Verhaltensvorschriften in Firmen denkt sich ein Unternehmer aufgrund seiner Programmierung aus. ... um mit Zwang für scheinbare Ruhe und Frieden unter so vielen verschiedenen Menschen zu sorgen, die er realistisch gesehen niemals unter einen Hut bekommt. Und die einzige Lösung, die einzige Möglichkeit, die die meisten bisher gefunden haben, ist Regeln aufzustellen. In erster Linie deshalb, weil der Chef, weil der Vorstand, der Unternehmer nicht bereit ist, seine Gefühle zu fühlen, falls es nicht läuft, falls sich Stresssituationen ergeben, falls die Mitarbeiter nicht die gewünschten Ergebnisse bringen, falls sein Unternehmen schlecht dasteht — entweder finanziell oder vielleicht sogar in der öffentlichen Meinung, was auch immer das sein soll. Wir haben alle unterschiedliche Vorstellungen, Programmierungen und Launen und die passen nicht wirklich zusammen, wenn man die Idee hat, dass es immer rund laufen soll und deshalb gibt es in den Unternehmen Verhaltensvorschriften. Und die Menschen, die sich die ausdenken, orientieren sich dabei an dem, was sie nicht fühlen wollen und an ihren verschiedenen Programmen. Den Verantwortlichen kommt es wie ein viel zu großes Risiko vor, alles erst einmal laufen zu lassen. Sie wollen alles tun und sie tun alles, um nicht angreifbar zu sein und orientieren sich damit an der aktuellen politischen Korrektheit. Das, was gerade als korrekt gilt, wird gemacht und umgesetzt. Die wenigsten haben den Mut zum Risiko, Menschen einfach mal so sein zu lassen, wie sie sind, Konflikte entstehen zu lassen und zu beobachten, was passiert, denn keiner will sich später einmal den Vorwurf machen lassen, er hätte zu spät eingegriffen. Hätte man früher eingegriffen, wäre es ja noch zu retten gewesen. Das bedeutet, dass wir auch in den Firmen einfach das alte Kontrollspiel aus den Familien wiederholen und damit natürlich die Chance für Entwicklung von vornherein verbauen. Und ich meine damit nicht, dass es überhaupt gar keine Regeln geben darf und dass sich jeder aufführen können muss, wie er will je nach Tageslaune. Jeder hat seine persönlichen Grenzen, aber die ergeben sich auch nicht aus den Vorschriften und deshalb bringen die Vorschriften nicht einmal den Betroffenen etwas, denn die trauen sich jetzt nur etwas zu sagen, wenn eine Vorschrift verletzt wurde und nicht dann, wenn sie keine Lust mehr haben oder wenn es ihnen zu viel ist. Und so sind wir ständig dabei, uns gegenseitig Gesetzestexte und Regeln unter die Nase zu reiben, statt dann etwas zu sagen oder auch einfach wegzugehen, wenn es für uns vollkommen angebracht ist. Indem wir uns an den Vorschriften und Regeln orientieren, orientieren wir uns mal wieder an äußeren Umständen, statt an dem wie es für uns wirklich ist.