Wir leben in einer Freiluftpsychiatrie. … und nur diejenigen am äußersten Rand werden in eine echte Psychiatrie eingewiesen. Wir leben in einer Freiluftpsychiatrie und keiner realisiert es. In der echten Psychiatrie sitzen nur diejenigen, die in unserer Freiluftpsychiatrie nicht zurechtkommen. Und ich meine das nicht so, wie es heutzutage oft gesagt wird und wie es viele meinen. Es ist ja sehr beliebt, Politiker zu bashen, Reiche zu bashen, Mächtige zu bashen und sich über sie zu beschweren und ihnen vor allem soziopathische, psychopathische und narzisstische Züge zu unterstellen oder sie gar gleich zu diagnostizieren. Ich meine diesen Satz als Selbsterkenntnis. Jeder von uns hält sich in dieser Freiluftpsychiatrie aus gutem Grund auf. Jeder ist ein Teil davon. Niemand kann sich davon ausnehmen und allein der Versuch, sich rauszunehmen und nur die anderen so zu sehen, spricht schon dafür, dass man selbst drin sitzt. Nicht deshalb weil das irgendjemand anders so will oder weil das irgendjemand anders sagt, sondern weil diejenigen, die das, was sie nicht gerne sehen, ablehnen und behaupten, es wäre nicht in ihnen, noch nicht tief genug in sich selbst schauen können. Und das bedeutet nicht, dass es keine extremeren Menschen gibt, das gibt es immer, es gibt immer einen, der ist noch verrückter als ich selbst, sondern es geht darum anzuerkennen, wie es wirklich ist. Und da geht es nicht darum, dass wir uns alle als verrückt abstempeln und sagen: »Ach ja, wir sind halt alle irre.«, sondern da geht es darum anzuerkennen, was uns passiert sein muss, damit unser Zustand so ist, damit wir reif sind für diese Freiluftpsychiatrie. Das ist kein Täter-Opfer-Ding, wo es darum geht, den Schuldigen zu finden und selber das Opfer zu sein oder umgekehrt zu denken, man selbst sei der Täter. Wir sind eh immer beides — ganz praktisch. Es geht nicht darum, dass wir uns gegenseitig diagnostizieren und gegenseitig einweisen, sondern es geht um die Verwendung dieser Erkenntnis als Selbsterkenntnis. Wenn du das dir selbst gegenüber zugeben kannst, dass du in der Freiluftpsychiatrie bist und dass du da auch zu recht bist, dann treten zwei wesentliche Effekte ein, der erste ist, es entspannt sich was. Du kannst es einerseits mit Humor nehmen, du kannst sehen, du bist nicht alleine, du bist nicht der einzige Verrückte, andere haben ganz ähnliche Probleme wie du und wir versuchen, uns hier halt hier irgendwie durchzuschlagen. Und wenn du es bei dir erkennst, nimmst du es das erste Mal bewusst wahr und deine Heilung kann beginnen. Im Licht deines Bewusstseins heilt alles. Bisher ist es so, dass wir uns von den Verrückten abgrenzen wollen. Wir wollen mit ihnen nichts zu tun haben und dadurch verleugnen wir, was auch in uns steckt. Dieser Teil ist die härteste Arbeit im spirituellen Bereich. Manche nennen das Schattenarbeit. Ich habe kein Wort dafür, ich kann einfach nur sehen, dass wir unter den richtigen falschen Umständen alles sein und alles werden können und dass ich mich nicht ausnehmen kann. Ich hatte vielleicht glücklichere Umstände, die dazu geführt haben, dass es bei mir nicht zu der Ausprägung kam wie bei anderen, aber ich kann nicht behaupten, dass ich vollkommen frei davon bin, dass diese Möglichkeit nicht existiert. Wenn du dieses Bewusstsein entwickeln kannst, was nur bedeutet, dass du die Möglichkeit zulässt, gibt es gar keine andere Möglichkeit, als dass Heilung passiert. Das kannst du natürlich nicht künstlich machen. Es bringt nichts, wenn du das als Mantra wiederholst, ohne dass du es fühlst, ohne dass es dir wirklich vollkommen klar ist. Und ich weiß auch nicht, wie das geht, dass es dir vollkommen klar wird. Mir wurde es einfach vollkommen klar, als mein Lehrer das gesagt hat. Es war so klar. Es gab keinen Zweifel. Und in diesem Bewusstsein heilst du nicht nur dich, sondern auch die anderen.