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    8.10.2021AQ 1414
    »Enttäuschung ist nur möglich, wo die Täuschung bestanden hat. Deshalb ist Enttäuschung immer, so schmerzlich sie auch sein mag, ein Schritt der Wahrheit entgegen, eine wertvolle Befreiung von Irrtum und Illusion.«
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    »Enttäuschung ist nur möglich, wo die Täuschung bestanden hat. Deshalb ist Enttäuschung immer, so schmerzlich sie auch sein mag, ein Schritt der Wahrheit entgegen, eine wertvolle Befreiung von Irrtum und Illusion.« Hans Kruppa Dieses Zitat ist von Hans Kruppa und ich habe es in dem Video »Die Pandemie in den Rohdaten« von Marcel Barz gefunden, ganz am Schluss, glaube ich. Dieses Zitat macht zwei unserer größten Probleme mehr als deutlich. Das erste Problem ist: Wir werden nicht gerne enttäuscht. Besser besagt: Wir enttäuschen uns nicht gerne. Wir enttäuschen natürlich auch andere nicht gerne, aber die eigene Enttäuschung, nämlich frei zu werden von der Täuschung, ist schmerzlich und deshalb wollen wir das nicht. Und der zweite Punkt ist, dass wir unseren Irrtum unfassbar ungern eingestehen. Das bedeutet, wenn du einmal geirrt hast, wenn du dich einmal geirrt hast, wenn du einmal umhergeirrt bist, dann fällt dir dein Weg zurück schwer, weil du nicht zugeben willst, dass du dich geirrt hast. Du müsstest zugeben, dass du an Menschen und Informationen geglaubt hast, die es nicht gut mir dir gemeint haben oder die selbst einem Irrtum aufgesessen sind. Und je mehr Menschen das passiert, desto weniger kann man daran glauben, dass es ein Irrtum sein könnte. Das heißt, je mehr Menschen sich irren, desto stärker verfestigt sich der Irrtum, denn der Prozess der Enttäuschung ist unfassbar schmerzhaft. Wir halten nämlich unsere Entscheidungen für einen Bestandteil von uns. Wir glauben nach wie vor, wir könnten es richtig oder falsch machen. Wir halten fest an unserer Geschichte. Wir wollen glauben, wir seien das, was wir entschieden haben und wir seien auch die Information, die wir haben. Wir denken, wir wären getäuscht worden oder wir hätten uns selbst getäuscht. Wir sehen das als Makel. Wir denken das Gegenteil vom heutigen Zitat. Wir denken, dass das Erkennen der Täuschung zu einem Abstieg führt. Tatsächlich wäre es unser Aufstieg. Da wir aber so viel darauf geben, wie wir bei anderen ankommen, wie wir erscheinen in dieser Welt, wollen wir die Täuschung, wollen wir die Illusion so lange wie möglich aufrechterhalten. Und zu diesem Thema gibt es einen anderen sehr genialen Text von Eugen Lemberg. Ich glaube, das war ein Soziologe und der hat in seinem Buch Ideologie und Gesellschaft Folgendes geschrieben: »Den Menschen ist die Stabilität eines auf welche Art immer zustande gekommenen Weltbildes so wichtig, dass er für sie …« — also für die Stabilität — »… allerlei Kräfte mobilisiert. Neue Informationen, die mit dem einmal gewonnenen Urteil oder Bild in Widerspruch stehen, stören dessen Eindeutigkeit und Sicherheit und werden darum instinktiv abgewehrt. Selbst wo solche Informationen, etwa aufgrund von Augenschein unwiderlegbar sind, versucht man sie als Ausnahme zu werten, nur damit das ursprüngliche Vorurteil beibehalten werden kann.« Und all das geht nur, weil wir uns mit unserem Weltbild, mit unserer Meinung identifizieren. Wir denken, wir seien das, wir seien unsere Meinung, wir seien unser Weltbild. Und wir haben die Idee, dass die Stabilität unseres Weltbildes Stabilität in unser Leben bringt. Nur so kann man sich zum Beispiel auch Wahlergebnisse erklären und ich meine damit nicht die politische Richtung, sondern ich meine damit, dass wenige neue Parteien in den Bundestag kommen. Ich meine damit, dass es wenig Wechsel gibt. Wir mögen Veränderung nicht. Dabei geht es bei der Veränderung des Weltbildes überhaupt nicht darum, dass du dein Weltbild veränderst, sondern durch die Veränderung kannst du erkennen, dass du das nicht sein kannst, sonst könnte es sich nicht verändern. Es gibt in deinem Leben aber eine Stabilität, die ist aber nicht in deiner Meinung und die liegt auch nicht in deinem Weltbild begründet. Das ist eine Stabilität, nach der du dich sehnst und die du mit künstlicher Stabilität von äußeren Weltbildern verdrängst. Nur der Einsturz der äußeren scheinbaren Stabilität führt dich in deine innere Stabilität.