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    25.9.2021AQ 1401
    »Dein Verstand kann nur in der Nicht-Freiheit existieren.«
    0:007:41
    Dein Verstand kann nur in der Nicht-Freiheit existieren. Freiheit verwirrt den Verstand, weil er das Gegenteil davon ist. Menschen, die jubilierend in die Freiheit laufen, verdrängen etwas und schöpfen das Potential von Freiheit noch nicht einmal ansatzweise aus. Sie nutzen scheinbare Freiheit, um weiterhin ihre Schmerzen zu verdrängen. Wenn die Nicht-Freiheit wegfällt, wenn der Verstand keine Macht mehr hat, dann sind das nicht nur Regenbogen-Pupse, dann ist es nicht nur rosa Wölkchen, sondern dann kommt alles hoch, was du bis dahin verdrängt hast und das ist nicht angenehm. Freiheit verwirrt den Verstand. In der Freiheit gibt es ihn gar nicht. Und Freiheit ist nicht das, was daraus gemacht wird, wenn behauptet wird, weil du jetzt finanziell gut gestellt bist oder weil du dir den Flieger nach Hawaii genommen hast oder weil du jetzt plötzlich etwas anderes arbeitest oder weil du deinen Traumpartner gefunden hast. All das ist es nicht, das ist keine Freiheit. Freiheit ist so unsexy, dass sie von den meisten Menschen gerade überhaupt gar nicht angestrebt wird. Freiheit bedeutet nämlich, dass du auch immer bereit bist für das Gegenteil von dem, was jetzt gerade hier ist oder für das Gegenteil von dem, was du dir wünschst. Also wenn es dein Wunsch ist, reich zu sein, musst du auch bereit sein, arm zu sein. Wenn du dir einen Traumpartner wünschst, musst du auch bereit sein, alleine zu sein. Wenn du dir deinen Traumberuf wünschst, musst auch bereit sein, nicht zu arbeiten oder einen scheiß Job zu haben. Nur so wird dir erst einmal im Ansatz klar, was es bedeutet, frei zu sein. Nur so, mit Hilfe dieser Gedanken, kann es dir überhaupt das erste Mal klar werden. Die meisten Menschen versuchen mit ihrer Definition von Freiheit nur ihre bisher gefühlte Unfreiheit zu überspielen, zu übertönen, so zu tun »als ob«, als ob sie jetzt frei wären und als ob das ständig jubelndes, frohlockendes, herrliches Leben in Fülle wäre. Das ist eine weitere Illusion. Was hochkommt, wenn du frei bist, kannst du nicht wissen. Du weißt nicht, was in dir schlummert, du weißt nicht, was in dir abgespeichert wurde. Auf dem Weg in die echte Freiheit wirst du mit der Scheiße deines Lebens konfrontiert. Und es geht nicht darum, das zu vermeiden oder das wieder zu verdrängen, sondern genau ums Gegenteil: Es geht darum, das zum ersten Mal in deinem Leben wirklich willkommen zu heißen. Nicht künstlich und in einer dafür vorgesehenen ruhigen Minute, sondern direkt mitten in deinem echten Leben. Ohne Pause, ohne Rückzugsmöglichkeit, dann wenn es auftaucht. Und in diesen Momenten musst du bereit sein, deinen Verstand zu entlarven, denn in diesen Momenten versucht dich dein Verstand in die Nicht-Freiheit zurückzuziehen. Und die Nicht-Freiheit sind zum Beispiel Erklärungsversuche, warum das, was gerade hier ist, jetzt hier ist oder wer schuld daran sein könnte oder sogar ganz sicher schuld daran ist, woher diese Gefühle kommen, warum sie da sind, was du damit machen könntest, wie du sie wieder los wirst. All diese Gedanken musst du ignorieren, wenn du frei sein willst.