Eine Gesellschaft, die mit Angst und Zwang arbeitet, kann mir ruhig den Zutritt verwehren. Genau genommen bräuchte sie mir diesen Zutritt gar nicht verwehren, ich will ihn nämlich gar nicht und ich nehme freiwillig nicht teil. Und so sehr das für die aktuelle Situation passt, passt es natürlich für alle anderen Situationen in deinem Leben auch. Wenn jemand oder wenn mehrere Menschen mit Angst, Zwang, Druck, Stress arbeiten oder argumentieren, möchte ich gar nicht dazugehören. Und zwar vollkommen unabhängig davon, was die machen und welche Attraktionen mir dann verwehrt bleiben. Ich möchte diese Attraktionen, die Menschen nutzen und gemeinsam mit mir nutzen würden, die mit Angst, Druck, Zwang und Stress unterwegs sind, nicht in Anspruch nehmen. Das ist für mich hochgradig unattraktiv und zwar nicht aufgrund der Attraktion — die kann super sein oder aufgrund der Veranstaltung, des Programms, kann total super sein und auf der Bühne kann jemand stehen, der super ist —, wenn das Publikum aus Menschen besteht, die in Angst leben, möchte ich kein Teil davon sein. Und dann bin ich gerne ausgeschlossen — sogar selbst gewählt. Und man kann mich dann damit auch nicht unter Druck setzen. Man kann mich damit auch nicht locken. Man kann auch nicht sagen: »Du schau mal, wenn du unserer bisschen Angst, unserem bisschen Druck und Zwang ein kleines bisschen nachgibst, dann darfst du wieder mitmachen bei uns.« So sind nur die fiesesten Kinder im Sandkasten. Und dieses Spiel kann man durchschauen. Und es ist fies und es ist auch vor allem gar keine Befriedigung, falls man es schafft dazuzugehören. Es ist überhaupt nicht attraktiv bei etwas dabei zu sein, was mit Druck erzwungen wird. Du musst dir mal vor Augen führen, was das bedeutet: Wenn schon der Beginn mit Druck erzwungen wird, wie wird dann der zweite Schritt und der dritte und der vierte? Und wie sind diejenigen drauf, wenn es mal wirklich um was geht? Das heißt, es ist gut, wenn die schon am Anfang ihr wahres Gesicht zeigen, dann möchte ich kein Teil davon sein und zwar vollkommen egal, was das für mich als Konsequenz bedeutet oder was es für Konsequenzen für mich hat. Wenn das bedeutet, dass ich kein Geld mehr habe, dann ist es so. Wenn das bedeutet, dass ich keine Freunde mehr habe, dann ist es so. Wenn das bedeutet, dass ich keine Achterbahn mehr fahren darf, dann ist es so. Wenn das bedeutet, dass ich in kein Café mehr gehen darf, dann ist es so. Dann ist das alles überhaupt kein Problem. Das macht mir überhaupt nichts. Denn ich möchte kein Teil von etwas sein, was schon mit Angst und Schrecken begonnen hat. Und so sehr das auf die aktuelle Situation passt, die du jetzt vielleicht im Hinterkopf hattest, so sehr gilt das schon immer. Ich wollte mal dazu gehören. Das war so vor circa zwanzig Jahren. Da wollte ich ein Teil der Mächtigen sein. Und ich war Unternehmer und ich war ein bisschen in der Politik unterwegs. Ich habe relativ schnell relativ viel Zugang bekommen, aber ich habe immer Schmerzen gefühlt, wenn ich mich anpassen sollte an die anderen. Und die haben damals noch gar nicht mit viel Druck und Stress agiert oder die haben mich überhaupt nicht unter Druck gesetzt in dem Sinn, aber es war subtil vollkommen klar, welche Teile meiner Meinung oder auch meiner Erfahrung bei denen nicht gelten und was ich auch überhaupt nicht erwähnen brauche. Das ist ein total subtiles Gefängnis von Abhängigkeiten, das kann man sich gar nicht vorstellen. Man neigt dazu, dass man denkt, das ist alles offensichtlich und die Karten liegen immer auf dem Tisch und jeder weiß, was gespielt wird. Das ist nicht unbedingt so. Du fühlst es. Das ist eine Atmosphäre. Und ich wollte ganz offensichtlich kein Teil dieser Atmosphäre sein. Das hat aber natürlich auch dazu geführt, dass ich zehn, fünfzehn Jahre mich überhaupt nirgendwo zugehörig gefühlt habe anschließend. Ich konnte nirgends wirklich Fuß fassen. Und das war richtig gut so. Währenddessen hätte ich das natürlich nicht gedacht und währenddessen habe ich geflucht und gezweifelt und mich gefragt, warum es bei mir immer so hart sein muss, warum ich immer diesen härtesten aller Wege gehen muss. Jetzt weiß ich es. Der härteste aller Wege macht mich frei — frei von der Illusion der Anpassung, frei von der Illusion, ich müsste mich für andere unter Druck setzen und ich müsste, um Geld zu verdienen, mich stressen. Und da habe ich gleich eine Anmerkung in eigener Sache. Denn wenn ich sowas sage, rate mal, was ich dann tatsächlich und auch selbst alleine machen muss. Genau. Ich muss es selbst leben. Und ich bekomme immer wieder Anfragen beziehungsweise mein Team bekommt Nachfragen, falls eine Audio nicht online ist und ich finde das erstaunlich, denn die meisten Audios sind in der Früh irgendwann zwischen sechs und acht oder sechs und neun online. Und sobald es dann mal ein paar Stunden länger dauert oder auch mal einen Tag Verzögerung hat, kommen die Fragen: »Ah, ich kann es nicht finden.« Erstmal habe ich einen ganz praktischen Tipp für dich. Wenn du alle anderen Audios sehen kannst, dann ist die neue einfach noch nicht hochgeladen und dann bringt es nichts, wenn du nachfragst. Denn — und jetzt kommt der entscheidende Punkt, den sich kaum jemand vorstellen kann —, ich lebe es wirklich, ich mache keine Audio unter Druck. Ich mache keine Audio, weil ich mich stresse damit. Keine einzige Audio mache ich, weil ich an dich denke und mir denke: »Oh Gott, wenn ich das jetzt nicht mache, dann bist du sauer. Und nicht nur du, sondern ja auch viele andere, die das gebucht haben.« Wenn ich das machen würde, wäre ich so ein Heuchler, denn ich würde es dir hier am Morgen schön mit einer sanften Stimme erzählen und wenn es dann drauf ankommt, würde ich direkt kurz vorm Klo in die Hose machen. Ich möchte dir damit zeigen, dass das wirklich geht. Ich weiß, dass es wirklich geht, ich habe es so oft gemacht. Das bedeutet nicht, dass ich nie unter Druck bin oder dass ich nie Stress fühle — ganz im Gegenteil immer wieder. Aber ich kann es mir bewusst machen und kann sagen: »Alter, in dem Zustand brauchst du keine Audio machen. Denn du würdest es nur machen, damit es erledigt ist und nicht weil du wirklich Bock drauf hast.« Und das Verrückte ist jetzt Folgendes: Die meisten Menschen denken, dass man dann unfassbar faul wird, wenn man so lebt und das hat mit unserem Verstand zu tun, der ist so programmiert, der kennt nur Druck und Stress. Der kennt gar nichts anderes. Das ist eine der Essenzen, eine der Substanzen des Verstandes. Was tatsächlich passiert — da brauchst du natürlich Übung dafür und das kann auch eine Zeit dauern —, aber irgendwann passiert es und zwar Folgendes: Ja, du brauchst dann mal einen Tag Pause und das war es. Denn ansonsten machst du es einfach gerne und es ist selbstverständlich und das Normalste der Welt und du denkst überhaupt nicht dran: »Oh Gott, hunderte Menschen warten auf meine Audio und wenn ich die jetzt nicht mache ...« Alles Blödsinn. Dieser Gedanke kommt gar nicht. Es wird vielleicht sogar zu einer Art Ritual und du machst es gerne, aber in dem Moment, wo du es nicht gerne machst, darfst du es halt auch nicht tun, nur um dem Druck und dem Stress in deinem Kopf nachzugeben. Und der Verstand ist da trickreich, der sagt: »Ach komm, einmal, das macht doch nichts.« Und das stimmt, das würde nichts machen, wahrscheinlich würdest du es noch nicht mal mitkriegen, aber ich kriege es mit, ich merke es. Und ich merke, dass ich mich in dem Moment selbst verarscht habe und dich gleich mit. Und wenn du jetzt gerade fühlend mit mir mitgegangen bist, dann hast du was gemerkt und zwar diese Gesellschaft, die mit Angst und Zwang arbeitet, gibt es gar nicht beziehungsweise die gibt es nur, wenn sie in dir existiert. Und deshalb ist das alles jetzt gerade die Zeit der größten Selbsterkenntnis. Wir können soviel über uns lernen. Und wenn in dir Angst, Zwang, Druck und Stress weggefallen sind, dann gibt es auch keine Gesellschaft mehr, die damit arbeiten könnte und dir den Zutritt verwehren würde.