Wir fliehen unser ganzes Leben lang vor Situationen, die Gefühle auslösen. Dieser Satz klingt banal, solange du denkst, das sei eine aktive Handlung, die dir bewusst wäre. Sobald dir klar wird, dass das in den meisten Fällen keine bewusste Handlung ist, sondern etwas, das unbewusst in dir geschieht, kann dieser Satz eine größere Tiefe bekommen. Alles, was du tust, bewusst oder unbewusst, dient dir dazu, vor den Situationen zu fliehen, die Gefühle auslösen könnten, die du nicht magst. Deine gesamte Programmierung ist daran ausgerichtet. Und diese Ausrichtung lässt sich nicht an einem Wochenende deprogrammieren. Das könnte länger dauern. Und es könnte sogar sein, dass es gar nicht darum geht, das alles zu deprogrammieren, sondern dass es genügt, wenn es dir bewusst ist. Bewusst kann es dir immer nur dann sein, wenn es dir gerade möglich ist, dir das bewusst zu machen. Und das ist natürlich ein totales Paradox, denn das kannst du nicht steuern. Wenn es dir gelingt, ist es pure Gnade. Es gibt nur einen Umstand oder eine Voraussetzung, die du vielleicht doch ändern kannst beziehungsweise mit der du beeinflussen kannst, ob du bereit bist, dass es dir bewusst wird, und dieser Umstand ist die Bereitschaft, Schmerzen zu fühlen. Je größer deine Bereitschaft ist, Schmerzen zu fühlen, desto bewusster wirst du. Es ist vollkommen normal, dass das für den Verstand wie ein sehr schlimmer, schmerzvoller Weg klingt und am Anfang stimmt das auch, aber je mehr Übung du darin bekommst und je größer deine Bereitschaft wächst, desto stärker verändern sich deine Gefühle. Du darfst es aber nicht machen, damit sich die Gefühle verändern, weil zuallererst deine Bereitschaft notwendig ist. Deine Bereitschaft verändert alles, keine Techniken, Methoden, Strategien, die können maximal temporär etwas verändern. Das Einzige, was wirklich verändert, ist deine Bereitschaft für alles.