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    20.10.2021AQ 1426
    »Gedanken an die Vergangenheit bewältigen sie nicht.«
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    Gedanken an die Vergangenheit bewältigen sie nicht. Gedanken an die Vergangenheit bewirken sogar das Gegenteil und das hat damit zu tun, dass du dich mit und in Gedanken von deiner erlebten Realität entfernst. Gedanken an die Vergangenheit sind flexibel, das heißt, du kannst dir alles Mögliche ausdenken und du kannst dich auch an alles Mögliche erinnern oder auch nicht. Deine Erinnerung ist nicht sicher. Das heißt nicht, dass du dich nicht erinnern darfst, es bedeutet nur, dass es dir nicht hilft bei der Vergangenheitsbewältigung. Es hilft dir nicht, darüber nachzudenken, es hilft dir nicht, darüber zu sprechen beziehungsweise es hilft dir nicht, alleine darüber zu sprechen, also nur das Sprechen darüber bringt nichts. Der Grund dafür ist ganz einfach: Wenn du in Gedanken bist, konzentrierst du dich auf deine Gedanken. Also du konzentrierst dich nicht darauf, wie es jetzt gerade für dich ist, sondern du konzentrierst dich darauf, was du gerade denkst und ein Gedanke ergibt den anderen und du konzentrierst dich darauf, noch mehr zu denken. Und du kannst ewig über deine Vergangenheit nachdenken, du kannst auch ein- und den gleichen Gedanken immer und immer wieder haben. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du sauer bist auf jemand, dann denkst du dich immer wieder in die Situation von damals und du denkst wieder und wieder und wieder einfach nur, wie blöd der war und wie blöd der ist, dass er das damals getan hat. Das ändert nichts an deiner Vergangenheit, denn es ist schon passiert. Er war damals blöd, okay, er hat sich aufgeführt, er hat irgendwas gemacht, was dir nicht gepasst hat und was dir immer noch nicht passt. Aber dieses Darüber Nachdenken ändert rein gar nichts daran — und zwar weder an der Vergangenheit, noch an dem aktuellen Moment beziehungsweise noch viel krasser: Es ändert nichts an der Vergangenheit, aber es verändert deinen jetzigen Moment. Das bedeutet, durch das Darüber Nachdenken, was in der Vergangenheit passiert ist, versaust du dir deinen jetzigen Moment. Du löst dadurch aber nichts. Du bewältigst dadurch nicht deine Vergangenheit, dass du darüber nachdenkst oder darüber redest. Du kannst es in vielen Bereichen beobachten, in denen Menschen sauer sind auf irgendetwas, was in ihrem Leben passiert ist oder was zum Beispiel auch an der Gesellschaft angeblich falsch läuft und die regen sich ihr gesamtes Leben darüber auf. Davon gibt es keine Sättigung. Selbst wenn es durch diese Aufregung besser laufen sollte, was sehr wahrscheinlich nicht der Fall ist, aber selbst wenn sie sich aufregen und dadurch kommen Menschen auf sie zu und sagen: »Ah ja, stimmt, du hast recht, wie schlimm!«, wird es für sie nicht besser, sondern im Gegenteil: Dann gibt es ja noch mehr zu kämpfen, denn dann hat man ja Unterstützung. Dann bekommt man ja recht und wird noch gepusht dadurch und hat jetzt sogar noch eine Art öffentlichen Auftrag durch die Unterstützung der anderen. Und das ist ein Kreislauf, aus dem kommt man nicht raus, indem man weiterhin denkt, dass es da draußen irgendetwas gäbe, was man verändern könnte / müsste / sollte. Und genauso ist es mit deiner Vergangenheit. Die kannst du sogar eindeutig, hundertprozentig nicht verändern — außer du denkst anders über sie. Das ist aber eine sehr schwierige Sache, weil du dich selbst nicht verarschen kannst, ohne dass du es mitbekommst. Das heißt, wenn du jetzt einfach einen anderen Gedanken denkst als den, den du bisher gedacht hast über deine Vergangenheit und so tust, als wäre es okay, dann kriegt der andere Teil in dir das mit und der fühlt sich verarscht. Die einzige Möglichkeit der Vergangenheitsbewältigung ist, wenn du diese Reise in die Vergangenheit wieder und wieder und wieder anhältst. Das bedeutet, du brauchst also keine Gedanken verdrängen, das macht nichts, dass du an die Vergangenheit denkst, das ist kein Problem, aber du musst realisieren: »Was ist jetzt gerade real? Was ist ausgedacht?« — und diesen Unterschied kannst du nur im Körper fühlen. Das bedeutet, du denkst an die Vergangenheit, deshalb fühlst du etwas und dann kommst du in den Moment zurück, gehst in deinen Körper und fragst dich: »Wo im Körper fühle ich das jetzt gerade?« Das ist der Realitätscheck, das ist die Möglichkeit nachzuschauen: »Was ist jetzt gerade tatsächlich da?« Die Gedanken sind nicht wirklich hier. Die begründen ihre Realität nicht in den Gedanken, also ein Gedanke an sich fühlt sich nie real an. Ein Gedanke fühlt sich eben nur real an, wenn du ein Gefühl hast. Ohne ein Gefühl ist jeder Gedanke vollkommen neutral und belanglos, total unbedeutend. Wenn es sich nicht gut anfühlt, willst du es gar nicht tun. Wenn es sich nicht schlecht anfühlt, willst du es nicht ablehnen, aber du weißt gar nicht, was du willst. Das bedeutet, die Essenz oder das Fundament eines jeden Gedanken ist nicht im Gedanken begründet, sondern in deiner Körperempfindung. Ohne diese Körperempfindung juckt dich kein Gedanke. Das bedeutet, Vergangenheitsbewältigung findet im Gefühl statt, in deiner Körperempfindung. Das ist die einzige Möglichkeit, dass du deine Vergangenheit bewältigst, indem du deine Körperempfindung wahrnimmst — ohne Erwartungen an die Körperempfindung. Das heißt, es ist egal, wie lang sie da ist, ob sie gleich wieder geht, ob sie dann wieder kommt, ob sie länger bleibt — und meistens wird es erstmal ein Ping-Pong-Spiel sein zwischen Gedanken und Körperempfindungen und auch das ist vollkommen in Ordnung. Du kannst also deine Vergangenheit bewältigen, indem du immer wieder in diesen Moment und in deine tatsächlich erlebte Realität zurückkommst.