Trauma ist nicht das äußere Ereignis, sondern deine Reaktion darauf. Viele gehen davon aus, dass Trauma ein Ereignis ist. Ein äußeres Ereignis, das sie dann als Trauma bezeichnen, eine traumatische Erfahrung. Aber das Traumatische an der Erfahrung ist nicht das Ereignis, sondern wie du automatisch darauf reagierst. Du kannst in dem Moment nicht damit umgehen und deshalb hast du eine automatische Reaktion. Und weil du das durch diese automatische Reaktion auch automatisch versuchst zu verdrängen, hast du anschließend einen komplett unbewussten Umgang damit. Und das ist kein Vorwurf, sondern das ist ganz normal. So ist es. Und ist einfach natürlich, wie du beziehungsweise dein Körper, dein System darauf reagiert. Das bedeutet aber auch, dass es erstens individuell ist und zweitens ist die Frage, wie lange es unbewusst bleibt, weil du es verdrängen musst, um den Schmerz dieser Erfahrung nicht zu fühlen. Trauma ist deine Reaktion im Moment des Ereignisses, damit du es nicht fühlen musst. Trauma ist also nicht das Gefühl, sondern Trauma ist die Verdrängungsreaktion. Wie gesagt vollkommen in Ordnung, nicht falsch, sondern perfekt. Je weiter du dich öffnest, desto mehr wirst du bereit, den Schmerz, den du durch die automatische Reaktion verdrängt hast, zu fühlen. Bei der Aufarbeitung von Trauma geht es also nicht darum, sich an das Ereignis zu erinnern, sondern an die Gefühle, die verdrängt wurden. Und es geht bei der Aufarbeitung auch nicht darum beziehungsweise sollte nicht darum gehen, weil es nicht hilfreich ist, warum das passiert ist, wie das passiert. Diese ganzen ‘W-Fragen’, mit denen du in der Vergangenheit forschen willst, sind nicht relevant, denn die Reaktion, also das Trauma ist jetzt in dir. Es ist schon da. Es braucht keine Erklärung aus der Vergangenheit. Der Mechanismus ist in dir abgespeichert und jederzeit abrufbar, was auch immer das für ein Mechanismus ist. Und die einzige Möglichkeit Trauma zu verarbeiten ist, an die verdrängten Gefühle heranzukommen. Und das braucht Zeit und Geduld und Hingabe. Und niemanden, der dich stresst, sondern Menschen, die dich liebevoll begleiten und die dich und deine Reaktion auf das Trauma verstehen. Das bedeutet nicht, dass es da nicht auch mal zu Konflikten kommen kann, sondern es bedeutet, dass allen Beteiligten klar ist, worum es geht und womit wir es zu tun haben. Aufarbeitung braucht auch keine Hektik, keinen Stress. Es muss alles in deiner Geschwindigkeit geschehen dürfen. Und der Schlüssel dazu ist, alle deine Gefühle wahrzunehmen im Körper, die auftauchen, wenn du entweder an das äußere Ereignis erinnert wirst oder wenn du merkst, dass du automatisch reagierst und in bestimmte Verhaltensmuster fällst. Und dabei geht es nicht darum, besser zu werden oder irgendetwas zu verändern, sondern es geht nur darum, das wahrzunehmen, was jetzt hier ist. Wir werden nämlich im Kopf nie verstehen, warum etwas passiert oder nicht passiert. Wir können das gedanklich, logisch nicht aufarbeiten. Wenn wir Trauma heilen wollen, müssen wir es auf Körperebene bereit sein anzuschauen. Und nicht zu schauen, sondern zu fühlen. Diese Heilung kann nicht logisch stattfinden, sie muss emotional sein.