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    4.9.2021AQ 1381
    »Eine Absage ist eine geniale Abkürzung einer Beziehung, die sowieso nicht funktioniert hätte.«
    0:0012:03
    Eine Absage ist eine geniale Abkürzung einer Beziehung, die sowieso nicht funktioniert hätte. Ich war der Weltmeister im Absagen Abholen. Ich habe mir eine Absage nach der anderen abgeholt. Und das war kein Problem. Ich habe eins draus gemacht und zwar einfach nur durch den Gedanken, ich würde etwas falsch machen. Jede Absage für mich war eine Art Ablehnung beziehungsweise eher eine Art Aussage »Falsch gemacht. Wieder falsch gemacht.« Und nicht im Sinn von persönlich, dass ich jetzt dachte, der mag mich nicht oder dass ich mich persönlich wirklich abgelehnt gefühlt habe, sondern ich hatte immer die Idee, ich würde etwas falsch machen. Statt zu erkennen, ich habe alles richtig gemacht und es ist gut, dass ich diese Absage bekommen habe und jetzt kommt der entscheidende Punkt: Ich meine das nicht im Sinn von Positivem Denken. Das ist das, was die meisten Menschen daraus machen. Die reden sich ihre Absagen schön. Das ist nicht, was ich mit diesem Zitat meine, sondern hätte ich damals schon erkennen können, wozu das führt, hätte ich mit den Absagen tatsächlich kein Problem gehabt. Selbstverständlicherweise konnte ich aber nicht erkennen, wohin das führt und es ist auch gar nicht notwendig. Jetzt kann ich es leben. Jetzt weiß ich, dass eine Absage nicht bedeutet »Ich habe etwas falsch gemacht.«, sondern sie bedeutet »Ich habe alles richtig gemacht .« und das ist nicht die Richtung, in die ich gehen sollte. Die Richtung, aus der die Absage kommt, ist nicht meine Richtung — ganz egal, was das ist. Ich brauche nicht kämpfen — weder um Aufmerksamkeit, noch um Aufträge. Wenn ich eine Absage bekomme, brauche ich nicht versuchen, etwas Ähnliches zu bekommen oder weiterhin versuchen bei dem Gleichen, der dann anschließend nur genervt ist, sondern ich darf es mir absolut einfach machen. Jemand sagt: »Nein.« »Danke, das war’s.« Mehr versuche ich nicht. Ich mache mein Angebot einmal. Ich überrede niemanden. Ich versuche, niemanden von mir zu überzeugen. Ich habe den Fehler gemacht, dass ich gedacht habe, eine Absage bedeutet, dass ich härter und besser arbeiten muss. Ich hätte mir die Beziehung zu demjenigen, der mir gerade eine Absage erteilt hat, am liebsten erkämpft und das ist absolut verrückt und auf Dauer auch mega ernüchternd und eine Art Selbstgeißelung. Und es geht noch nicht einmal darum, dass du bei einer Absage etwas lernst. Auch das ist vollkommen egal. Eine Absage zeigt dir die Richtung, indem sie dir zeigt, welche Richtung nicht die richtige ist. Die richtige Richtung, also das, was du tun sollst, wird unterstützt. Nur natürlich nicht von denen, von denen du es erwartest oder mit denen du rechnest, weil du deinen Fokus auf ganz bestimmte Bereiche gerichtet hast und dir gar nicht klar ist, wie sehr du dich beschneidest und beschränkst. Wie wenig das, was du jetzt gerade tust oder versuchst zu tun oder zu erreichen, dir entspricht und wie wenig das tatsächlich das ist, was du tun sollst. Und das hat bei mir zwanzig Jahre gedauert. Ich habe mir zwanzig Jahre Absagen abgeholt. Und im Nachhinein bin ich richtig froh darüber. Ich hab nämlich zwanzig Jahre geübt, bei Absagen zu entspannen. Und es gab dann irgendwann einen Shift und das muss der Zeitpunkt gewesen sein, an dem dieses Zitat entstanden ist. Wo ich gemerkt habe, dass es absolut überflüssig ist, auch nur noch einen einzigen Gedanken an eine Absage zu verschwenden, vor allem aber überhaupt nicht notwendig, seine Aufmerksamkeit noch darauf zu richten und gefühlsmäßig damit verbunden zu sein. Es war die größte Verschwendung, zu versuchen mich anzubiedern. Es war das Sinnloseste und deshalb das Sinnvollste zu versuchen, einen Kontakt zu bekommen, einen Kontakt aufrechtzuerhalten, eine Beziehung zu beginnen oder fortzuführen, die gar nicht erst begonnen hat oder die nicht funktioniert. Es war absolut sinnlos und deshalb absolut sinnvoll. Es hat mich so viel gelehrt. Ich weiß jetzt aus meinem innersten Kern, dass es nicht notwendig ist, mich auch nur ansatzweise darüber zu ärgern. Ich brauche mich auch nicht künstlich freuen. Das ist nicht notwendig, sondern der entscheidende Punkt ist, dass ich im Moment der Absage innerlich sofort loslassen kann und nichts mehr will, was nicht geschieht, was nicht von sich aus geschieht. Das ist ein bisschen so, ich kann mich erinnern, ich habe früher am Meer Sandburgen gebaut und das waren Murmelbahnen, also wir haben Murmeln von der Sandburg runterrollen lassen. Und eine Kontaktaufnahme ist, wie wenn du oben eine Murmel hinlegst und du stößt sie an und dann rollt sie von alleine. Wenn du eine Murmel anstößt und sie rollt nicht weiter und du musst sie wieder anstoßen und sie rollt wieder nicht weiter und du musst sie wieder anstoßen und sie rollt wieder nicht weiter, dann ist es genau, wie ich das früher versucht habe, Aufträge zu bekommen, Kontakte zu knüpfen und so weiter. Und das kannst du auf alle Beziehungen in deinem Leben anwenden. Das liegt nämlich nicht an dir, der die Murmel anschubst und das liegt auch nicht an der Murmel. Du bist auf der falschen Bahn unterwegs.