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    10.10.2021AQ 1416
    »Ersetze die Angst vor dem Unbekannten durch Neugier.«
    0:007:14
    Ersetze die Angst vor dem Unbekannten durch Neugier. Die Angst vor dem Unbekannten durch Neugier ersetzen — das könnte unser neues Lebensmotto sein. Auf Unbekanntes ängstlich zu reagieren, ist nicht unbedingt natürlich. Das meiste Unbekannte ist nicht gefährlich — und trotzdem reagieren wir ängstlich. Und bei genauerer Betrachtung ist meistens noch nicht einmal ein Gefühl, sondern nur ein Gedanke beziehungsweise eine Programmierung, eine Reaktion, eine automatisierte Reaktion. Du wirst mit etwas Neuem, dir Unbekanntem konfrontiert, du begegnest dem und es gibt eine unmittelbare Reaktion, die dir gar nicht bewusst ist. In dir läuft etwas ab, damit du das, was unbekannt ist und dir neu, instinktiv ablehnst. Das ist aber kein Instinkt, der deiner Intuition entspringt, sondern eben deiner Programmierung. Du reagierst schon immer so. Bestimmte Dinge, bestimmte Themen, bestimmte Bereiche verunsichern dich und sorgen für eine automatisch programmierte Reaktion, zum Beispiel Rückzug oder Ablehnung — und noch besser beziehungsweise leichter fällt es dir, wenn du es auch noch verurteilst. Das heißt, damit du dich mit dem Neuen nicht auseinandersetzen musst, verurteilst du es. Dann entfällt die Möglichkeit oder Notwendigkeit, dich damit auseinanderzusetzen, denn es ist ja schlecht, es ist ja moralisch verwerflich. Es ist ja etwas, was man nicht macht oder womit sich keiner auskennt. Und so funktioniert das gesamte Spiel. Du lehnst es ab, bevor du ihm wirklich begegnet bist. Das macht natürlich nichts und das ist auch dein gutes Recht, du darfst das, aber es ist dir ja noch nicht einmal bewusst. Du weißt es also gar nicht, dass du es tust — und gleichzeitig beschwerst du dich über mangelnde Chancen. Dann wird es allerdings absurd. Denn jede Chance muss etwas Neues sein, etwas Unbekanntes. Das bedeutet, Chancen machen dir Angst, weil sie unbekannt sind und weil deine Neugier nicht groß und nicht stark genug ist, um etwas auszuprobieren, was du noch nie getan hast. Wenn du das nicht nur verstehst, sondern wenn du es lebst, verändert sich dein gesamtes Leben. Das zu leben bedeutet, dass du deine Urteile erstmal ignorierst und dass du deine Angst vor dem Unbekannten konfrontierst. Denn Neugier baut sich nicht einfach so auf, indem du sagst: »Ach ja, dann tauschen wir das eine halt mal gegen das andere aus und dann passt alles.«, sondern Neugier kann sich nur dadurch aufbauen, dass du deine Angst konfrontierst und dass du schaust und abwartest, was dann passiert. Es kann dann immer noch sein, dass sich im Lauf der Zeit herausstellt, dass die Sache, die du da ausprobiert hast, nichts für dich ist und das ist vollkommen in Ordnung, aber das wirst du nicht dadurch herausfinden, dass du es ein- oder zweimal machst. Da kommt der Verstand nämlich viel zu schnell zurück und sagt dir: »Ah, da hast du doch eh keine Lust drauf. Ach ja, und das ist ja auch so schwierig und du fühlst die Angst ja immer noch. Du musst es ja auch nicht unbedingt übertreiben.« Ja, musst du nicht, kannst du aber. Du kannst es auch mal übertreiben. Du kannst auch mal deine Angst konfrontieren, statt ihr immer nur aus dem Weg zu gehen — und dann kannst du schauen, ob sich mit der Zeit die Angst vor dem Unbekannten in Neugier verwandelt.