Authentisch sein wollen für andere bedeutet, dass du noch nicht authentisch bist. Oder anders gesagt: Du kannst keine authentische Wirkung erzielen. Solange du eine Wirkung erzielen willst, kannst du nicht authentisch sein. Wenn du also als der ganz besonders Authentische gelten willst, bist du es schon nicht mehr. Es geht nicht, weil du eine Absicht hast. Jede Absicht steht deiner Authentizität im Weg. Jede Absicht verhindert deinen authentischen Ausdruck. Jetzt weißt du auch, warum auf Instagram ganz viele authentische Influencer sind, die nicht authentisch sind. Wirkung beziehungsweise Wirkung erzielen wollen und Authentizität stehen sich diametral gegenüber und eines steht dem anderen im Weg. Du musst dich entscheiden. Willst du eine Wirkung erzielen oder willst du authentisch sein? Das Paradoxe dabei ist, wenn du authentisch bist, wirst du natürlich eine Wirkung erzielen. Sie darf aber nicht dein Ziel sein und vor allem: Du weißt nicht, welche Wirkung das sein wird. Du musst also auch bereit sein, dass es eine vollkommen andere Wirkung sein wird als diejenige, die du üblicherweise erhoffst und eine andere Wirkung als diejenige, die dir angenehme Gefühle beschert. Wenn du wirklich authentisch bist, kannst du deine Wirkung nicht mehr steuern. Und das macht vielen Menschen so Angst, dass sie es gar nicht erst versuchen und dann tun sie authentisch. Das geht nicht. Das ist ein Widerspruch. Authentizität kannst du nicht spielen. Du kannst sie nicht faken. Du musst noch nicht einmal bereit sein, dass es in die Hose geht, sondern du weißt es und es ist egal. Es kann in die Hose gehen, ist aber auch möglich, dass es nicht in die Hose geht. Es kann sein, dass man dich versteht, es kann aber auch sein, dass man dich nicht versteht. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass man dich erst einmal überhaupt gar nicht verstehen wird, weil du Authentizität in deinem bestehenden Umfeld bisher nicht geübt hast. Manche Menschen verwechseln das mit jedem sagen, was er für ein Arsch ist. Das ist damit nicht gemeint. Es ist nicht damit gemeint, deine schlechte Laune einfach bei allen abzulassen. Es ist damit noch nicht einmal die radikale Ehrlichkeit gemeint, dass du jedem radikal ehrlich sagen musst, was du gerade denkst. Es ist nämlich eh nicht so wahnsinnig wichtig, was du gerade denkst. Auch das denken wir nur. Authentisch zu sein hat noch nicht einmal etwas mit den anderen zu tun. Authentisch bist du dir selbst gegenüber. Du sagst DIR die Wahrheit. Du sagst deinem Verstand die Wahrheit. Diesen Schritt überspringen die meisten und sie denken, sie müssten ihr authentisches Sein an den andern ausleben. Aber ohne den ersten Schritt gibt es keinen zweiten, denn du weißt noch gar nicht, was du in deiner authentischen Form zum Ausdruck bringst. Sie ist verschüttet. Sie versteckt sich hinter unzähligen Schmerzen und Fehlannahmen über dich, wer du bist, wozu du hier bist, warum du tust, was du tust. Und sie versteckt sich hinter unzähligen Schatten, Dingen, Umständen, Verhaltensweisen, Denkmustern, die du noch nicht einmal dir selbst gegenüber zugeben möchtest, weil es so peinlich, schmerzvoll, unangenehm und düster ist. Wenn du diesen Weg gegangen bist und es schaffst, dir selbst gegenüber authentisch zu sein, brauchst du keine Mission mehr, keine aufgesetzten Lebensmottos, keine künstlichen Strategien für dein Wirken, für dein Sein, denn authentisch ist alles schon hier. Es war nie weg. Es war nur gut versteckt.