Das, was du bist, ist so groß, das kann das Ego nicht begreifen. Ich weiche heute ein bisschen ab und erzähle dir, was passiert ist und was mir dadurch klar geworden ist. Ich hatte heute einen kleinen Shitstorm zu einem Post, der ein Auszug aus dem Retreat war — also ein Geschenk. Die Menschen, die im Retreat sind, verstehen das. Die Menschen, die diesen Ausschnitt lesen, ohne dass sie mich kennen oder wenn sie mich nur wenig kennen, sind dadurch getriggert und sie müssen das sofort zum Ausdruck bringen. Paradoxerweise haben sie damit genau das bestätigt, über was ich in dem Post geschrieben habe, nämlich über das Patriarchat. Sie konnten sich nicht zurückhalten. Diese Situation war für mich nicht schlimm, denn daraus sind viele weitere Zitate entstanden und wahrscheinlich sogar auch ein neuer Post. Ich möchte dir den Grund sagen, warum diese Menschen, hauptsächlich Frauen — ich glaube sogar ausschließlich — so reagieren. Sie denken, sie treffen mich auf der menschlichen Ebene. Das ist ein Fehler. Das ist eine Fehlannahme. Auf der menschlichen Ebene hätte ich vollkommen andere Überzeugungen, ich hätte vor allem viel mehr Überzeugungen und es ginge mir wie ihnen darum, meinen Schmerz zu verteidigen. Das ist das, was wir Ego nennen und dieses Ego kann nicht begreifen, was gemeint ist, wenn es aktiv ist und wenn es nicht ruhig sein kann, wenn du es nicht schaffst, es zurückzunehmen beziehungsweise zurückzuhalten. Und das meine ich nicht in Bezug auf alles und jeden, sondern im ersten Schritt erst einmal in Bezug auf deinen spirituellen Lehrer. Wenn du den nicht hast, wenn du keinen spirituellen Lehrer hast, brauchst du dich gar nicht bemühen, denn du kannst immer widersprechen. Die große Kunst ist es aber, den zu finden, bei dem du bereit bist, nicht mehr zu widersprechen — und zwar nicht deshalb, weil er unfehlbar ist, sondern deshalb, weil es eine Gnade ist, dein Ego zurückzustellen. Wer mich kennt und wer in meinen Retreats ist, der weiß, dass es überhaupt nicht bedeutet, dass man keine Nachfragen stellen darf und mit mir kann man auch mal streiten, aber vor Ort passiert das in einer vollkommenen Atmosphäre. Online denken die meisten, sie haben es da halt mit irgendeinem Typen zu tun, der schlaue Sprüche spricht oder schreibt. Ja, wenn es mir darum gehen würde, dann mache ich was falsch. Es ist mir scheiß egal, ob jemand das gut findet oder schlecht, was ich mache. Was ich aber überhaupt nicht haben kann, ist, wenn man mich schräg von der Seite anmacht, weil man gar nicht checkt, wo man mir begegnen könnte, wo ich bin, wenn diese Texte entstehen. Das bedeutet nicht, dass ich unfehlbar bin, das bedeutet nicht, dass ich privat, persönlich immer ein Heiliger bin — darum geht es nicht und das ist ein bisschen der Zustand eines Großteils der spirituellen Szene. Die verstehen überhaupt nicht, worum es geht, überhaupt gar nicht. Die benutzen jeden spirituellen Satz eines weisen Lehrers für ihr Ego. Sie meinen, durch Nachlabern, durch etwas auch Sagen, wären sie auch dort, wo die sind — und das sind sie nicht. Nur weil man die Sätze »Wir sind alle eins. Jeder ist Gott. Du bist dein eigener Guru.« schon einmal gehört hat und auswendig nachsagen kann, bedeutet das überhaupt nichts. Ich habe erst nach fünfzehn Jahren verstanden, was mir bei Soham passiert ist. Es war nicht spektakulär, es war nicht so, dass es ein Ereignis war, von dem ich in dem Sinn erzählen könnte, denn es war kein einzelnes Ereignis. Es war eine grundlegende Veränderung in meinem Sein, wenn ich mit Soham im Satsang war. Es ist etwas passiert, was für mich einerseits Standard war — zumindest würden das meine Eltern sagen — und es ist etwas passiert, was vollkommen widersprüchlich war beziehungsweise überhaupt nicht meiner bisherigen Art entsprochen hat. Meine Eltern haben sich immer wieder beschwert darüber, dass ich ständig neue Gurus habe — lustigerweise überhaupt nicht im spirituellen und religiösen Bereich. Sie waren nicht so flexibel, dass sie meine Veränderungen verstanden haben oder mitgehen konnten und das ist auch vollkommen okay. Ich war aber gar nicht auf der Suche nach einem Guru, als ich Soham gefunden habe, ich war eher verzweifelt und hatte keinen Bock mehr. Und was mir bei Soham passiert ist, ist so außergewöhnlich, weil es ganz gewöhnlich war für mich, dass ich ihm nicht mehr widersprechen wollte. Das war der erste Mensch in meinem Leben, dem ich nicht mehr widersprechen wollte. Ich konnte ihm gar nicht mehr widersprechen. Aber es gab auch keinen Grund mehr. Er war für mich perfekt. Und dabei habe ich mir keine Gedanken darüber gemacht, wie er privat ist, ob er zuhause genauso ist oder ob er mit seiner Frau auch so spricht — das war mir alles egal, weil es in diesem Moment, in dem ich bei ihm war, nichts gab in mir, was widersprechen hätte können. Und es hat sich einerseits so unfassbar normal angefühlt und gleichzeitig ist es das Außergewöhnlichste, was mir passieren konnte. Da es aber so normal war für mich, ist es mir auch nicht aufgefallen. Also ein bisschen schon, aber eben nicht spektakulär. Und erst fünfzehn Jahre später habe ich durch Swamiji erfahren, was das bedeutet. Er hat gesagt: »In dem Moment, in dem du keinen Fehler mehr in deinem Lehrer, in deinem Guru siehst, verbindest du dich auf Seelenebene.« Das ist nichts, was vom Guru oder vom Lehrer ausgeht, diese Kapazität muss der Schüler entwickeln. Wenn der Schüler nicht bereit ist, kann der Lehrer so gut sein, wie er will, dann passiert einfach nichts — oder wie bei mir teilweise sogar im Gegenteil. Dann regt man sich über den Hiene auf, was der da schreibt und man kann sich gar nicht vorstellen, wie das gemeint ist und weil man in seiner eigenen Matrix gefangen ist, projiziert man die auf den Hiene. Das Ego kann das nicht begreifen und du musst bereit sind dafür. Diejenigen, die nicht bereit sind, lösche ich immer noch, ist eine Übung für mich, ich werde immer besser darin, denn sie treffen mich nicht auf Seelenebene. Sie wollen mich auch gar nicht dort treffen. Und ich bin extrem dankbar und es ist eine große Gnade für mich, dass es Menschen gibt, die bereit sind dafür. Es gibt für mich nichts Schöneres als diese Verbindung auf Seelenebene und das ist nichts Persönliches. Das ist nicht die menschliche Ebene. Das ist jenseits deines Egos und ich freue mich jedes Mal, dich dort zu treffen.