Das ist zu schlecht, um wahr zu sein! Du kennst das Zitat bestimmt anders. Das heißt natürlich: »Es ist zu schön, um wahr zu sein.« — und da stellt sich jetzt die Frage, warum sagen wir das nur bei einer positiven Sache, bei einer guten, einer schönen Sache und nicht bei einer schlechten, negativen, ungemütlichen Sache? Warum können wir uns nur die Schönheit nicht vorstellen? Warum können wir uns nur nicht vorstellen, dass es wirklich schön ist, dass es richtig schön sein kann? Aber warum können wir uns vorstellen, dass es schlechter sein muss? Warum können wir da nicht sagen: »Geht ja gar nicht, das ist zu schlecht, um wahr zu sein.« Immer dann, wenn etwas einseitig existiert oder nur einseitig formuliert wird, ist es ein Hinweis auf eine sehr starke Programmierung. Ich will damit aber nicht sagen, dass man es ausgewogen betrachten muss. Mal sagt man: »Na ja, das ist zu schlecht, um wahr zu sein.« — und mal sagt man: »Das ist zu schön, um wahr zu sein.« Die Frage ist, wozu braucht es diesen Kommentator überhaupt? Welche Funktion hat der? Warum existiert der und warum hat der in deinem Leben etwas zu melden? Warum schenkst du ihm deine Aufmerksamkeit? Das, was ich dir jetzt aus meiner Praxis erzähle, könnte wie eine Heldengeschichte klingen, ist es aber nicht, es hört sich nur so an und man erzählt es nur im Nachhinein oder kann es nur im Nachhinein auf diese Art und Weise erzählen, währenddessen weiß man es ja nicht und währenddessen gibt es natürlich die Möglichkeit, dass man entweder unsicher ist und wenn das nicht mehr der Fall ist, bedeutet es aber nicht, dass man den Ausgang kennt. Das heißt, selbst wenn man nicht mehr unsicher ist oder sich seiner Sache sehr sicher ist, bedeutet das nicht, dass man weiß, wie es wird. Man kann sich seiner Sache auch sicher sein, vollkommen ohne zu wissen, wie der Ausgang ist, weil man einfach weiß, was man machen möchte. Und diese scheinbare Heldengeschichte ist sehr schnell erzählt. Es sind nur zwei Sätze eines Freundes, der hat mir vor vielen Jahren — ich vermute vor acht bis zehn Jahren, in dem Bereich — mal etwas gesagt und zwar: »Wenn das, was du machst, funktionieren würde, wären wir anderen alle ja blöd.« Und den zweiten Satz hat er vor kurzem gesagt, das war eine Frage, da hat er gesagt: »Stefan, wie machst du das?« Und meine Antwort ist eine sehr einfache. In dem Moment, in dem er mir gesagt hat, dass die anderen ja alle blöd wären, wenn das funktionieren würde, was ich mache, habe ich einfach nicht aufgehört. Und das ist eben überhaupt keine Heldengeschichte, denn in dem Moment hat sich das ja nicht richtig angefühlt beziehungsweise nicht erfolgreich oder schön. Es hat sich richtig angefühlt, aber es war nicht erfolgreich und nicht schön, sondern teilweise ziemlich hart und war die wichtigste Übung meines Lebens. Ich habe jeden einzelnen Gedanken ignoriert, der mir einreden wollte, dass ich es anders machen sollte. Mein Leben läuft seitdem wie auf Schienen, ohne dass ich eingreifen kann. Ich kann es mir zwischendurch einbilden, dass ich eingreifen sollte oder dass ich gerade eingegriffen habe, aber im Licht der Wahrheit betrachtet, ist es nicht so und dass es wie auf Schienen läuft, bedeutet nicht, dass es immer angenehm ist und bedeutet auch nicht, dass ich ständig im Flow bin oder irgendwie sowas beziehungsweise es ist eine ganz andere Art von Flow. Ein Flow, der auch das beinhaltet, was du normalerweise ablehnst und was die meisten Menschen definitiv nicht zum Flow zählen würden. Wir denken immer, wir müssten das Schlechte ausgleichen und das heißt nicht, dass es verkehrt ist. Du kannst das heutige Zitat natürlich für dich verwenden und du solltest natürlich auch das Schöne in dein Leben lassen, ohne zu sagen: »Das ist zu schön, um wahr zu sein.« Es ist schön und wahr und manchmal ist es auch schlecht und wahr. Du entscheidest nicht, was passiert, aber du entscheidest, wie du damit umgehst. Und währenddessen kannst du beobachten, dass du das Schlechte als gegeben hinnimmst und das Schöne hinterfragst. Und du kannst damit aufhören und dazu kannst du auch einfach mal das Gegenteil tun, nämlich das Schlechte hinterfragen und das Schöne einfach mal als gegeben hinnehmen und annehmen.