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    10.8.2021AQ 1356
    »Der Verstand hat die Worte schon einmal gehört.«
    0:007:49
    Der Verstand hat die Worte schon einmal gehört. Für dein Herz sind sie immer wieder neu. Es gibt zwei Arten beziehungsweise Formen von Erinnerung. Die eine Erinnerung ist im Kopf und dem Kopf wird schnell langweilig. Der sagt: »Ah, das kenne ich ja schon. Habe ich schon gestern gehört und vorgestern. Eigentlich schon tausendmal. Bringe mal was Neues! Sage mir mal was, was du noch nicht gesagt hast!« Und die andere Form der Erinnerung ist im Körper. Die fühlst du und da wird dir überhaupt nicht langweilig, wenn du etwas, was sich wahr, gut und richtig anfühlt, mehr als einmal hörst, ganz im Gegenteil: Jedes Mal wenn du es wieder hörst, wird dir noch wohler und du willst gar nichts Neues hören. Du hörst gerne die Wiederholung und dir wird nicht langweilig. In dem Moment, in dem du diese beiden Formen der Erinnerung unterscheiden kannst und merkst, wann welche Form aktiv ist, hast du einen Teil deines Verstandes entlarvt. Du wirst vielleicht wieder zurückfallen und dann wirst du wieder mal sagen: »Ja geh, kenne ich schon, erzähle mal was Neues!« Und dann wirst du dich erinnern, dass nur der Verstand auf die Idee kommt, dass etwas, was sich wahr und gut anfühlt, langweilig werden könnte. Dein Körper kann es gar nicht oft genug hören und er muss es auch oft hören, um dich tatsächlich zu erinnern, um in dieser Erinnerung stabil zu werden und dich nicht von der Erinnerung des Verstandes ablenken zu lassen. Dein gesamtes Leben als Kind und Jugendlicher bestand daraus, dass man dich von der Erinnerung deines Körpers weggebracht hat und versucht hat, dich in die Erinnerung deines Verstandes zu bringen. Alle Übungen deiner Kindheit und Jugend basieren darauf. Man hat dir gesagt, du sollst still sitzen, zuhören, auswendig lernen. Man hat dir nicht gesagt: »Mache das, was sich für dich gut anfühlt!« oder »Höre dir die Vorlesung an!« oder »Lies dasjenige Buch, das sich wahr oder wahrhaftig anfühlt.«. Man hat dir gesagt: »Das sind die Fakten und die musst du lernen.« Das bedeutet, man hat es geschafft, dich von der wesentlichen Erinnerung wegzubringen — von deiner Körpererinnerung. Und seitdem lebst du in der Kopferinnerung, in der Verstandeserinnerung. Und das hat — je nachdem, wie du diesen Zeitraum betrachtest — aber irgendwas zwischen zehn, fünfzehn, zwanzig Jahren gedauert. Wundere dich also nicht, wenn es jetzt auch wieder zehn Jahre dauert, um in deinen Körper zurückzukommen! Das macht nichts. Du hast keinen Stress. Du hast in diesem Leben nichts anderes mehr vor. Das ist alles, was zählt. Es gibt kein anderes, darüber hinausgehendes Ziel, das auf irgendeine Art und Weise wichtiger wäre. Du kannst dich dem jetzt hingeben und du musst dich dem auch hingeben, wenn du vom Kopf in deinen Körper zurückkommen willst. Es war ein intensives Trainingsprogramm, das du als Kind bekommen hast. Und dieses Trainingsprogramm brauchst du jetzt auch wieder. Das kannst du dir selbst machen. Und zwar indem du das tust, was sich für dich gut anfühlt. Und das wird am Anfang weh tun, das lässt sich überhaupt nicht vermeiden, denn dein Kopf wird dir die schmerzhaften Erfahrungen, die du gemacht hast, damit du im Kopf gelandet bist, alle noch einmal präsentieren — nicht nur einmal. Und es ist kein leichter Weg. Die meisten Menschen sind nicht bereit, ihn zu gehen. Aber du bist es. Denn du weißt und du erinnerst dich und du erinnerst dich nicht in deinem Kopf, sondern du fühlst es in deinem Körper.