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    7.9.2021AQ 1383
    »Denke nicht für andere.«
    0:007:10
    Denke nicht für andere. Fühle nur für dich. Wir sind die meiste Zeit damit beschäftigt, für andere zu denken, statt für uns zu fühlen. Und wir denken sowohl für andere mit, weil wir ihnen nicht zutrauen, dass sie selbst für sich denken können und wir tun auch so, als könnten wir wahrnehmen, was andere denken beziehungsweise als wüssten wir es. Jetzt haben wir aber ja schon mit unseren eigenen Gedanken genug zu tun und eigentlich ein Riesenproblem und das größte Problem besteht eben darin, dass wir ständig interpretieren, dass wir ständig über uns und über andere nachdenken. Komischerweise obwohl wir die Erfahrung haben, wie unangenehm das ist, wenn jemand versucht für uns zu denken und uns das Denken abzunehmen und auch ohne dass wir jemals überprüft haben, ob es stimmt, was wir über die anderen denken, denn in den meisten Fällen wäre das ja ziemlich peinlich, auch nur nachzufragen, denn dann müssten wir ja sagen, was wir denken und das ist gar nicht so schmeichelhaft. Also wir müssten sagen, was wir denken, dass die anderen denken. Und das könnte sein, dass die dann erstmal komisch schauen. Denke also nicht für andere! Denke weder für andere mit, noch denke, dass du weißt, was andere denken und fühle nur für dich! Du brauchst dazu niemand erklären, was du fühlst. Denn sobald du darüber sprichst und sobald du deine Gefühle in Worte packst, sind sie nicht mehr das, was du fühlen kannst. Das was du fühlen kannst, kennt keine Worte. Das was du fühlen kannst, ist durch Worte nicht definierbar. Sobald du also darüber sprichst, hast du es schon verfremdet — ob du willst oder nicht. Fühle nur für dich! Nicht nur weil es niemand was angeht, sondern weil es auch keiner nachvollziehen kann und weil Menschen, wenn sie über Gefühle sprechen dazu neigen, in den Kopf zu gehen und sich die Gefühle zu erklären — und dann reden wir wieder über Gefühle, statt sie zu fühlen. Ich konnte das jetzt beim Goldesel gut beobachten, da war die ganz einfache Aufgabe: »Zahle nur noch mit Scheinen!« Und das haben die Teilnehmer gemacht und dann davon berichtet. Und ganz oft haben sie davon berichtet, wie sie darüber nachdenken, was das jetzt im anderen auslöst, wenn er sozusagen Trinkgeld bekommt. Die Aufgabe war aber ganz klar: »Mache das nur für dich! Mache das nicht für die anderen!« Es geht nicht darum, wie es den anderen geht, sondern es geht darum, wie es dir dabei geht, was du über dich denkst und was du fühlst. Und sogar so einfache Aufgaben schaffen wir nicht. Wir schaffen es nicht, nicht über die anderen nachzudenken. Wir wollen unbedingt über die anderen nachdenken. Wir wollen wissen, wie geht es denen jetzt. Und das wollen wir wissen, bevor wir wissen, wie es uns geht, weil wir statt erst zu fühlen, erstmal über die anderen nachgedacht haben — und so geht es uns die ganze Zeit. Das ist unser Zustand, in dem wir hier unterwegs sind. Wir kennen uns noch nicht, wollen aber schon was über die anderen lernen. Meine Empfehlung ist: »Drehe das um! Lerne erst soviel wie möglich über dich selbst, bevor du über andere etwas erfahren willst und bevor du dir über andere Gedanken machst!« Wenn du wirklich etwas über dich gelernt hast, wirst du merken, dass es überhaupt nicht mehr notwendig ist, von anderen irgendetwas zu erfahren, weil du bereits alles erfahren hast, als du dich selbst beobachtet hast.