Dein erster Impuls ist der richtige. Selbst dann, wenn es der falsche war. Dieses Zitat hat einen ganz einfachen Grund. Es klingt paradox, ist es aber nicht. Denn wie sollst du jemals herausfinden, was dein erster Impuls ist und ob er richtig ist, wenn du es nicht ausprobierst, wenn du ihn nicht testest. Deshalb darfst du einfach erst einmal davon ausgehen, dass dein erster Impuls der richtige ist. Selbst dann, wenn sich hinterher herausstellt, dass es der falsche war. Und dann kommt noch was dazu — wir wissen gar nicht, was richtig und falsch ist. Wir haben nur Einschätzungen und Vorlieben und bestimmte Dinge lehnen wir ab. Erst im Nachhinein betrachtet und oft mit großer zeitlicher Distanz sind wir in der Lage zu sehen, dass die sogenannte falsche Entscheidung gar nicht falsch war. Sie hat vielleicht zwar dazu geführt, dass du etwas gemacht hast, wofür du geschimpft worden bist oder wo sich andere über dich aufregen oder was erstmal nicht zu deinem Vorteil war, aber das Geschenk von diesem Impuls kannst du dann hinterher sehen. Es war zwar erstmal nicht zu deinem Vorteil, aber dann doch. Dann konntest du es sehen. Dann konntest du sehen, dass es wichtig war, dass du zum Beispiel diese Ablehnung bekommen hast oder dass du gemerkt hast, mit wem du es wirklich zu tun hast. Vielleicht dachtest du bist dahin: »Das sind alles Freunde.« und plötzlich merkst du: »Ha, so freundlich sind die gar nicht.« Und dazu war es notwendig, dass du auch mal etwas machst, was nicht gut ankommt. Aber dieses Beispiel ist eigentlich schon viel zu spezifisch. Du hast ganz sicher selbst Beispiele in deinem Leben, wo du gedacht hast: »Ach, was habe ich da für einen Quatsch gemacht.« oder »Da habe ich mal richtig daneben gelangt.« und hinterher hat sich herausgestellt, es war doch gut. Vielleicht auch erst nach Jahren, aber dann konntest du sehen, dass es wirklich gut war, diesem ersten Impuls zu folgen. Wir unterdrücken den ersten Impuls in der Regel unfassbar schnell und fangen ganz schnell an, über diesen ersten Impuls nachzudenken. Und wir streiten regelrecht in uns, wir argumentieren mit uns selbst, mit diesem Impuls, als wären verschiedene Menschen in uns, die miteinander streiten würden. Da kommt eine vernünftige Stimme, dann kommt eine Stimme, die sagt: «Nein, mache es doch! Passt doch! Letztes Mal hast du es auch schon nicht gemacht. Ah und dein Lehrer sagt, du sollst immer dem ersten Impuls folgen.« Und das ist alles nicht mehr der erste Impuls. Der erste Impuls ist der, der vor jedem Gedanken da ist. Und weil wir so schnell auf diesen ersten Impuls reagieren, ihn unterdrücken und über ihn nachdenken, haben wir vollkommen verlernt, unseren ersten Impulsen zu folgen. Das können und müssen wir jetzt also erst einmal wieder üben. Selbst dann beziehungsweise auf die Gefahr hin, dass sich später herausstellt, dass uns die Umsetzung dieses ersten Impulses nichts gebracht hat. Aber dann haben wir wenigstens geübt, Impulsen zu folgen und sie umzusetzen und das ist das viel Wesentlichere. Wir denken ja immer, es ginge um die Ergebnisse, weil wir unser Leben immer noch als irgendeine Art von Zielerreichungs-Herausforderung ansehen oder sowas. Also als ginge es um den nächsten Tag, die nächste Woche, den nächsten Monat, das nächste Jahr, dann wird es besser und dann haben wir genügend gearbeitet, um endlich erfolgreich zu sein. Und das ist der totale Wahnsinn. Um all das geht es überhaupt gar nicht. Es geht um dein Gefühl in dir in jedem Moment. Es geht darum, ob du diese Matrix, diese Programmierung, dass du nicht dem ersten Impuls folgen darfst, ob du die durchbrechen kannst, ob du die hinter dir lassen kannst. Anschließend wird nichts besser und muss auch nichts besser werden. Das ist überhaupt nicht der Punkt. Du machst es nur, damit du diesen Moment tiefer erfahren kannst, damit du überhaupt in diesem Moment bleiben kannst. Denn unsere normale Reaktion auf erste Impulse ist, dass wir aus diesem Moment sofort rausgehen, indem wir logisch, rational darüber nachdenken. Und das Lustige dabei ist, dass wir ja nur denken, wir denken rational und logisch und diese Logik kommt aber nicht daher, dass wir so super rational und logisch sind, sondern die Logik wie wir denken, ist programmiert. Das ist keine echte Logik. Die Logik des Lebens ist Intuition. Und die müssen wir wieder entdecken und die müssen wir fördern. Wenn wir das nicht tun, versumpfen wir in der Logik ist gleich Programmierung unseres Verstandes. Und dort fühlt sich keiner wohl. Dort hat sich bisher keiner wohl gefühlt, fühlt sich keiner wohl und wird sich auch niemand jemals wohlfühlen. Es ist kein guter Platz für uns. Es sind keine guten Angewohnheiten, diese Gedanken, die wir in unserem Verstand produzieren. Es gibt ein einfacheres Leben als ein Leben im Verstand. Und das ist ein Leben in der Intuition und mit Intuition.