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    16.11.2021AQ 1453
    »Den Kampf mit deinem Kopf kannst du nicht gewinnen.«
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    Den Kampf mit deinem Kopf kannst du nicht gewinnen. Denn es ist der Kopf, der kämpft. Du gewinnst den Kampf nur, indem du das Spielfeld jenseits deines Verstandes betrittst, denn jenseits deines Verstandes gibt es die bisherigen Regeln nicht mehr — und auch das versteht ER nicht und dazu sagt ER regelmäßig und wiederholt: »Ja, aber Stefan, ich muss meine Familie ernähren. Ja, aber Stefan, ich habe Verantwortung. Ja, aber Stefan, ich habe kein Geld. Ja, aber Stefan, ja, aber Stefan, ja, aber Stefan, es geht mir gerade nicht so gut. Ich kann nicht. Ich kann wirklich nicht. Es ist gerade ganz, ganz schwierig.« — und ich nehme das überhaupt nicht auf die leichte Schulter, denn ich weiß aus eigener, sehr intimer Erfahrung, was es bedeutet, unter seinem Verstand zu leiden, seinem Verstand zu glauben und zu vertrauen und ich weiß auch, was es bedeutet, wenn es einem schlecht geht. Ich habe jetzt, es ist schwierig, sowas einzuordnen, aber ich habe jetzt nicht das allerschlechteste Leben aller Zeiten gehabt, aber ich habe einen Verstand gehabt, der mir das Halbwegs-Okay-Erleben trotzdem noch schlecht geredet hat. Das schafft er heute nicht mehr und das Erstaunliche ist, er versucht es noch nicht einmal mehr. Das ist eigentlich die spannendste Sache. Das heißt, ich muss nichts mehr verdrängen, auch bescheuerte Gedanken dürfen da sein, ich weiß ja, dass ich ihnen nicht glauben muss, wenn ich nicht will. Ich kann, wenn es mir Spaß macht und dann steigere ich mich für ein paar Minuten oder Stunden oder Tage oder Wochen in irgendetwas rein — kommt selten vor, kann aber passieren — und gleichzeitig weiß ich beziehungsweise es fühlt sich schon mal grundlegend anders an, obwohl ich mich reinsteigere, ist es nicht mehr das Drama von früher, es ist nicht mehr dieses beschissene Leben und gleichzeitig weiß ich, ich kann jederzeit meine Aufmerksamkeit von den Gedanken abziehen. Ich kann mich auf das Spielfeld jenseits des Verstandes begeben und dazu brauche ich und sollte ich mit meinem Kopf gar nicht kämpfen, denn ER ist der Kämpfer. Das bedeutet, ich müsste, um gegen meinen Kopf zu kämpfen, mich innerlich abspalten, trennen in zwei fiktive Hälften, wo die eine gegen die andere ist — und genau das ist Trauma. So funktioniert das und jeder kennt das, denn jeder hat je nach Situation natürlich unterschiedlich, aber jeder kennt diese zwei Stimmen und jeder hat diese zwei Stimmen. Die eine Stimme, die sagt: »Mache es!« und die andere Stimme, die sagt: »Mache es nicht!« Engelchen und Teufelchen, die gegeneinander kämpfen und die einen fiktiven Kampf führen, denn der ist ja in dir und da gibt es keine Zwei, sondern da gibt es nur einen gespaltenen Verstand, der sich einbildet, er sei zwei. Das ist eigentlich das Absurdeste, was man sich vorstellen kann und da gibt es ja auch eine Bezeichnung dafür und je nachdem, wie stark es ist, kann es sein, dass du eingeliefert wirst. Aber das habe ich ja schon mal gesagt, das andere, also alle anderen, die nicht eingeliefert werden, das ist dann nur Freiluft-Psychiatrie in einer milderen Ausprägung, in einem nicht ganz so starken Ausmaß. Aber es ist trotzdem die gleiche geistige Störung und das ist nicht böse gemeint, denn wenn du das anerkennen kannst, dann kannst du das das erste Mal sehen und wenn du das sehen kannst, dann wird es das erste Mal wirklich verrückt oder lächerlich oder witzig oder absurd und je mehr du die Absurdität sehen kannst, desto weniger kannst du es ernst nehmen. Das ist übrigens auch eine Möglichkeit, wie du die jetzige Situation sehr gut bewältigen kannst — das ist der falsche Ausdruck, das wünscht sich aber jeder —, aber wenn du etwas bewältigen willst, willst du ja, dass es vorbei geht. Aber wenn du den Wahnsinn sehen kannst, wenn du dem Wahnsinn ins Gesicht sehen kannst, dem Wahnsinn in dir, dann muss er nicht mehr vorbei gehen, denn du siehst ihn jetzt und du hast ihn als das entlarvt, was er ist. Und vielleicht gelingt dir das nicht auf einmal mit allen Themen und in allen Bereichen, aber es ist ein Anfang und du kannst es. Solange du den Wahnsinn nicht sehen kannst, konzentrierst du dich auf die Themen und dann beschwerst du dich zum Beispiel, dass alles total widersprüchlich ist — was es auch tatsächlich ist — und dann willst du diskutieren, dann willst du sagen: »Ja, schau mal, aber das passt doch nicht zu dem und das ist doch ein Widerspruch zu dem und die Zahlen passen nicht zusammen und es verwirrt mich alles. Es ist alles total verwirrend, ich weiß gar nicht mehr, was ich glauben soll und die sind doch alle verrückt.« Aber du bist noch auf der thematischen Ebene, also du willst noch begründen, warum das verrückt ist. In dem Moment, in dem du den Wahnsinn wirklich sehen kannst, brauchst du gar nichts mehr begründen, denn der springt dir ins Gesicht und wenn du dann nicht auf diese Themen- und Sachebene gehst, wo du denkst, da könnten wir irgendetwas lösen, was vollkommen ausgeschlossen ist, das wird niemals passieren. Ganz egal, wie sehr wir kämpfen oder uns bemühen und auch nicht, wenn wir extrem — Wie sagt man dazu? — achtsam sind und extrem gewaltfrei kommunizieren, es wird nicht passieren. Das wird nicht die Veränderung da draußen bringen, sondern DU wirst eine Veränderung durchmachen. Du wirst merken, dass du dich selbst beobachten kannst und dass du den Wahnsinn der gesamten Welt in dir entdecken kannst und dass du andere zwar noch verurteilen kannst, was kein Problem ist, oder dich noch aufregen kannst, ist auch kein Problem, aber gleichzeitig kannst du immer sehen: »Jep, betrifft mich auch. Ich gehöre mit zu dieser Sorte. Ich bin auch so ein Typ. Mein Verstand ist auch so ein Typ.« Solange du das verdrängen willst oder behaupten willst: »Nein, also ICH bin nicht so. ICH bin der einzige Geistig Gesunde.«, verdrängst du die Wahrheit und dadurch wird sich gar nichts verändern, denn die Wahrheit zu verdrängen ist unsere Programmierung, unsere stärkste Programmierung. Kämpfe also nicht mit der Realität da draußen, mit der Realität außerhalb von dir! Kämpfe aber auch nicht mit der Realität in dir! Beobachte beides und lasse es einfach auf dich wirken! Die Veränderung musst du nicht machen. Die Veränderung beginnt mit der Beobachtung.