Unplanbarkeit ist ein Deprogrammierungsvorteil. … Unsicherheit auch. Denn Unplanbarkeit und Unsicherheit treffen in Wahrheit immer und auf jeden zu. Doch nur die wenigsten können das sehen und auch zugeben. Und genau das ist die Programmierung, die fixe Idee von Planbarkeit und Sicherheit. Und es kann ja auch mal sein, dass ein Plan aufgeht, dass Planung funktioniert. Die Frage ist ja nur: Wie planst du? Bist du gestresst? Stresst du dich mit deiner Planung? Oder planst du einfach so wie du sagst: »Ja, heute abend um neunzehn Uhr habe ich einen Termin.« Ganz einfach. Und dann gehst du dahin. Das ist kein Problem. Wir machen allerdings viel, viel größere Pläne, Lebenspläne, Ziele, Erfolge, die wir erreichen wollen. Die Frage ist also nur, ob man mit seiner Planung glücklich ist. Und wenn nicht, ist die Fähigkeit, die Unplanbarkeit und die Unsicherheit zu sehen und zugeben zu können, ein Deprogrammierungsvorteil. Dieses Eingeständnis muss dazu aber echt sein und nicht im Sinn von »Ha ja, Scheiße, ich weiß ja, ich kann es nicht planen und es geht ja immer schief, wenn ich was plane und Ist halt doof, aber es ist halt so.«, sondern indem du dich hingibst und damit in Frieden bist, dass es tatsächlich so ist. Und indem du daran wirklich absolut überhaupt gar nichts Negatives mehr sehen kannst, weil daran auch tatsächlich wirklich absolut gar nichts Negatives ist. Und es bedeutet nicht, dass du keine Pläne mehr machen darfst. Darfst du, kannst du, machst du. Und es ist kein Problem, denn du weißt: »Nicht jeder Plan muss aufgehen.« Und auch das weißt du nicht theoretisch und im Widerstand, sondern in deiner gelebten Praxis, indem du immer dann, wenn ein Plan nicht funktioniert und unangenehme Gefühle in dir auftauchen, bereit bist, diese Körperempfindungen zu fühlen und dich diesen Gefühlen hinzugeben. Es ist wirklich so einfach. Aber wir tun uns mit dieser Einfachheit oft extrem schwer. Der Verstand sagt dir nämlich: »So einfach kann es ja nicht sein.« und damit hat er dich wieder. Ich will dich nicht deprimieren, aber ich will dir auch keine falschen Hoffnungen machen. Ich musste zwei Jahrzehnte üben, bevor ich wirklich erkannt habe, dass die Planung, die Idee von Planung und die Fixierung darauf, dass ein Plan funktionieren muss, nur eine verrückte Idee in meinem Kopf ist, die ich ignorieren kann, weil ich bereit bin, alle Gefühle zu fühlen, die dieser Wahnsinn in mir hervorruft. Das war also sogesehen kein einfacher Weg. Und jetzt ist es kein Weg mehr, weil dieses Thema komplett verschwunden ist. Ich habe keine Pläne mehr. Ich plane trotzdem zwischendurch noch etwas, aber ich bin mit diesem Plan nicht verhaftet. Und das ist die größte Freiheit, die es gibt. Du kannst also einfach üben und es muss dir nicht sofort gelingen. Es dauert eine Weile. Alles entwickelt sich in deiner Geschwindigkeit. Du kannst es dir bewusst machen, aber du kannst es nicht forcieren. Forcieren will es nur der Verstand. Hingabe ist das Gegenteil von Verstand. Und das bedeutet, du kannst dich auch an die Situation hingeben, wenn du gerade noch Pläne machst und willst oder sogar unbedingt willst, dass sich diese Pläne realisieren lassen. Auch in dieser Situation kannst du Hingabe üben. Und durch diese Hingabe findest du im Lauf der Zeit heraus, wie es wirklich ist, nämlich dass es schon immer unplanbar war und auch unsicher war und dass du Planbarkeit und Sicherheit noch nie gebraucht hast. Sie waren Ideen in deinem Kopf, die in der Realität nicht existieren, die aber auch überhaupt nicht notwendig sind.