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    28.10.2021AQ 1434
    »Dein Leben fließt dir die ganze Zeit entgegen.«
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    Dein Leben fließt dir die ganze Zeit entgegen. Einige meiner Zitate sind Antworten auf Fragen aus der Entbildung Online oder der Intensiv-Entbildung — sowohl offline als auch online — und ich bin mir nicht mehr ganz sicher, worauf ich da geantwortet habe in diesem Fall. Aber ich kann mir vorstellen, dass es damit zu tun hatte, dass wir denken: »Wir sind festgefahren, unser Leben hat sich festgefahren, wir stecken fest, wir sind in einer Sackgasse.« — und das stimmt, wenn du es denkst. Und es stimmt vor allem dann, wenn du es denkst und diesem Gedanken glaubst und wenn du diesem Gedanken deine Aufmerksamkeit schenkst und deinen Fokus darauf legst, was bei dir alles schief läuft. Nur dadurch hast du schon recht. Nur dadurch stimmt der Gedanke. Nicht deshalb, weil er wirklich stimmt, sondern weil du ihn glaubst und weil du dich den ganzen Tag oder zumindest einige Zeit damit beschäftigst und dich diesem Gedanken leidvoll aussetzt. Dein Leben kann aber gar nicht festgefahren sein, sonst würdest du nicht leben. Deine Überzeugungen können festgefahren sein und deine Überzeugungen sind auch festgefahren. Alle Überzeugungen sind festgefahren. Echtes Leben hat nichts mit Überzeugungen zu tun. Es ist egal, woran du glaubst oder wovon du überzeugt bist, wenn du dein Leben dir entgegen fließen lässt — beziehungsweise das macht es sowieso die ganze Zeit — und wenn du einfach lebst, dann merkst du, dass auch deine Überzeugungen nur eine Idee sind. Eine Idee, an der du dich festhalten kannst oder an der du festhalten kannst, was aber nicht bedeutet, dass sie deshalb wahrer wird oder richtiger. Das größte Problem bei Überzeugungen ist noch nicht einmal die Überzeugung selbst unbedingt, sondern eben einmal dein Fokus, aber vor allem, dass du dir wegen dieser starken Überzeugung nichts anderes vorstellen kannst. Diese Überzeugung oder auch deine Überzeugungen ziehen also auch mangelndes Vorstellungsvermögen nach sich und oft ist dieses mangelnde Vorstellungsvermögen mit einem Urteil kombiniert oder selbst dann, wenn du dir bestimmte Dinge zwar vorstellen kannst, hältst du sie aber für moralisch fragwürdig. Das heißt, du hast dann schon neue Urteile darüber, ohne es jemals ausprobiert zu haben oder ohne jemals in der Situation gewesen zu sein, ohne überhaupt einen Überblick zu haben, weil du es schon immer einfach verurteilt hast und etwas, was du verurteilst, kannst du natürlich nicht machen. Du kannst es nicht ausprobieren, denn du verurteilst es ja, dann würdest du dich ja selbst verurteilen. Ohne die Urteile und ohne die Überzeugungen fließt dir dein Leben die ganze Zeit entgegen. Du musst gar nichts dafür tun, denn du lebst. Vielleicht kannst du jetzt den Unterschied fühlen zwischen dem, was tatsächlich ist — nämlich du lebst, du atmest, dein Herz schlägt, in deinem Körper laufen unzählige Prozesse parallel ab, um die du dich überhaupt nicht kümmern musst, alles ist für dich am Laufen. Aber der Verstand kann währenddessen so tun, als wäre alles ganz furchtbar und überhaupt nicht zu deinem Besten und alles ist gegen dich. Das kann gar nicht sein und es ist nicht, dass ich dir irgendetwas schönreden will, aber du brauchst es dir auch nicht schlechtreden. Viele Menschen tun das aber. Am Beispiel der finanziellen Pleite ist mir das heute noch einmal klar geworden. Da hat ein Steuerberater mal zu mir gesagt, man kann neu anfangen, wenn man pleite ist. Man kann sogar pleite sein und trotzdem sehr gut leben. Es ist so einfach, man muss nur wissen, wie — und die einen können das sehen und verstehen es und die anderen bringen sich um. Und zwar nicht deshalb — das ist meine Ergänzung —, weil sie es müssen, sondern weil die Verzweiflung durch ihre Überzeugungen so groß wird, dass sie keinen anderen Ausweg sehen, weil sie nicht mehr merken können und nicht mehr fühlen, dass ihnen ihr Leben die ganze Zeit entgegen fließt. Und all das macht nicht irgendeine Realität, die sie erleben, sondern Gedanken, von denen sie überzeugt sind. Diesen Bruch in der Matrix, diesen Riss in der Matrix musst du erreichen, den musst du sehen können, da musst du merken, was gemeint ist — trotz deinen Urteilen, trotz deines Fokus’ auf deine Überzeugungen. Das ist ein Shift, den kann niemand für dich machen, den musst du selbst finden. Du musst merken, dass nichts stimmt, was man dir bisher erzählt hat beziehungsweise dass es nur stimmt, weil man es dir erzählt hat und weil du daran geglaubt hast und weil du jetzt davon überzeugt bist — nicht deshalb, weil es wirklich so ist. Dadurch wie du die Wirklichkeit siehst und interpretierst und wie du denkst, dass die Wirklichkeit ist, erschaffst du sie. Das ist aber nicht ein simpler Gedanke, wie es manche auch sagen: »Denke halt einfach anders!« oder »Du musst einfach neue Gedanken denken.« Das ist nicht einfach nur ein Gedanke, das sind tiefe Überzeugungen, die du teilweise gar nicht überprüfen kannst, weil sie dir gar nicht bewusst sind. Und es geht im ersten Schritt nur um die Bewusstmachung all dieser Überzeugungen. Wenn sie dir bewusst werden, wenn du sie eindeutig sehen kannst, kannst du auch wieder eindeutig sehen, dass dein Leben die ganze Zeit für dich da ist.