Unsere Angst verhindert Erkennen. Genauer gesagt verhindert unsere Angst Klarheit. Angst macht uns eng, schränkt uns ein und wir können nicht mehr logisch denken. Wir fallen in unsere Programme zurück, sind aber der Meinung, das wäre unser logisches Denken — ist es aber nicht. Immer wenn irgendetwas auf dieser Welt gesteuert wird, wird es mit Angst gesteuert. Wir kennen die andere Variante gar nicht und vielleicht stimmt es nicht, dass es immer ist, aber fast immer. Es gibt noch eine andere Möglichkeit, die ist aber nicht wesentlich besser — und zwar durch Belohnung. Das ist aber auch eine Art von Angst, denn dann hast du Angst, dass du nicht belohnt wirst. Deshalb willst du es gut und richtig machen. Und das Ganze ist die unfassbarste Gratwanderung, die du jemals machen kannst und es ist eigentlich eine Unmöglichkeit, es überhaupt richtig zu machen und richtig zu leben und nicht mehr mit Angst zu arbeiten. Ohne Angst zu sein und ohne Angst zu arbeiten, ist für uns so ungewöhnlich, so ungewohnt, dass wir damit nicht wirklich klar kommen. Und zwar einmal dann nicht, wenn andere uns gegenüber nicht mehr mit Angst arbeiten, wenn der Druck wegfällt, wenn der Stress wegfällt, wenn dir keiner mehr Angst macht, dass du nicht versagen sollst, denn dann passiert Folgendes: Dann hältst du es in dir trotzdem aufrecht — einfach nur deshalb, weil du es so sehr gewöhnt bist. Du kennst es nicht anders und wenn es von außen wegfällt, hält es dein Innen aufrecht. Das muss so sein im ersten Schritt, weil du sonst kollabieren würdest. Wir kommen nicht damit klar mit dem, was wir uns auch wünschen. Wir denken, wir wünschen uns Stressfreiheit und keinen Druck mehr und keine Angst mehr und wenn wir es dann bekommen, merken wir, wie unser Inneres ganz automatisch übernimmt — zumindest merken wir das im Idealfall —, dass wir von innen her den Druck wieder kreieren und den Stress wieder kreieren, einfach nur, damit sich nichts plötzlich verändert. Unser System, unsere Programmierung kommt damit überhaupt nicht klar, wenn die Angst wegfällt und wenn sie einfach überhaupt nicht mehr notwendig ist. Und das geht auf eine sehr offensichtliche Art und Weise, aber auch sehr subtil. Das heißt, es gibt Bereiche, da hast du Angst, davon weißt du gar nichts oder du denkst, du hättest keine Angst, aber du hast Angst. Und dann gibt es die andere Seite oder Variante und das ist die, wenn wir von anderen etwas wollen. Und das ist so spannend, das zu beobachten, denn die meisten Menschen kennen nur zwei Varianten — und die eine ist eben für Angst zu sorgen, also zum Beispiel zu sagen: »Wenn du nicht das machst, dann passiert Folgendes.«, also eine »Wenn-dann«-Drohung und eine Drohung ist immer mit Angst zu arbeiten. Das heißt, wir versuchen, bei anderen Angst auszulösen. Das hat jeder oder fast jeder als Kind erlebt. Es gibt bestimmt ein paar, die das nicht erlebt haben, ich warte aber noch darauf, dass sie sich bei mir melden. Und wenn wir das merken oder vielleicht auch schon ganz allgemein, versuchen manche es anders und das ist aber nicht wirklich besser, denn statt zu drohen, lockt man dann mit einem tollen Angebot oder mit einem tollen Bonus, mit einem super schönen Ziel, das man dann erreicht hat. Das ist nicht viel besser, denn das ist immer noch Manipulation und in der Essenz tatsächlich immer noch auf Angst basiert, denn du hast dann die Angst, wenn du es nicht richtig machst, bekommst du kein Zuckerl, bekommst du keinen Bonus, bekommst du keine Belohnung. Beides ist Dressur. Wir sind dressiert und wir versuchen immer noch, andere zu dressieren. Es ist einfach zu behaupten: »Ha, ich versuche das nicht mehr. Ich bin vollkommen frei davon.« Dann ist es sehr wahrscheinlich, dass du nicht genau genug hinschaust. Vielleicht sind deine Drohungen subtiler, vielleicht sprichst du sie nicht aus, aber sie sind trotzdem in dir. Oder vielleicht versuchst du, geschickter zu verführen, aber du hast immer noch eine Idee, wie sich die anderen verhalten sollen. Und unsere eigene Verhaltensveränderung in diesem Bereich wird durch unsere Angst verhindert. Diese Angst ist uns aber überhaupt nicht bewusst, aber es ist im Kern die Angst, niemanden mehr manipulieren oder beeinflussen zu können und damit in der Essenz die Macht über andere Menschen zu verlieren. Und das ist etwas sehr Verrücktes, denn diese Macht über andere Menschen war eingebildet. Wir hatten sie nie, aber wir hatten den Eindruck, wir hätten sie, weil wir andere in Angst versetzt haben und das hat sich so angefühlt, als würden wir Macht ausüben, als wären wir mächtig, wenn uns bei diesem Spiel andere gehorchen. Aber sie gehorchen ja nur aufgrund von Druck, aufgrund von Angst. Das ist also keine echte Macht, die du hast, sondern das ist eine Macht, die nur mit Angst funktioniert. Und das ist zwar die verbreitetste Form von Macht und die anerkannteste und auch die, die die meisten Menschen immer noch anwenden und von der sie glauben, dass es irgendwie doch ganz okay ist, obwohl sie sich ja, wenn man es selbst erlebt, gar nicht gut anfühlt. Und trotzdem wollen wir diese Form der Macht dann an anderen ausüben, während wenn wir sie selbst erleben, es überhaupt keine schöne Begegnung und kein schönes Erleben ist. Das ist sehr absurd, aber natürlich vollkommen unreflektiert. Echte Macht ist unfassbar anders. Und ich weiß nicht, ob du das fühlen kannst, aber die Macht, die du hast, wenn du bereit bist, alles und jeden so anzunehmen, wie er ist, wenn du merkst, dass keine Angst mehr notwendig ist, dass es nicht mehr angebracht ist, anderen Angst zu machen und dass du auch gar keinen Wunsch mehr hast, anderen Angst zu machen und es auch nicht mehr tust, weil es selbst dann, wenn sie sich anders verhalten, als du es dir wünscht, trotzdem in Ordnung ist — das ist die wahre Macht und die ist sehr sanft. Diese Macht will nichts und die kann auch nicht missbraucht werden. Und diese Art und Form der Macht fördert dein Erkennen auf allen Ebenen.