Weitung bedeutet den Schmerz der Enge zu fühlen. Niemand weitet sich, indem er sich die ganze Zeit so schön weit fühlt. Ich weiß, dass andere etwas anderes erzählen, aber ich kann dir aus meiner Erfahrung nicht das Märchen erzählen von: »Ach, fühle doch einfach die Weite!« Nein, fühle die Enge! Wir wollen den zweiten Schritt immer vor dem ersten machen. Wir wollen aus dem raus, wo wir gerade drin sind. Dadurch sind wir die ganze Zeit auf der Flucht vor dem, wie es jetzt gerade wirklich für uns ist und statt uns so zu fühlen, wie wir uns momentan fühlen, vielleicht auch schlecht oder eben eng, wollen wir uns lieber gut fühlen und weit. Dabei überspringen wir etwas Wesentliches, denn wir übersehen, dass die Weitung nicht dadurch entsteht, dass wir uns weit fühlen, sondern es ist auch eine Erweiterung unserer Kapazität und wenn du die Fähigkeit hast, die Enge zu fühlen, wird es automatisch weit. Das heißt, das Gefühl der Weite ist nicht das Gefühl, das du hast, weil du jetzt dringend Weite fühlen willst, sondern dieses Gefühl kommt, wenn du bereit bist, die Enge zu fühlen, die tatsächlich da ist. Und natürlich kannst du diesen Schritt überspringen, das geht, das ist möglich, absolut, es hat sich aber nichts Wesentliches dadurch geändert, denn du bist nach wie vor nicht bereit, die Enge zu fühlen. Wenn du bereit bist, die Enge zu fühlen und es tatsächlich tust, merkst du, dass darin, in diesem Gefühl der Enge bereits die Weite mit drin ist und dann gibt es gar keinen Grund mehr, vor der Enge davon zu laufen oder dir ein anderes Gefühl zu wünschen. Wenn du bereit bist, das Gefühl der Enge zu fühlen, dann brauchst du das Gefühl der Weite nicht mehr künstlich herbei sehnen oder irgendwie versuchen zu fühlen, obwohl du gerade etwas anderes fühlst. Echte spirituelle Kapazität entwickelst du nur, wenn du bereit bist, in allem zu sein, die entwickelst du nur, wenn du genauso bereit bist, in der Enge zu sein und dadurch wird die Enge kein Feind mehr sein. Solang du die Enge oder jedes andere negative, sogenannte negative Gefühl als Feind hast, verdrängst du wesentliche Aspekte deines Lebens und versuchst, in schöne Gefühle zu flüchten. Und nein, das bedeutet nicht, dass du für immer in schlechten Gefühlen sein wirst. Du darfst es aber auch nicht machen, um raus zu kommen und das ist der Trick dabei. Diesen Trick wird dein Verstand wieder und wieder und wieder anwenden, er wird dir sagen, dass du dadurch nicht raus kommst, dass das doch nichts bringt, dass du etwas anders machen musst, weil du ja schon wieder Schmerzen fühlst. Und ja, es sind eine Menge Schmerzen in dir. Es sind auch eine Menge Schmerzen in allen anderen. Wir werden durch Schmerz in diese Welt hinein sozialisiert. Das funktioniert nicht ohne Schmerz. Dazu sind wir zu frei, wenn wir hier herkommen. Wenn du bereit bist, die Enge zu fühlen und sie auch tatsächlich fühlst immer dann, wenn sie da ist, keiner kann dir sagen, wie lang das dauert — Wochen, Monate, Jahre, vollkommen egal — aber irgendwann wird ein Punkt kommen, da merkst du, dass die Enge nicht das ist, was du aus ihr gemacht hast, was du gedacht hast, dass sie ist und dann wird das sogenannte Positive, also die Weite, das Gegenteil der Enge automatisch in dein Leben fließen, ohne dass es das Besondere ist, was du vorher gedacht hast, dass es sein wird. Du bist dann zwar dankbar und es ist schön, aber es ist vollkommen anstrengungsfrei zu dir gekommen, es ist vollkommen stressfrei zu dir gekommen und vor allem du bist auch bereit, es jederzeit wieder gehen zu lassen. Du bist jetzt nicht abhängig davon und nur dadurch kannst du es überhaupt genießen. Wenn du von dem guten Gefühl, wenn du von der Weite abhängig bist, weil du die Enge nicht fühlen willst, ist im Hintergrund immer eine Anspannung. Du musst dann immer auf der Hut sein und aufpassen, ob nicht irgendwo wieder die Enge lauert, die du ja vermeiden möchtest. Versuche nichts mehr zu vermeiden! Fühle die Enge und den Schmerz so, wie sie jetzt gerade wirklich sind in deinem Körper ohne Gedanken! Das wird automatisch zu deiner Weitung führen.