Die Sorge um andere ist eine Ablenkung von uns. Natürlich sehen wir das nicht so, aber gerade in dieser Zeit könnten wir es herausfinden, dass wir uns etwas vormachen — natürlich nicht bewusst, natürlich nicht absichtlich. Wir glauben und behaupten tatsächlich, wir würden uns Sorgen um andere machen. Aber worauf kann diese Sorge zurückgeführt werden? Worum sorgst du dich, wenn du dich um andere sorgst? Du musst bereit sein, genau hinzuschauen und ehrlich zu sein und was du herausfinden kannst, ist, du sorgst dich zum Beispiel darum, was passiert, wenn das eintritt, worüber oder weswegen du dir Sorgen machst und zwar, was dann mit dir passiert. Was mit dem anderen passiert, weißt du ja gar nicht beziehungsweise wie der sich fühlt oder auch nicht fühlt, was dann seine Sorgen sind oder ob er sich überhaupt noch Sorgen macht. Sich Sorgen zu machen ist eine der überflüssigsten Reaktionen und Emotionen, falls überhaupt Gefühle damit verbunden sind, das wissen die meisten nämlich gar nicht, das müssten sie erst untersuchen. Aber es ist eine wunderbare Ausrede, denn unter dem Deckmantel der Sorge kann ich dir alles verkaufen und ich kann dir vor allem alle meine ungelösten Themen und alle meine Gefühle, die ich nicht verarbeitet habe und die ich auch nicht verarbeiten will, als etwas Soziales und Mitmenschliches und als Mitgefühl verkaufen — und es funktioniert ja auch wunderbar. Es hat schon immer im Kleinen funktioniert und es funktioniert jetzt auch in allen Bereichen im Großen und zwar nicht nur von einer Seite, sondern von beiden. Dazu müssten wir in der Lage sein, das zu erkennen. Wir müssten bei uns nachschauen, was wirklich in uns passiert. Manche denken sich, man dürfte sich keine Sorgen machen, weil das schlechte Energien verursacht und das ist der Aspekt, den man am meisten vernachlässigen könnte, der ist kaum relevant. Relevant ist: Womit beschäftigst du dich? Mit deinem Leben oder mit dem Leben der anderen? Mit deinen Gefühlen oder mit den Gefühlen der anderen? Solange ich mir Sorgen um andere mache, kann ich wunderbar von mir ablenken, von all meinen Themen, all meinen Problemen, all meinen Gefühlen. Ich produziere also mit Sorgen gar keine neue extra schlechte Energie oder irgendwie sowas, sondern ich vertusche einfach, was sowieso da ist. Ich tue einfach so, als ginge es mir um die anderen, während ich nicht im Geringsten bereit bin, bei mir selbst zu schauen und ich würde lieber die anderen retten, während es tatsächlich mein Job ist, mich selbst zu retten. Das ist nicht nur mein Job, sondern das ist das Einzige, was überhaupt möglich ist. Ich kann keine anderen Menschen retten. Es ist ein absoluter Irrglaube. Es geht vielleicht temporär in lebensbedrohlichen Situationen, da mag das möglich sein, aber da funktionierst du automatisch. Dabei brauchst du dir und wirst du dir überhaupt gar keine Sorgen machen, da wirst du entweder handeln oder nicht und wenn du handeln kannst, während du oder weil du nicht in Schockstarre bist, kannst du Leben retten, ganz einfach. Aber mit deiner Sorge um die anderen rettest du gar niemanden. Da gehst du ihnen nur auf den Zeiger und verdrängst, worum du dich eigentlich kümmern müsstest. Und das ist auch die Funktion von Sorge, also genau darum geht es, deshalb gibt es Sorge, nicht deshalb, weil du so ein guter Mensch bist und so viel Mitgefühl hast und dich so sehr um alle anderen und um die ganze Welt sorgst, sondern deshalb, weil du damit besser ablenken kannst von dir. Jedes Mal, wenn es um dich geht, kannst du ganz einfach abhauen und bei den anderen schauen. Und selbstverständlich hören das die meisten Menschen nicht gerne, denn dabei kommt man dem Verstand auf die Schliche und der wehrt sich, der hat darauf überhaupt gar keinen Bock. Diese Lust kannst nur du entwickeln, indem du immer mehr bereit bist, in dich selbst einzutauchen.