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    2.10.2021AQ 1408
    »Klarheit macht Angst.«
    0:007:01
    Klarheit macht Angst. Vieles wissen wir intuitiv, aber wir wollen es nicht wahrhaben und der Grund dafür liegt darin, dass du Angst hast, wenn es dir klar wird. Wenn dir klar wird, wie es es für dich tatsächlich ist, kannst du die bisherige Rolle nicht mehr spielen. Du hast dir aber dein gesamtes Leben so aufgebaut. Du hast dein ganzes Leben versucht dazuzugehören und wenn dir klar wird, dass du dich dafür verbogen hast, dass du so getan hast »als ob«, dass du dich mehr oder weniger selbst vergewaltigt hast, je mehr dir das klar wird, desto weniger kannst du mitmachen und das macht Angst. Das ist überhaupt nicht einfach, denn dein Umfeld hat sich ja an dich angepasst. Das heißt, es sind die Menschen in deiner Nähe, die zu dem passen, was du getan hast. Das sind nicht Menschen, die zu DIR passen, denn DICH haben sie bisher ja gar nicht kennengelernt. Sie haben ja bisher jemand kennengelernt, der versucht hat; dazu zu passen. Das bedeutet, sie wissen gar nicht, wer du tatsächlich bist, wie du tatsächlich bist, denn du hast sie getäuscht und jetzt sind sie da in deiner Nähe und sie passen gar nicht zu dir, wie du wirklich bist. Und deshalb macht Klarheit Angst. Klarheit ist einerseits extrem einfach, sie birgt aber andererseits auch sehr großes Umwälz-Potenzial. Wenn du dir klar wirst, was du getan hast und wie es tatsächlich ist, dann kannst du nicht mehr einfach so weitermachen wie bisher und das gilt für kleine Bereiche genauso wie für große und dein gesamtes Leben. Auch wenn du nur in bestimmten Bereichen absolute Klarheit bekommst, kann es sehr gut sein, dass die erst einmal richtig Angst macht, weil diese Klarheit Konsequenzen von dir fordert, für die du denkst, noch nicht bereit zu sein. Und die wesentliche oder die wesentlichste Konsequenz ist, dass anschließend sehr wahrscheinlich erst einmal ein Vakuum entsteht, denn du musst Altes — wie sagt man so schön — loslassen, gehen lassen, aber vielleicht auch rauswerfen. Und dieses scheinbare Vakuum, das dadurch entsteht, fühlen wir nicht so gern, das finden wir nicht prickelnd und deshalb macht die Klarheit Angst, denn wir wissen, was sie bedeutet. Sie bedeutet, dass wir uns nicht mehr selbst belügen können und dass wir unter Umständen auch Konsequenzen ziehen müssen oder zumindest für Veränderungen sorgen müssen, für die wir uns noch nicht bereit fühlen. Und das ist der einzige Grund, warum Menschen sagen: »Ich bin nicht klar.« Eigentlich sind sie es. Aber sie wollen es noch nicht sein. Sie wissen es, aber sie wollen es nicht wahrhaben. Und sobald die offensichtliche Klarheit kommt, tut ihr Kopf alles, um sie zu verwirren, damit die Klarheit keine Angst machen kann. Und das ist alles vollkommen in Ordnung. Es geht nur darum, diesen Mechanismus zu erkennen und ehrlich zu sein. Dann brauchst du die Veränderung gar nicht mehr machen, die kommt von ganz allein.