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    30.8.2021AQ 1376
    »Imaginierte Gefühle in der Zukunft existieren weder jetzt noch später.«
    0:009:39
    Imaginierte Gefühle in der Zukunft existieren weder jetzt noch später. Anders ausgedrückt, ausgedachte Gefühle sind keine. Die meisten unserer Gefühle sind auf Verstandesebene vorgestellt. Wir stellen sie uns vor und damit stellen wir sie vor uns. Und da stehen sie dann und behindern unseren Blick auf die Welt, wie sie wirklich ist. Wir stellen uns nur vor, wie es in Zukunft sein wird. Wir stellen uns die Zukunft vor und auch unsere damit verbundenen Gefühle. Das geht so weit, dass wir uns die Zukunft vorstellen und aufgrund dieser Vorstellung, welche Gefühle wir dann haben werden, deshalb haben wir jetzt Gefühle. Diese Vorstellung löst Gefühle in uns jetzt aus. Aber nicht die Vorstellung an sich, was du tun wirst, sondern wie es sein wird, wie du dich fühlen wirst. Und mit bestimmten Tätigkeiten oder bestimmten Situationen verbindest du bestimmte Gefühle. Das sind aber nur Ideen von Gefühlen. Du entwickelst eine Idee für die Zukunft, wie du dich fühlen wirst und diese Idee beeinflusst deine jetzige Gegenwart. Und das ist verrückt, denn die Gefühle, die du dir für die Zukunft vorstellst, existieren weder jetzt noch später. Das heißt, die Gefühle, die du dir jetzt vorstellst, werden später nicht eintreten. Du wirst etwas anderes fühlen, als du dir jetzt gerade vorstellst. Und nur weil du dir diese Gefühle vorstellst, fühlst du jetzt etwas. Aber diese Gefühle, die du dir vorstellst, existieren jetzt auch nicht. Denn du reagierst ja mit deinem Gefühl auf eine Vorstellung in der Zukunft. Das ist also ein anderes Gefühl. Dieses Gefühl, das du jetzt hast, ist eine Reaktion auf eine Vorstellung von einem Gefühl in der Zukunft. Versuche mir nicht logisch zu folgen, sondern versuche nachzuvollziehen, was und wie du das machst! Beobachte dich, wenn du es tust! Du wirst es merken. Du wirst merken, dass du jetzt gerade über die Zukunft nachdenkst und dass du jetzt gerade Vorstellungen von der Zukunft hast, wie die sein wird, zum Beispiel wen du treffen wirst, wie der dann reagiert und was du dann fühlen wirst. Und diese Geschichte in deinem Kopf löst jetzt gerade in dir Gefühle aus, echte Gefühle, tatsächliche Körperempfindungen. Und diese Körperempfindungen fühlen sich real an, die sind auch real, aber du hast nicht mitbekommen, dass sie durch eine Geschichte, durch Gedanken ausgelöst wurden und nicht durch eine tatsächliche Situation. Du lebst also in deiner Fantasie und du erlebst auch nur deshalb etwas, weil du dir in deiner Fantasie gerade etwas vorgestellt hast und das halten wir für unsere Realität. Wie abgefahren ist das! Wir leben die wenigste Zeit in der Realität, wir können diese Realität gar nicht erleben, weil wir ständig etwas anderes erleben. Wir erleben ständig eine imaginierte Zukunft. Das geht mit der Vergangenheit natürlich genauso. Wenn du dir jetzt Gedanken über die Vergangenheit machst, kannst du dich zwar erinnern, dass du Gefühle hattest, du weißt aber nicht mehr ganz genau, welche das waren und wo im Körper du das gefühlt hast und selbst wenn, dann können jetzt deine Gefühle, also deine körperliche Reaktion auf die Geschichte, die du dir über die Vergangenheit erzählst, auch ganz andere sein. Und du reagierst wieder, gefühlt mit einer Körperempfindung, auf eine Geschichte in deinem Kopf, die du dir gerade selbst erzählst. Und so funktioniert das, was wir Realität oder Leben nennen und wir kriegen gar nicht mit, dass wir die ganze Zeit in einer Fantasie unterwegs sind, die auch eine Fantasiewelt erschafft, die aber jetzt hier gerade sehr real ist, weil sie, also die Geschichte, die wir uns selbst erzählen, sehr reale Körperempfindungen auslöst. Es gibt aber auch den Fall, dass gar keine Körperempfindungen da sind und dann ist es noch abgefahrener, denn dann ist alles rein hypothetisch. Dann erzählen wir uns Geschichten über die Zukunft und sagen: »Ja, das würde mir ja Angst machen, wenn ich das mache und deshalb mache ich es nicht und deshalb fange ich erst gar nicht damit an.« In Wahrheit fühlst du gar keine Angst in deinem Körper. Den meisten Menschen fallen diese Mechanismen ihr Leben lang nicht auf. Uns ist gar nicht klar, wie wir leben und wie sich dieses Leben ergibt und wie es sich ereignet, wie es dazu kommt, dass wir denken und fühlen und wie es dazu kommt, dass das ein konstantes Ping-Pong-Spiel ist, aus dem wir keinen Ausweg finden. Ausgedachte Gefühle, ganz egal ob sie eine tatsächliche Körperempfindung auslösen oder nur Ideen sind, sind keine.