Echt Fülle kannst du nur durch Mangel fühlen. Das heutige Zitat ist wahrscheinlich ein bisschen missverständlich formuliert und das hat damit zu tun, dass du echte Fülle gar nicht fühlen kannst. Echte Fülle ist die Abwesenheit von Mangel. Mangel ist künstlich. Mangel ist eine Idee, eine hartnäckige allerdings. Und diese Idee besagt, dass das, was jetzt hier ist, zu wenig ist. Es kann aber gar keinen Mangel geben, denn das Einzige, was du wirklich hast, indem du es erlebst, ist Leben und ein Mangel an Leben existiert nicht. Du kannst also gar keinen Mangel erleben. Du erlebst immer nur die Fülle des Lebens. Das Dumme ist nur, dass wir Fülle mit falschen Vorstellungen assoziieren, also zum Beispiel mit viel Geld oder im allerletzten Schritt mit besonders guten Gefühlen. Es kann also gar keinen Mangel geben. Also es gibt nicht das Gegenteil von Fülle, indem du sagst: »Fülle ist viel Geld und Mangel ist also wenig oder gar kein Geld.« Was uns belastet, ist die Vorstellung, die Idee von Mangel. Nämlich dass, wenn wir wenig oder gar kein Geld haben, im Mangel sind. Aber wie könnte das sein? Wenn Leben bereits die Fülle ist, muss die Idee von Mangel sehr hartnäckig sein, um in dir existieren zu können und Gefühle in dir auszulösen. Der Weg in die echte Fülle führt immer durch den gefühlten Mangel. Nur so kannst du herausfinden, dass Mangel gar nicht existiert und dein Leben selbst bereits die erlebte Fülle ist. Echte Fülle kannst du also nur durch eingebildeten Mangel fühlen. Und dieses Fühlen der Fülle muss gar kein Gefühl sein. Es ist einfach eine Erkenntnis, die bleibt, die nicht weggeht. Eine Erkenntnis, die so konstant ist und so deutlich, dass dir dein Verstand keinen Mangel mehr einreden kann. Er kann zwar noch denken: »Oh Gott, ich habe zu wenig!«, aber du kannst ihm das nicht mehr lange glauben. Du kannst ihm seine Geschichte nicht mehr abnehmen. Wenn du durch die Idee von Mangel im gefühlten Mangel lebst, denkst du, dass Fülle das Gegenteil davon ist und ein positives Gefühl auslösen muss. Das kann zwar sein, aber auch das ist nur temporär. Wir wünschen uns das Gefühl von Fülle nur, weil wir im gefühlten Mangel leben und nicht deshalb, weil wir das Gefühl von Fülle dringend brauchen oder unbedingt erleben müssen. Die Idee von Fülle existiert, weil wir unseren Mangel-Gedanken glauben. Sobald wir erkennen, dass diese Mangel-Gedanken nicht real sind, erkennen wir, dass auch der Wunsch nach Fülle nicht real ist. Und er fällt ganz automatisch weg. Er verliert seine Bedeutung.