Nichts bringt dich so sehr weiter wie nichts zu tun. Es gibt bei diesem Zitat ein großes Missverständnis, denn die meisten Menschen setzen Nichtstun mit Faul Sein gleich, während sie allerdings nicht verstehen, dass dieses Faul Sein gerade nur in ihrem Kopf stattfindet. Das heißt, sie malen sich das aus. Sie denken gerade daran, dass es bedeutet, faul zu sein, wenn man nichts tut und sie stellen sich das als Entschuldigung vor dafür, dass man nichts tut. Dann kann ja jeder sagen, Nichtstun ist super, also ist gleich Faul Sein ist super. Und dafür oder dazu haben wir natürlich alle möglichen und unmöglichen Urteile. Faul Sein ist generell nichts, was in irgendeiner Art und Weise anerkannt ist, es ist schon ein sehr negativer Begriff und deswegen können wir das auf gar keinen Fall zulassen. Und manche denken dann — wie nennt man das? — ein bisschen ausgleichend, die denken dann: »Ja, aber Work Life Balance.« — ja, also zwischendurch faul sein und dann wieder richtig ranklotzen und das sind alles dumme Gedanken. Ich sage es immer wieder gerne dazu, ich meine das nicht böse, das ist nichts gegen dich, das ist nichts gegen andere Menschen, ich versuche damit nur den Teil zu entlarven, der bei vielen Menschen das Ruder in der Hand hält, der steuert und Steuermann spielt, obwohl er keiner ist. Er ist nämlich in Wahrheit ein kleiner Schwätzer, ein Nachplapperer, ein Lügenbaron und auch ein ganz schön überheblicher Kerl und den gilt es zu entlarven. Was mit diesem Zitat gemeint ist: Nichts bringt dich so sehr weiter, wie nichts zu tun, hat nichts mit dem Nichtstun zu tun, das du kennst und das die anderen alle kennen, sondern es hat mit einem Nichtstun zu tun, das gegen den Verstand gerichtet ist. Also Nichtstun ist nicht faul sein, Nichtstun ist gegen deinen Verstand — und zwar vor allem immer dann, wenn er versucht, dich unter Druck zu setzen. Diese Situation, in denen uns unser Verstand unter Druck setzt, kennt jeder, aber sie fällt nicht jedem auf. Uns wird nicht klar, dass es gerade der Verstand ist, der uns unter Druck setzt und dass außer ihm gar niemand da ist. Wir lassen uns also von einem Phantom befehligen und dabei oder darum geht es, wenn du nichts tust. Nichtstun bedeutet, du reagierst nicht auf deinen Verstand — ganz egal, was er dir befiehlt und ganz egal, womit er dir droht, mit welchen Konsequenzen er dir droht. Das Thema Konsequenzen ist übrigens auch ein Spannendes, vielleicht gibt es dazu mal einen eigenen Aufwachquickie, denn der Verstand und auch die meisten Menschen, zum Beispiel Eltern, drohen mit ausgedachten Konsequenzen — also nicht mit echten Konsequenzen, sondern mit hypothetischen, die durch ihre eigene Angst gesteuert sind und so schafft es dein Verstand, dich zu steuern. Er macht dir die Hölle heiß, er erklärt dir, wie schlimm die Konsequenzen sein werden, wenn du das jetzt nicht so machst, wie er es dir sagt, was er es von dir verlangt, während er sich eigentlich gar nicht sicher ist, was er will, denn sobald du es machst, war das auch wieder falsch, das nur am Rande, das kannst du beobachten. Und das Problem dabei ist, alle Konsequenzen sind ausgedacht, sie sind nicht echt, obwohl sie dir echt erscheinen und sich auch echt anfühlen — und zwar selbst dann nicht, wenn sie eintreten. Denn er kann dir zum Beispiel Angst machen vor Arbeitsplatzverlust, Geldverlust, Armut, Hunger, alles Mögliche, du kannst nehmen, was für dich passt, das Meiste davon hast du noch gar nicht erlebt und du hast es wegen seinen Drohungen auch noch nie so weit kommen lassen und deshalb hast du es nicht erlebt und deshalb kannst du aus deiner gelebten Praxis auch überhaupt nichts darüber sagen. Du weißt gar nicht, wie man sich fühlt, wenn man das erlebt, wovor dein Verstand dich warnt und das liegt nur daran, weil du sofort darauf reagierst. Es funktioniert auf der Stelle, in der Situation, eine kurze Warnung und du bist wieder auf Linie. So funktioniert Programmierung. Die funktioniert in dir so im Kleinen bei deinen eigenen Themen und die funktioniert in dir auch so bei den großen Themen. Man macht dir Angst vor Konsequenzen und dieser »Man«, dieses »Man« ist entweder dein Verstand oder der Verstand von anderen, denn der Verstand von anderen funktioniert genauso wie deiner. Es ist nicht DEIN Verstand, es ist DER Verstand und der weiß ganz genau, wie es funktioniert, denn der spielt dieses Spiel schon sehr lange. Das ist ein Angstspiel und dieses Angstspiel dominiert uns. ER sagt dir, was du tun sollst und wann du es tun sollst. Das ist ein Zitat aus dem Film Revolver — immer noch ein unfassbarer Film und immer noch eine unfassbare Szene, wenn einem klar wird, worüber da gerade gesprochen wird, während sie auf einem Hausdach golfen. Eine gigantische Szene — Schaue es dir nochmal an! — »ER sagt dir, was du tun sollst und wann du es tun sollst und gerade jetzt versucht er dir einzureden, er wäre dein bester Freund.« Also dieses Nichtstun hat nichts damit zu tun, dass du nie mehr etwas tun darfst oder dass du ständig nur faul bist, sondern dieses Nichtstun ist im Verhältnis zu deinem Verstand gemeint. Das heißt, wenn dich dein Verstand antreibt, du kannst es auch innerer Antreiber nennen oder innerer Kritiker oder wie auch immer du dazu sagen willst, es ist vollkommen egal. Es ist ein programmierter Teil in dir, der dich belabert, der nicht echt ist, der nicht du bist. Das ist irgendetwas anderes, von dem du gar nichts weißt, das du noch gar nicht genau genug untersucht hast, aber wenn du beginnst, diesen Teil zu ignorieren, dann bringt dich das enorm weiter und das ist kein Weiter, wie man es aus dem Sport kennt, sondern wenn es überhaupt einen Vergleich dazu gibt, ist es eine Weitung, eine Erweiterung. Und wenn du es probierst, wenn du es tatsächlich machst und deinen Verstand ignorierst und das nicht tust, was er von dir fordert, dann wird das zu deinen außergewöhnlichsten Erlebnissen in deinem Leben führen und du wirst das erste Mal in deinem Leben wirklich weiterkommen. Das wird ein Erfolg sein, den du dir bisher gar nicht vorstellen konntest, denn dieser Erfolg liegt in keinem Wert, in keiner Zahl, dieser Erfolg kann nicht von außen begutachtet werden. Diesen Erfolg wirst du für dich fühlen. Du wirst deinen tatsächlichen Kern wiederfinden und du wirst immer mehr dorthin zurück rutschen, wo du herkommst und wo du auch hingehörst und vor allem wirst du frei von äußeren Manipulationsmöglichkeiten und auch von inneren Manipulationen, die dein ganzes Leben lang schon stattgefunden haben — ohne dass du es gemerkt hast. Nichts wird dich so sehr befreien, wie diese Übung, nichts zu tun.