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    6.8.2021AQ 1352
    »Ein Geschenk, das ich an eine Bedingung knüpfe, ist keines.«
    0:008:49
    Ein Geschenk, das ich an eine Bedingung knüpfe, ist keines. Die meisten Geschenke sind mit Erwartungen verknüpft, auch wenn die unbewusst sind. Wenn wir sehr ehrlich zu uns sind, sehr wahrscheinlich sogar alle Geschenke, denn wir erwarten uns ja wenigstens ein ‘Danke’. Und das klingt vielleicht übertrieben, aber auch das ist eine Erwartung. Und das wird uns ja auch schon sehr früh beigebracht. »Wie sagt man? Danke.« Als ob es etwas ändern würde, was es aber natürlich nicht tut, denn die Freude ist in dir als derjenige, der schenkt, auch unabhängig davon, ob sich der Beschenkte freut. Und die Freude im Beschenkten ist in ihm, auch unabhängig davon, ob er sich bedankt. Wir haben eine ganze Menge Erwartungen, wenn wir schenken. Und die meisten Geschenke sind direkt an eine Erwartung geknüpft. Nicht nur dass wir uns erhoffen, dass sich der Beschenkte freut, dass es ihm gefällt und dass er sich bedankt, sondern noch viel mehr, wir wollen, dass es der Beschenkte richtig einsetzt und dass es ihm nützt, dass es hilfreich ist. Er darf es also auf keinen Fall nicht gut finden und um Gottes Willen nicht weiterschenken. Wir erhoffen uns einen direkten Effekt und den würden wir gerne auch mitbekommen. Echte Geschenke sehen anders aus. Echte Geschenke sind bedingungslos. Und beim echten Schenken geht es um niemand anders außer um dich. Um dich, deine Freude und — falls sie da sind — um deine Erwartungen. Und diese Erwartungen kannst du ignorieren. Und falls du erwartest, dass sich jemand bedankt oder dass ihm das Geschenk nützlich ist oder hilft, kannst du das auch ignorieren und kannst du deine Gefühle fühlen — falls es nicht der Fall ist —, statt dich zu ärgern, statt zu denken und zu grübeln, ob du ihm das Falsche geschenkt hast. Ein richtiges Geschenk gibt es, aber es hat nichts mit dem Geschenk zu tun, sondern damit ob du dich beim Schenken freust. Alles andere ist irrelevant. Aber so radikal will das kaum jemand machen. Wir wollen uns in einem so schönen Bereich wie dem Bereich des Schenkens nicht auch noch herausfordern. Deshalb bleiben wir lieber in unserem alten bedingten Sumpf von Geschenken. Dabei hätten wir so viele Möglichkeiten von Kindern zu lernen, wenn wir keine Erwartungen hätten und wenn wir ihnen nicht sagen würden, wie es — nämlich das Schenken — richtig geht, wenn wir sie einfach nur beobachten würden und wenn diese Beobachtung unser Geschenk wäre und nicht das Danke oder die Freude oder die Nützlichkeit. Wir würden so viel über uns lernen wie noch nie zuvor. Und wir könnten mal wieder Enttäuschung fühlen und daraus keine Rückschlüsse ziehen, also nicht denken: »Ah, dem schenke ich nichts mehr. Der freut sich ja gar nicht.«, sondern genau deshalb, weil er sich nicht freut und weil er dein Geschenk sofort zur Seite legt, nächste Woche gleich nochmal was schenken. Das ist ein Geschenk für dich. Diese Enttäuschung zu fühlen, ist das größte Geschenk, das dir jemand machen kann, wenn du schenkst beziehungsweise die Möglichkeit, dass du diese Enttäuschung fühlen kannst — außerhalb deiner Erwartung, außerhalb der Norm, außerhalb dessen was sich gehört, außerhalb dessen was du gewohnt bist, eine Erfahrung machen, diese Erfahrung nicht verurteilen, das Gefühl zu fühlen und dann zu erkennen: »Das kann ich immer wieder und ich brauche deshalb aus meiner Enttäuschung und aus dieser Andersartigkeit der Erfahrung keine Rückschlüsse auf die Zukunft schließen.« Was für ein Geschenk, wenn du bereit bist, es anzunehmen.