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    22.10.2021AQ 1428
    »Sucht sucht Urteilsfreiheit.«
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    Sucht ist eine Suche nach dem Verlust der Urteile. Kürzer ausgedrückt: »Sucht sucht Urteilsfreiheit.« oder ganz allgemein »Freiheit«. Und da stellt sich natürlich die Frage: »Was ist denn Freiheit? Welche Freiheit kann das sein? Kann damit die körperliche Freiheit oder die Reisefreiheit gemeint sein oder geht es um etwas in dir, das befreit werden kann?« Jeder Mensch hat körperlich verschiedene Unfreiheiten — alleine schon als Voraussetzung. Wenn du in bestimmten Ländern lebst, kannst du nicht in bestimmte andere Länder reisen und du bist auch nicht frei von deinem Körper — ganz im Gegenteil: Du bist an die Unfreiheit deines Körpers gebunden. Das ist ja gerade der entscheidende Punkt. Es muss also bei echter Freiheit um etwas anderes gehen. Es muss ein anderer Bereich gemeint und betroffen sein von dieser Freiheit. Und eine Möglichkeit, diesen Bereich zu beschreiben, ist, ihn den Bereich deiner Urteile zu nennen und diese Urteilsfreiheit geht soweit, dass du — selbst wenn du Urteile hast —, darüber keine Urteile mehr hast. Es lässt sich in Worten schwer beschreiben, was gemeint ist. Wenn du es schon mal erlebt hast, weißt du, was gemeint ist. Wenn du es noch nicht erlebt hast, ist es eine Richtung, ein Fingerzeig, ein Hinweis. Es ist nämlich nicht so, dass es ein Leben jenseits deines Verstandes gibt, sondern Leben findet schon immer jenseits deines Verstandes statt. Es ist nur so, dass dein Verstand als Matrix drüber liegt und ein großer Bestandteil der Matrix sind Urteile, Bewertungen und wir meinen dann, wir müssen frei von den Urteilen werden und frei von den Bewertungen und dann wird es künstlich. Denn bei den meisten Menschen ist es nicht so, dass von jetzt auf gleich plötzlich alle Urteile und Wertungen wegfallen und wenn du es nur spielst, dann ist es nicht echt. Das muss aber auch gar nicht passieren. Du kannst erkennen, dass du ein Urteil haben kannst, während du dich dabei selbst nicht wichtig nimmst. Das ist ein sehr ungewöhnlicher Zustand zugegebenermaßen, aber es geht. Es ist aber sehr wahrscheinlich auch keine willentliche Sache, dass du das machst und dann ist es so oder dass du dich dazu zwingst, kein Urteil darüber zu haben, dass du jetzt bewertest, sondern es ist etwas, was sich im Lauf der Zeit ergibt — je genauer du bei dir nachschaust, je ehrlicher du zu dir selbst bist, je mehr du deine Gefühle fühlst. Dich selbst zu beobachten, ist ein unfassbares Abenteuer. Wenn du das tust, wenn du dich selbst beobachtest, wirst du dich selbst nicht wiedererkennen beziehungsweise du wirst dein Selbst wiedererkennen. Aber vieles von dem, was du dachtest, dass zu dir gehört, was ein wichtiger Bestandteil deines Lebens ist oder deines Charakters oder deiner Haltung, wird einfach wegfallen. Und auf diesem Weg werden auch Süchte mehr und mehr überflüssig, denn wir haben mit diesen Süchten den Zustand gesucht, den wir auch ohne Hilfsmittel erreichen können. Der ist dann zwar nicht so, wie er dir von einigen vorgespielt wird und der ist auch nicht immer so — wie nennt man das? Mir fehlt der Begriff dazu. — gehypt, gepumpt, irgendwie überdreht — sondern er ist viel geerdeter, viel normaler, viel bodenständiger, tatsächlich in dir verankert. Ohne Hilfsmittel die Suche nach Freiheit beendet zu haben, ist eine der unfassbarsten Sachen, Dinge, Reisen — was auch immer —, die du unternehmen kannst. Kein Zusatzmittel, nur du, sonst nichts. Nichts, was es dir ermöglicht, nichts, was es dir erleichtert. Das ist ganz schön schwer. Das ist eine mega Herausforderung. Aber wenn du das tust, brauchst du hinterher keine Bestätigung, keine Hilfsmittel, niemand, der dir irgendetwas sagt, ob das richtig ist, was du tust oder ob du noch was anderes versuchen musst. Du bist in dir angekommen. Deine Suche ist beendet, denn es gibt nichts anderes, als diesen Moment, den du jetzt gerade erlebst. Die Suche war schon immer eingebildet, denn dieser Moment war schon immer hier und es lagen einfach nur deine Urteile darüber. Du hast gedacht, du musst alles bewerten und beurteilen. Du konntest es nicht einfach geschehen lassen. Du hast gedacht, es geht nicht — und es geht sehr gut.