Ich sehe unser ganzes Leben als Therapie. Und zwar nicht im problematischen Sinn, sondern im entspannten Sinn. Unser Leben ist unsere Therapie. Unser Leben ist unsere Heilung. Alles dreht sich nur darum. Und ganz egal, was du glaubst oder auch weißt oder vermutest, woher deine Verletzungen kommen, du kannst sie immer nur jetzt heilen. Es gibt keine Möglichkeit, sie in der Vergangenheit zu heilen und es gibt keine Möglichkeit, sie irgendwann in der Zukunft zu heilen. Alles, was du jemals erlebt hast, auch vollkommen egal, ob du an frühere Leben glaubst oder davon weißt, auch diese Erinnerungen finden alle jetzt statt. Sobald du dich daran erinnerst, ist es jetzt ein Gefühl und jetzt eine Erinnerung. Und du kannst auch deine Gefühle nicht bei anderen heilen oder von anderen heilen lassen oder durch andere heilen. Manche denken, sie müssten etwas aufarbeiten und sie bräuchten dazu andere. Das wäre echt unfair, wenn es so wäre, denn das würde bedeuten, dass du abhängig bist und dass du selbst alleine für dich nichts machen kannst in bestimmten Bereichen und bei bestimmten Themen. Und das kann einfach nicht sein. Alles, was in deinem Leben ist, ist deine Therapie. Sie ist für dich da, nicht gegen dich und sie ist auch von dir bewältigbar. Diese Aufgabe ist von dir und durch dich lösbar. Es kann sein, dass du einen guten Lehrer dafür brauchst und dass dir ein guter Lehrer hilft und der hilfreich ist, aber er kann es nicht für dich machen. Er kann dir deine Therapie nicht abnehmen. Und mit Therapie meine ich nicht das, was wir unter Therapie verstehen. Die meisten Therapien werden so verstanden, dass man dich wieder arbeitsfähig macht. Das ist ganz sicher nicht damit gemeint. Viele weitere Therapien gehen auch eben in die Richtung, dass man dir sagt und dass du denkst, du müsstest etwas aufarbeiten. Das ist auch nicht, was ich meine. Die Therapie, die ich meine, ist deine echte Heilung. Und die liegt im Wesentlichen darin begründet, dass du in der Lage bist, deine Gedanken wahrzunehmen, zu erkennen und zu ignorieren. Nicht alle, aber vor allem diejenigen, die dich belasten. Und diese Therapie bedeutet, dass du im Moment lebst und aus dem Moment heraus lebst. Mit immer weniger Konzepten, die du aus der Vergangenheit mit schleifst und woraus du deshalb deine Zukunft baust. Mit immer weniger Vorwürfen anderen und dir selbst gegenüber und deshalb natürlich auch mit immer weniger Schuldgefühlen. Mit immer weniger Ideen von Schuld, Rache, Vergeltung, Gerechtigkeit, Rettung von anderen und selbst Rettung von dir. Diese Therapie ist vielmehr die Erkenntnis, dass noch nie etwas falsch war an dir und dass auch nie etwas falsch sein wird — weder an dir, noch an anderen. Du kannst dich trotzdem aufregen, du kannst wütend sein, du kannst alle Gefühle fühlen und die sind alle willkommen. Du verdrängst sie nicht mehr und du verurteilst dich nicht mehr dafür, dass du sie hast und willst sie deshalb auch nicht so schnell wie möglich loswerden. Du fühlst sie und du lebst sie auch — in dir. Du erlebst sie in dir, denn dort gehören sie hin. Was wir bisher gemacht haben, ist, sie entweder zu verdrängen oder außerhalb von uns auszuagieren, auszuleben. Wenn du diese Gefühle in dir erlebst, bekommt dein Leben, deine Therapie eine vollkommen neue Dimension, die es bisher nicht hatte. Du bist hier also einfach nur in deiner Therapie und die geht dein Leben lang. Und das ist eine wunderschöne Therapie, denn es gibt bei dieser Therapie nichts zu erreichen. Es gibt keinen Stress, keinen Druck, du kannst es in deiner Geschwindigkeit machen und gleichzeitig musst du dich zwischendurch selbst daran erinnern, worum es geht, damit du dich nicht außerhalb von dir verlierst, damit du nicht wieder denkst, es ginge um die anderen oder es ginge um die Rettung der Welt oder um irgendwelche Probleme — ganz egal wie groß oder wie klein sie dir erscheinen. Es geht einfach nur um dich in dieser Welt und um deine Therapie mit Hilfe dieser Welt, die dich auf dich selbst zurückwirft und dich an dich selbst erinnert.