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    20.7.2021AQ 1335
    »Wenn ich reich bin, werde ich großzügig!«
    0:009:38
    Viele denken: »Wenn ich reich bin, werde ich großzügig!«. Dabei funktioniert es genau umgekehrt. Bei den meisten Menschen ist die Geld-Pipeline verstopft und mit Großzügigkeit reinigst du eine Hälfte davon beziehungsweise präziser formuliert: Mit Großzügigkeit anderen gegenüber reinigst du eine Hälfte der Geld-Pipeline. Falls du dich fragst, womit du die andere Hälfte reinigst, dann ist die Antwort sehr einfach und du weißt sie vielleicht auch schon: Mit Großzügigkeit dir selbst gegenüber. Allerdings ist uns überhaupt nicht klar, was das bedeutet. Deshalb beginne ich bei der Großzügigkeit anderen gegenüber. Den Teil verstehen die meisten, denn teilweise ist es sogar ein Teil unserer Programmierung. Allerdings nicht ganz. Es fehlt nämlich eine Kleinigkeit. Uns wurde beigebracht, als erstes auf die anderen zu schauen, ob es denen gut geht und dass wir nicht egoistisch sein sollen. Allerdings sind wir selten bedingungslos großzügig. Bedingungslose Großzügigkeit anderen gegenüber bedeutet, dass ich mein Geben, meine Großzügigkeit nicht davon abhängig mache, wofür es verwendet wird oder ob ich aus dieser Richtung schon einmal was bekommen habe. Es ist einfach an keine Bedingungen geknüpft. Ich gebe, um zu fühlen, wie es sich anfühlt, bedingungslos zu geben, nicht um anschließend zu sagen: »Oh Gott, was bin ich für ein großartiger Held, wie toll kann ich geben.« Ich kann das schon feiern und mich auch darüber freuen, aber nicht, um mich wichtig zu machen. Ich kann das natürlich tun, aber meiner Erfahrung nach bringt das wenig bis gar nichts. Also bei Großzügigkeit anderen gegenüber ist uns die Bedingungslosigkeit schon irgendwie klar. Wir können schon verstehen, dass die Art und Weise, wie wir z. B. schenken, wo wir nachschauen: »Welchen Wert hatte das Geschenk, das ich letztes Mal bekommen hab?« und diesen Wert schenk ich jetzt zurück, dass das kein ehrliches, bedingungsloses Schenken ist. Bedingungslose Großzügigkeit ist überhaupt gar keine Art von Deal. Du erwartest weder etwas zurück, noch erwartest du überhaupt irgendeinen Effekt. Du tust es einfach nur bedingungslos. Und du bist bereit, alles zu fühlen, was dadurch in dir aufsteigt und falls das gute Gefühle sind, ist das vollkommen in Ordnung und falls das sogenannte schlechte Gefühle sind, ist es auch vollkommen in Ordnung. Soweit kannst du mir sehr wahrscheinlich folgen. Aber jetzt kommt der Teil, bei dem die meisten aussteigen. Und dieser Teil heißt: »Bedingungslose Großzügigkeit mir selbst gegenüber.« Und da macht der Verstand einen kleinen Trick, der sagt nämlich: »Ja, ja, das kann ich auch, weil ich gönne mir was. Also ich schenke mir selbst etwas und ich erwarte von mir selbst nichts zurück.« Aber so leicht ist es nicht. Es gibt Geschenke, die in dein Leben kommen, die an Bedingungen geknüpft sind. Und wenn wir das merken, tendieren wir dazu, sie abzulehnen, falls wir vorher schon wissen, dass wir die Bedingungen nicht erfüllen können oder nicht erfüllen wollen. Und während das total in Ordnung ist, das zu merken und rechtzeitig zu realisieren und dann zu sagen: »Nein danke, du, passt.« und intern denkst du: »Oh, ich will mich da überhaupt nicht rein begeben, das ist mir zuviel Abhängigkeit. Das wird eine komische Geschichte.«, kann manchmal auch richtig gut sein, das einfach abzulehnen, aber wir können in solchen Situationen eben nicht bedingungslos annehmen. Alleine, falls du jetzt an so eine Situation denkst, wo du schon mal abgelehnt hast, weil du gemerkt hast: »Ah, da sind mir zu viele Fallstricke, zu viele versteckte Botschaften oder Erwartungen. Ich nehme das nicht an und ich habe lieber weniger Geld.« oder »Nimm dieses Geschenk nicht an!« Und da hängt es. Wir können nicht bedingungslos annehmen, weil wir die Erwartungen der anderen zu unseren Erwartungen machen. Also weil wir das Spiel durchschauen, versuchen wir auf eine gewisse Art und Weise im vorauseilenden Gehorsam die vermuteten Erwartungen schon zu erfüllen, bevor sie geäußert sind. Und wir trauen uns auch nicht zu sagen: »Danke, ich nehme das gern bedingungslos an.« oder einfach in dir zu denken: »Ach cool, kommt gerade gelegen, das nehme ich jetzt einfach mal an. Bedingungslos.« Ich achte also nicht auf die Bedingungen, die aufgrund meiner eigenen Ideen oder aufgrund der Ideen der anderen dranhängen könnten. Und mit dem Teil haben wir große moralische Probleme, sogenannte moralische Probleme. Wir können das nicht ignorieren. Wir können die Bedingungen nicht vergessen. Aber genau das müssen wir üben. Das müssen wir auch beim bedingungslosen Geben üben, dass wir unsere eigenen Bedingungen vergessen und genauso müssen wir es beim bedingungslosen Annehmen üben, dass wir die Bedingungen des anderen und unsere eigenen Bedingungen beim Annehmen vergessen. Und damit putzt du sozusagen deine Pipeline von beiden Seiten. Und dann wirst du nicht großzügig, weil du reich bist, sondern du wirst reich, weil du großzügig bist. Und zwar als allererstes in Form von innerem Reichtum und Bereicherung, weil du etwas gemacht hast, was du vorher noch nie getan hast, was du dich nie getraut hättest und wo du deine Grenzen erweitert hast.