen nicht akzeptieren, dann ist das deren Problem und nicht deines. Dich selbst zu sehen, ist schnell und einfach erklärt. Der Prozess ist aber kein schneller und auch nicht unbedingt ein einfacher. Dich selbst zu sehen bedeutet, dass du in jedem Moment bereit bist, wahrzunehmen, was jetzt wirklich hier ist — jenseits deiner Gedanken. Wenn du das machst, beginnst du, dich selbst zu sehen, so wie du wirklich bist und du beginnst, ganz automatisch auch deine Programme zu erkennen. Die Programme sind nämlich das, was anspringt, was beginnt los zu laufen, sobald du versuchst, das zu tun, sobald du versuchst, deine Körperempfindung zu fühlen, das wahrzunehmen, wie es jetzt gerade wirklich ist, in dem Moment laufen deine Programme an, falls sie nicht schon längst laufen. Und darum geht es: Das zu erkennen. Das zu erkennen, ist unfassbar schmerzhaft und unfassbar bereichernd, denn du wirst im Lauf der Zeit durch diese Übung, wenn du sie wirklich machst, unfassbar und endlos stabil in dir, weil du wieder einen Realitätsbezug hast. Du beziehst dich auf deine Realität, auf dich, auf das, was wirklich hier ist. Und diese Realität kann niemand außer dir wahrnehmen oder bestätigen. Für diese Realität ist außer dir auch niemand zuständig. Mit der Wahrnehmung dieser Realität bist du wieder Herr im eigenen Haus.