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    17.8.2021AQ 1363
    »Im Wahnsinn fällt uns der Wahnsinn nicht auf.«
    0:0011:00
    Im Wahnsinn fällt uns der Wahnsinn nicht auf. Ich habe ein aktuelles Beispiel dafür. Wir schmücken uns gerne mit Attributen wie zum Beispiel solidarisch, sozial, achtsam. Und während das wirklich herausragende moralische, ethische Werte sind, wenn du sie echt lebst, so sehr werden sie pervertiert von unserem Wahnsinn, ohne dass es uns auffällt. Es kann uns auch gar nicht auffallen, weil wir mit diesen Werten unsere Ängste oder sogar unsere Aggressionen kaschieren. Aktuell argumentieren viele Menschen mit genau diesen Werten. Sie behaupten, es ginge ihnen ums Allgemeinwohl. Tatsächlich wollen sie damit ihre Angst kaschieren. Und wenn es ihnen darum geht, dass sich gefälligst auch alle anderen am Allgemeinwohl orientieren, geht es ihnen eben überhaupt gar nicht darum, sondern um ihre Aggression, wenn andere bei dem nicht mitmachen, wovon sie überzeugt sind. Und das schließt nahtlos an den gestrigen Aufwachquickie an. Das ist der Zustand unserer Gesellschaft, die es ja nicht gibt, die nur aus einzelnen Menschen besteht, die aber in solchen Situationen wie aktuell so etwas wie einen Herdentrieb und ein Herdenbewusstsein entwickelt und währenddessen nicht merkt und auch nicht merken kann, dass sie jetzt dem Wahnsinn verfallen ist. Es ist den Menschen wirklich nicht möglich, das zu erkennen. Und sie glauben nicht nur, sondern sie sind hundert Prozent davon überzeugt, dass sie das absolute Gegenteil von dem sind, was sie tatsächlich machen. Das lässt sich jetzt so gut erkennen. Wir haben unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gefragt: »Wie konntet ihr das zulassen?«, aber wir haben sie nicht wirklich gefragt. Wir hatten bei dieser Frage keinen offenen Geist. Hätten wir den gehabt, hätten wir auch Antworten bekommen. Aber diese Antworten hätten uns nicht gefallen, denn wir hätten dann nicht in der Verurteilung bleiben können, die uns so schmackhaft gemacht wurde. Es ist einfach bequemer, einfacher, simpler, Menschen zu verurteilen, statt sie zu verstehen. Manche haben auch bei der Wiedervereinigung gesagt: »Mit MIR hätte ich das nicht machen lassen. Mit MIR wäre das nicht gegangen.« Oh doch! Gerade mit dir — und zwar deshalb, weil du dich ausnehmen willst, weil du denkst, dass das bei dir nicht funktioniert. Ich glaube, dieses Phänomen gibt es auch in der Hypnose, dass die Menschen, die denken: »Nein, auf gar keinen Fall.« Mit einigen von denen tun sich Hypnotiseure besonders leicht. Im Wahn fällt uns unser eigener Wahnsinn nicht auf. Und es kommt noch etwas erschwerend hinzu. Selbst wenn es uns auffallen würde, wir könnten es nicht zugeben, vor allem nicht uns selbst gegenüber. Es würden nämlich gleich zwei Bilder einstürzen: Unser Weltbild und unser Selbstbild — beides gleichzeitig verkraften wir nicht. Wir müssten uns selbst erkennen und das, was wir da sehen würden, können wir nicht zulassen. Das wäre so schmerzhaft, diesen Schmerz will keiner erleben. Und deshalb hat Wahnsinn etwas Selbststabilisierendes, er stabilisiert sich in sich selbst. So funktioniert unser Ego, so funktioniert Programmierung, so funktioniert Verstand. Dieser Mechanismus ist gemeint, wenn man von Ego, Verstand und Programmierung spricht — dieses sich selbst stabilisierende Element. Es braucht unfassbar viel Mut, unfassbar viel Bereitschaft, in seine eigenen tiefsten Tiefen abzutauchen, um sich selbst zu erkennen, um zugeben zu können: »Ja, so bin ich. Ja, mit mir hätte das auch alles funktioniert. Ja, mit mir hätte man das auch machen können. Wie konnte das passieren? Weil ich so bin.« Und auf der Basis kannst du mit Menschen sprechen, die dabei waren und dann wirst du Dinge erfahren, die du dir in deinen kühnsten Träumen nicht vorstellen kannst. Das wäre echte Empathie. Ich habe das gemacht, als ich so um die zwanzig war. Ich habe meine Oma nicht nur gefragt: »Wie konntest du das zulassen?«, sondern ich wollte von ihr wissen, wie sie es erlebt hat. Das war mein einziges Gespräch, das ich alleine mit meiner Oma jemals geführt habe — einen ganzen Nachmittag lang. Ich habe es leider nicht aufgezeichnet — aber ich habe so viel verstanden.