Du wirst durch Narrative gesteuert. Ganz egal, ob du sie glaubst oder nicht. Beziehungsweise besser gesagt: Auch im Widerstand zur erzählten Geschichte bist du manipulierbar beziehungsweise bereits manipuliert. Du müsstest die Geschichte entweder komplett verpassen oder wieder vergessen können, damit sie dich nicht steuern kann beziehungsweise damit du selbst dich nicht durch sie steuerst. Deine Kenntnis dieser Geschichte darf sich nicht auf deine Taten auswirken. Je penetranter die Geschichten sind, je öfter sie wiederholt werden, desto schwieriger wird das natürlich, desto weniger leicht fällt es dir, die Geschichten zu ignorieren oder wieder zu vergessen. Das ist aber ein wunderbares Training. Es ist ein geniales Trainingsprogramm, wenn Geschichten außerhalb oder innerhalb von dir sehr penetrant sind. Dann nämlich kannst du etwas beobachten und zwar, dass du die Geschichten nicht nur glauben musst, sondern du musst sie auch in deinem Geist wiederholen und zwar selbst dann, wenn du gegen sie kämpfst, wenn du sagst, sie sind nicht richtig oder sie dürfen mich nicht steuern, sie haben nicht recht. Auch dann bist du ein Teil der Geschichte beziehungsweise die Geschichte ist ein Teil in dir. Wenn du das für dich erkannt hast, kommt jetzt eine Aufgabe, eine Übung, die so schwer vorstellbar ist, dass es die meisten gar nicht erst versuchen. Du kannst üben, die Geschichte zu vergessen. Du kannst sie ignorieren. Wohlerzogene spirituelle Menschen nennen das Verdrängung, aber das ist natürlich Blödsinn. Die Geschichten sind die Verdrängung. Die Geschichten verdrängen mit ihrer Bedeutung, die ohne die Geschichte gar nicht in dir ist, das, was jetzt tatsächlich in dir ist. Natürlich lösen Geschichten auch etwas in dir aus und deshalb ist der erste Schritt der Rückbesinnung, der erste Schritt des Vergessens die Frage: »Was ist jetzt wirklich hier?« Auch dann, wenn das, was jetzt gerade wirklich hier ist, von einer Geschichte ausgelöst wurde. Das, was jetzt gerade wirklich hier ist, ist keine Geschichte, sondern ein Gedanke und Gedanken führen vor allem bei Geschichten und bei penetranten Geschichten und bei schlimmen Geschichten zu Körperempfindungen und diese Körperempfindung kannst du finden und deine Aufmerksamkeit auf sie fokussieren. Je öfter du das tust, je intensiver du das tust, desto mehr wirst du feststellen, dass es im Bereich deiner Möglichkeiten liegt, Geschichten zu vergessen und zwar nicht durch Unterdrückung, sondern durch komplette Auflösung, weil du entdeckst, dass sie in Wahrheit gar nicht hier sind. Wenn du diese Übung noch nicht gemacht hast oder noch nicht oft gemacht hast, ist das natürlich schwer vorstellbar. Du sollst es dir aber nicht vorstellen. Du musst es tun, damit du in den Genuss dieser Erfahrung kommen kannst.