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    14.8.2021AQ 1360
    »Deine Gabe ist das, was dir normal erscheint.«
    0:009:19
    Deine Gabe ist das, was dir normal erscheint. Mit dieser Erkenntnis haben die meisten Menschen ein riesengroßes Problem, denn das passt nicht zu ihrer Programmierung. Wir denken, die Berufung sei etwas Besonderes, Spezielles und Wunderbares, wenn du sie leben kannst. Wenn du sie erst entdeckst und dann auch noch leben kannst. Das ist dann der Himmel auf Erden. Und es gibt nichts Besseres. Und diese Idee ist ein riesengroßer Fehler, der durch deine Programmierung forciert wird. Und zwar so: Dein Verstand, deine Programmierung ist dein Leben lang im Widerstand zu deiner aktuellen Situation, zu deinem Leben, so wie es jetzt gerade ist. Und durch diesen Widerstand beziehungsweise wegen diesem Widerstand entwickelt dein Verstand ständig die Vorstellung von einer glorreichen Zukunft, die nie eintritt. Und das ist offensichtlich, wenn du länger als ein paar Jahre hier bist. Aber das will auch keiner untersuchen. Niemand will untersuchen, dass Wünsche niemals eintreten, selbst dann, wenn sie in Erfüllung gehen. Denn ein erfüllter Wunsch ist immer anders, als du ihn dir im Moment deines Widerstandes und in dem Moment, in dem du mit deinem Leben nicht zufrieden warst, vorgestellt hast. Aber das braucht enorme Erkenntnis, enorme Bewusstheit und enorme Anstrengung auch, das überhaupt erkennen zu wollen und deshalb auch erkennen zu können. Also noch einmal zurück zu deinem Verstand. Er ist immer im Widerstand zu dem jetzigen Moment. Er findet den jetzigen Moment nicht gut. Und er erhofft sich etwas Grandioses in der Zukunft, etwas unvorstellbar Geniales, weil er denkt, er braucht einen Ausgleich zu dem, wie es jetzt ist, zu all dem Ungemach im aktuellen Moment. Aber was wäre denn, wenn der aktuelle Moment, ganz egal, wie er gerade ist, kein Problem mehr für dich wäre? Was, wenn dein Verstand, wenn deine Programmierung nicht mehr im Widerstand zu dem ist, wie es jetzt gerade ist? Und das bedeutet überhaupt nicht, dass es jetzt gerade dann nicht scheiße sein kann. Das ist trotzdem möglich. Aber was wäre, wenn dein Widerstand demgegenüber, dass es jetzt gerade scheiße ist, wegfällt? Dann bräuchtest du keine Visionen mehr, dann bräuchtest du keine Wünsche mehr, dann wäre alles jetzt schon hier und okay, wie es ist — auch wenn es scheiße ist. Im Wesentlichen würde aber dein Verstand keine Zukunftsvisionen, keine Wünsche mehr brauchen, um von diesem Moment, wie er jetzt gerade ist, zu fliehen. Er braucht dir keine Hoffnung mehr machen. Noch nicht einmal die Hoffnung, dass du irgendwann endlich deine Berufung leben kannst, die ja so toll ist, weil sie sich von diesem beschissenen Moment, der jetzt gerade hier ist, so megamäßig unterscheidet. Deine Berufung kann per Definition nichts Grandioses sein. Deine Berufung ist, wozu du berufen bist. Und etwas, wozu du berufen bist, kommt dir nicht wie der absolute Höhepunkt deines Lebens vor. Es ist normal für dich, sonst wärst du nicht dazu berufen. Etwas, was dir jeden Tag wie der immense Höhepunkt deines Lebens vorkommt, kann nicht normal sein für dich, kann nicht deine Berufung sein, kann nicht das sein, was deine Natur ist, denn deine Natur selbst kannst du nicht als etwas Großartiges erkennen, sie muss dir normal erscheinen. Und das ist das große Problem, deshalb erkennst du sie nicht, deshalb kannst du sie nicht sehen, weil du und natürlich auch dein gesamtes Umfeld nicht sehen kann, dass das für andere etwas Besonderes ist oder sein könnte. Und deshalb kannst du deine Berufung weder suchen noch finden. Deine Berufung suchen bedeutet, das absolut Normalste an deinem Leben und in dir zu finden. Das absolut Selbstverständlichste, für dich unfassbar Gewöhnlichste und überhaupt gar nicht Besondere. Und wenn du das dann gefunden hast, hast du es nicht gefunden. Dann sagst du: »Aber das ist doch nichts Besonderes. Das war doch schon immer so.«